Manche wollen den Kasseler Schornsteinfeger Christoph Lieberum einfach nur berühren

Er bringt das Glück ins Haus

Gruß mit dem Zylinder: Auch Schornsteinfegermeister Christoph Lieberum wünscht allen einen guten Start ins neue Jahr.
+
Gruß mit dem Zylinder: Auch Schornsteinfegermeister Christoph Lieberum wünscht allen einen guten Start ins neue Jahr.

„Es gibt immer ein Schmunzeln“, sagt Schornsteinfegermeister Christoph Lieberum auf die Frage, ob er es noch mag, wenn Passanten ihn als Glücksbringer mal anfassen oder gar an einem seiner goldenen Knöpfe drehen wollen. Denn das Drehen an der schmucken Arbeitskleidung soll Glück bringen, sagt man. Glück für das neue Jahr.

Kassel – „Das Schmunzeln kriege ich seit 20 Jahren nicht raus“, betont Lieberum, der tatsächlich mit einem Lächeln zum Termin mit der HNA um die Ecke kommt.

Der typische Spruch von Passanten laute: „Eins, zwei, drei, vier – das Glück gehört mir.“ Viele Leute wollten einfach auch mal einen Knopf anfassen. „Nur das Küsschen kommt derzeit nicht mehr vor. Das ist ja im Moment auch nicht corona-konform“, sagt Lieberum und schmunzelt schon wieder.

Dass die Schornsteinfeger das Glück in den Ort bringen, sei eine Überlieferung aus dem Mittelalter, erläutert der 35-Jährige, der mit Frau und Tochter in Harleshausen wohnt und seinen Arbeitsschwerpunkt im Kasseler Stadtteil Wolfsanger hat.

Wenn die Kamine regelmäßig gekehrt wurden, dann kam es zu weniger Bränden in den Häusern. „Weil diese im Mittelalter so dicht nebeneinander standen, brannten manchmal ganze Straßenzüge ab“, so Lieberum.

Die Schornsteinfeger seien damals von Ort zu Ort gezogen, sagt er weiter. Wenn einer vorbei kam, habe es geheißen: „Das Glück kommt ins Haus, jetzt brennt es nicht mehr.“ Vor allem auf dem Land sei dieser Gedanke bis heute ausgeprägt.

Und wie ändert sich das Berufsbild des Schornsteinfegers auch mit Blick auf den Klimawandel? „Auf der einen Seite sind wir immer noch klassisch der Schornsteinfeger, der die Schornsteine kehrt“, sagt Lieberum. „Es kommen aber immer mehr technische Sachen hinzu.“

Unter dem Eindruck des Klimawandels müsse er immer stärker auf die Emissionen von Heizungsanlagen und Feuerstätten achten. Manchmal müsse er alte Anlagen außer Betrieb nehmen und dann wieder moderne Anlagen, die weniger Emissionen erzeugten, in Betrieb setzen. „Der Umweltfaktor wächst.“

Den Begriff Klimabeauftragter hört Lieberum dennoch nicht gerne. „Wir werden auch immer weiter in Richtung der Klimagesetze gedrängt“, sagt er durchaus kritisch, weil ihm und seinen Kollegen viele zusätzliche Aufgaben übertragen werden. „Im Gegenzug wird uns schon viel von der Tradition weggenommen.“

Zu den steigenden Anforderungen passen dann auch die persönlichen Wünsche des 35-jährigen für 2022. „Weniger Stress, mehr Struktur – und mehr Zeit für die Familie.“

Christoph Lieberum behält auf jeden Fall immer den Überblick. Hoch oben von den Dächern der Orte kann er sich sein eigenes Bild von den Dingen machen. „Das ist immer wieder ein toller Moment, wenn man auf den Dächern ist“, sagt er „Da kann man über die ganze Stadt gucken.“

Dann hält Christoph Lieberum einen Moment inne und hängt noch – ganz ohne zu schmunzeln – hinten dran: „Es ist immer wieder faszinierend.“ (Sven Kühling)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.