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Ernteerträge im Landkreis Kassel schwanken stark

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Von: Daria Neu, Bea Ricken

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Das Bild zeigt zwei Landwirte auf einem Feld, die sich hockend eine junge, aus dem Boden gehobene Rapspflanze ansehen.
Begutachten den jungen Raps auf einem Feld: Jörg Kramm (links) und Stefan Kremper zeigen, dass die Pflanzen teilweise völlig unterschiedlich gewachsen sind – der Regen kam in diesem Fall zu spät nach der Aussaat. © Daria Neu

Eine eindeutige Erntebilanz können die Landwirte aus dem Kreis Kassel in diesem Jahr nicht ziehen.

Kreis Kassel - Kreislandwirt Jörg Kramm erklärt: „Die Erträge schwanken stark.“ Das liege an der anhaltenden Trockenheit, die lokal unterschiedlich stark ausgefallen sei und in Kombination mit dem jeweiligen Bodentyp vor Ort insbesondere Kulturen wie Kartoffeln, Mais und Rüben, aber auch dem Grünland dramatisch zugesetzt hatte. Die Ernte von Gerste, Weizen und Raps sei hingegen gut gelaufen. Und auch bei den Aussaaten fürs kommende Jahr seien schon jetzt Gewinner und Verlierer erkennbar.

Die Wasserversorgung in Kombination mit dem Bodentyp seien entscheidende Faktoren beim Wachstum der Pflanzen auf dem Feld. Tief durchwurzelbarer Lehmboden, wie man ihn im Landkreis vor allem in den Fluss- auen findet, habe ein hohes Wasserhaltevermögen, erklärt Stefan Kremper, Pflanzenbauberater des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH). Böden mit hohem Tongehalt trockneten hingegen unheimlich schnell aus. „In solchen Böden waren im Sommer so tiefe Risse, dass man darin sein Handy verlieren konnte“, verdeutlicht Kremper. Schlechtere Böden würde es in Regionen wie am Dörnberg geben.

Da der vergangene Winter ein regenreicher war, hätten die Winterkulturen (Gerste, Weizen, Raps) vergleichsweise gute Karten gehabt. „Sie konnten vom gespeicherten Wasser profitieren“, sagt Kramm. „Die Verlierer sind die Sommerkulturen, deren kleine Keimlinge Wasserbedarf im April gehabt hätten.“

Nach der Ernte kümmern sich die Bauern nun schon längst um die Aussaat fürs nächste Jahr. Kremper betont hierzu: „Der Niederschlag Mitte September war dafür extrem wichtig.“ Der Boden sei nun viel besser zu bearbeiten. Für die Gerste- und Weizenaussaat sei der Regen absolut passend gekommen. „Für den Raps kam der Niederschlag allerdings zu spät.“ Hierbei seien vielerorts wieder äußerst unterschiedliche Bestände zu erkennen.

An günstigen Standorten sei die Rapsernte tatsächlich gut, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer vom Kreisbauernverband. Überraschend positiv habe auch die Getreideernte abgeschnitten. Traurig sähen dagegen die Ergebnisse bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais aus. „Da haben wir aufgrund der Trockenheit ein Drittel weniger erzielt.“ Ähnlich mies seien die Grünlanderträge ausgefallen. Nach dem zweiten Schnitt wäre kein Gras mehr nachgewachsen. Erst jetzt sei noch etwas nachgekommen.

Mit Blick auf den Klimawandel müssen Landwirte ihre Feldkulturen künftig immer besser planen. Tatsächlich macht das zunehmend von Extremen geprägte Wetter es merklich schwerer, die Arbeit auf dem Feld zu kalkulieren. „Klimawandel heißt nicht nur Trockenheit“, erklärt Kremper. „Klimawandel bedeutet, dass wir es immer häufiger mit Extremwetterlagen zu tun haben.“ Dürre, Starkregen, Spätfröste – Landwirte müssten Systeme finden, um mit diesen Extremen zurechtzukommen.

In Zukunft müsse man daher mehr und mehr auf einen gesunden Mix an Kulturen setzen. „Das versuchen wir auch jetzt schon“, erklärt Kramm. Lupine, Sonnenblume, Dinkel, Roggen – der Trend gehe auch wieder in Richtung alter Kulturen, die zwischenzeitlich gar nicht mehr ausgesät worden seien.

Ein Restrisiko aber bleibt immer. Ein Beispiel ist die aktuelle Rapsaussaat. „Es gibt Landwirte, auf deren Flächen der Niederschlag Mitte September genau passend zur Aussaat kam. Andere sind nur wenige Tage früher unterwegs gewesen – für sie ist auf einigen Rapsfeldern schon jetzt die Messe gelesen, weil es für sie zu spät geregnet hat.“

Nun komme es weiter darauf an, wie regenreich die nächsten Monate für die Winterkulturen werden. Die Sommerkulturen hingegen brauchen den Niederschlag dann wieder dringend in den Frühjahrs- und Frühsommermonaten. „2021 war der Sommer übrigens recht regenreich. In diesem Jahr haben wir das Gegenteil erlebt“, sagt Kramm.

Von Daria Neu Und Bea Ricken

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