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„Ich dachte, das Auto explodiert“ - Autoaufbrüche in Stadt und Kreis Kassel zuletzt gestiegen

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Von: Valerie Schaub

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Immer häufiger stehlen Diebe Fahrzeugteile in Kassel. Sich davor zu schützen, ist schwer. Trotzdem hat die Polizei ein paar Tipps.

Kreis Kassel – Zum Jahreswechsel sind in Stadt und Landkreis Kassel auffällig viele Autos aufgebrochen worden. Allein in der vergangenen Woche wurden 18 Fälle bei der Polizei gemeldet, acht im Landkreis, 16 in der Stadt. Oftmals suchen Täter in den parkenden Autos nach Bargeld oder Wertgegenständen. Manchmal haben sie es auch auf Ersatzteile oder wertvolle Edelmetalle abgesehen.

Katalysatoren sind bei Tätern besonders beliebt. In den letzten drei Monaten sind im Landkreis acht dieser Teile an parkenden Autos gestohlen worden, bestätigt die Polizei. In der Stadt sind sogar bis zu 40 Fälle bekannt.

Der Kat ist weg: Aus dem Polo von Heidi Lunitz aus Fuldatal wurde das Teil gestohlen. Kfz-Meister Olaf Kratzsch zeigt die Stelle, an der Diebe den Katalysator abgeflext haben. Solche Fälle häuften sich zuletzt in Stadt und Landkreis.
Der Kat ist weg: Aus dem Polo von Heidi Lunitz aus Fuldatal wurde das Teil gestohlen. Kfz-Meister Olaf Kratzsch zeigt die Stelle, an der Diebe den Katalysator abgeflext haben. Solche Fälle häuften sich zuletzt in Stadt und Landkreis Kassel. © Valerie Schaub

Mehr Fahrzeuge in Kassel aufgebrochen: Alte Autos besonders gefährdet

Auch bei dem lila-farbenen Polo von Heidi Lunitz aus Fuldatal fehlt nun das über 1000 Euro teure Teil. Als sie für Silvester noch Kleinigkeiten einkaufen wollte und ihr Auto startete, gab es einen riesigen Schlag, erzählt die 71-Jährige. „Ich dachte, das Auto explodiert, beim Fahren hat es geröhrt wie ein Sportwagen.“

Warum das so ist, erklärt Lunitz’ Kfz-Meister Olaf Kratzsch: „Der Kat nimmt viel Schall weg.“ Wenn er fehlt, ist das Auto sehr viel lauter. Unter dem Polo auf seiner Hebebühne in Fuldatal zeigt Kratzsch auf den sauberen Flex-Schnitt am Auspuffrohr. Täter nutzten dafür ein Spezialwerkzeug. Das Herausschneiden gehe damit schnell – er schätzt, es dauert nur wenige Minuten.

Unter dem Polo lässt sich erkennen, warum die Täter es auf ein 24 Jahre altes Auto abgesehen haben. „Bei alten Autos ist der Kat unten, bei neueren vorn im Motorraum“, erklärt Kratzsch. Da kämen Täter schlechter dran.

Die Fahrt ohne Katalysator zur nächsten Werkstatt schätzt der Kfz-Meister nicht als gefährlich ein. Allerdings sollte man lange Fahrten meiden. Die Abgase würden ohne Katalysator 600 Grad heiß und könnten am Unterboden des Autos ein Feuer auslösen.

Autoaufbrüche in Kassel: Polizei geht von Bandenkriminalität aus

Neben Katalysatoren haben es manche Täter auch auf Airbags oder Bordcomputer abgesehen, berichtet Polizeisprecherin Ulrike Schaake gegenüber unserer Zeitung. Die Polizei geht davon aus, dass dabei Profis am Werk sind, die die Teile schnell ausgebaut haben. Meist seien Banden im Hintergrund aktiv. Hinter normalen Autoaufbrüchen vermutet die Polizei hingegen Einzel- und Gelegenheitstäter.

In allen Fällen ist die Aufklärungsquote laut Polizei eher gering. Von 117 Aufbrüchen 2021 im Landkreis wurden nur 15 Fälle aufgeklärt. Die Taten gehen schnell, meist passierten Aufbrüche wie Teilediebstähle nachts. Was von außen wie eine Autopanne oder ein Reifenwechsel aussieht, kann in Wahrheit ein Diebstahl sein. Schaake rät, in Verdachtsfällen lieber die Polizei zu verständigen, wenn einem eine Beobachtung aus sicherer Entfernung seltsam vorkomme.

Autodiebstähle in Kassel: Kriminelle nutzen neue Technik

Laut Polizei ist es schwer, sich vor solchen Diebstählen zu schützen. Ein Parkplatz an beleuchteten Stellen könne das Risiko verringern. Bei Heidi Lunitz hat auch das nicht geholfen.

Gehäuft sind zuletzt auch teure Autos wie BMW oder Audis im Landkreis Kassel gestohlen worden. Diebe nutzen dazu die Keyless-Go-Technik. Laut Polizei spricht diese Serie aber nicht für einen generellen Anstieg. Trotz der gehäuften Fälle um den Jahreswechsel seien die Zahlen aufs Jahr gesehen nicht angestiegen. Genauere Werte liefere erst die Kriminalstatistik. (Valerie Schaub)

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