Kita-Träger konkurrieren um Fachkräfte

Erzieher sind auch im Landkreis Kassel Mangelware

Verbesserte Ausbildungsbedingungen gelten als Schlüssel, um mehr Menschen für den Erzieherberuf zu begeistern.
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Verbesserte Ausbildungsbedingungen gelten als Schlüssel, um mehr Menschen für den Erzieherberuf zu begeistern.

Es wird immer schwieriger, Erzieher zu finden. Der Markt ist leer gefegt. Das bekommen auch die Kommunen im Landkreis Kassel zu spüren.

So schlimm wie in Südhessen ist es aber noch nicht. „Wir haben bisher noch kein Signal von Trägern erhalten, dass sie die notwendige Personalstärke nicht erreichen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Das Jugendamt des Landkreises muss in solchen Fällen informiert werden. Doch die Luft wird dünner: „Das wird auch hier Thema werden“, sagt Kühlborn. Schon jetzt stünden die Träger in Wettbewerb um die Fachkräfte.

Das hat mit dem gestiegenen Betreuungsbedarf zu tun, wird aber auch verschärft durch Änderungen im Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch, die eigentlich der Verbesserung der Betreuung dienen sollen. Bis zum 1. August 2022 muss zum Beispiel mehr Zeit für Ausfälle, etwa durch Urlaub oder Krankheit, eingeplant werden. Außerdem bekommen Kita-Leitungen mehr Zeit außerhalb des Gruppendienstes. Dafür gibt es finanzielle Zuschüsse vom Land.

Aktuell ist das Thema in den Kaufunger und den Lohfeldener Parlamenten. „Die Erhöhung des Mindestfachkraftbedarfs wurde bereits im aktuellen Kita-Jahr deutlich spürbar durch einen einsetzenden Fachkräftemangel“, erklärt Christa Ment, Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten in Kaufungen. Stellen habe man nicht nahtlos wiederbesetzen können und teils habe es keine Auswahl bei Bewerbern gegeben. „Personelle Mangelsituationen sowie unzureichend qualifizierte Mitarbeiter führen zu einem Domino-Effekt: Die Arbeit wird als belastend empfunden und die Abwanderung zu einem Träger mit vermeintlich besseren Bedingungen wird in Erwägung gezogen“, sagt Ment. Umso wichtiger sei es, sich offensiv als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und schnell bestmögliche personelle Rahmenbedingungen zu schaffen.

Zusätzlich zu Ausfallzeiten und der Leitungsfreistellung gibt es weitere Zusatzzeiten, die eingeplant werden müssen, um weiterhin optimale Betreuung zu bieten und Fördergelder auszuschöpfen, erklärt Tanja Hammer von der Gemeinde Lohfelden. Das führt dazu, dass die Gemeinde jetzt zwischen 4,3 und 6 Vollzeitstellen schaffen muss. „Auch wir kennen das Problem mit der Akquise natürlich“, sagt Hauptamtsleiter Kai Hast. Bisher sei es aber gelungen, genug Personal zu finden. Man habe den Eindruck, dass die bereits deutlich über den Mindeststandards liegende Personalausstattung zur Attraktivität als Arbeitgeber beitrage.

In anderen Kommunen wie Fuldatal ist der neue Standard schon erfüllt. „Aber auch uns trifft der Fachkräftemangel“, sagt Verwaltungsmitarbeiter Michael Thöne. Die Gemeinde habe die Bereiche Ausbildung, Fortbildung und Supervision ausgebaut, um Personal anzuziehen und zu binden.

Auch die Stadt Baunatal wirbt mit stetiger Fortbildung in der Arbeitszeit und einem Nachwuchsförderprogramm, erklärt Sprecherin Susanne Bräutigam. Um für zukünftigen Bedarf gerüstet zu sein, sei es aber notwendig, dass die Ausbildung attraktiver wird. „Dies geschieht zum Teil schon durch die praxisintegrierte vergütete Ausbildung. Gleichzeitig braucht es einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert aller Berufe, die am Menschen arbeiten.“ Auch brauche es mehr positive Werbung für den Erzieherberuf. Baunatal beteilige sich zum Beispiel am Boys Day, an dem Jungs in den Erzieherberuf hineinschnuppern können.

Fachkräftemangel

Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete 2020 deutschlandweit fast 11 000 offene sozialversicherungspflichtige Stellen für Erzieherinnen, gleichzeitig waren nur etwa 7700 Personen mit diesem Zielberuf arbeitslos. Die Lücke gibt es, obwohl sich das Personalwachstum in Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Jahren ungebremst fortgesetzt hat, heißt es im Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2021 des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Trotzdem werden laut des DJI in den westdeutschen Bundesländern bis 2025 – je nach Berechnungsgrundlage – zwischen 20 000 und 72 500 Fachkräfte fehlen, um den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr und den Bedarf der Eltern decken zu können. In Ostdeutschland könnte dagegen aufgrund des sinkenden Personalbedarfs – bei konstanten Ausbildungszahlen – Personal für Qualitätsverbesserungen eingesetzt werden.

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