Er filmte die Tat mit seinem Handy

Mann prügelt mutmaßlichen Pferdeschänder ins Koma: Jetzt geht es auch um andere Straftaten

Gleich mehrfach soll es im Frühjahr 2015 in einem Reitstall in Espenau zu Übergriffen auf Pferde gekommen sein.
+
Bei mehreren Pferden soll es im Frühjahr 2015 in einem Reitstall in Espenau (Altkreis Kassel) zu Übergriffen gekommen sein.

Ein Mann soll Pferde geschändet haben. Deswegen wurde er fast totgetreten. Der Angreifer aus dem Landkreis Kassel filmte seine Tat und steht nun vor Gericht.

  • Ein 33-Jähriger hat einen Mann, der mutmaßlich Pferde geschändet haben soll, ins Koma getreten
  • Er filmte seine Tat in Espenau im Landkreis Kassel (Nordhessen) mit dem eigenen Handy
  • Der Geschädigte ist seitdem schwerbehindert.

Update von Samstag, 29.02.2020, 13.58 Uhr: Ein 34-jähriger Mann muss sich derzeit vor dem Landgericht beweisen, weil er im Juni 2015 einen mutmaßlichen Pferde-Schänder in Espenau im Landkreis Kassel ins Koma geprügelt haben soll. Zur jüngsten Prozessfortsetzung, in der es jetzt auch um weitere Straftaten des Mannes geht, kam er im Rollstuhl.

Brutale Tat auf mutmaßlichen Pferde-Schänder in Espenau: Mann muss sich vor Gericht behaupten

Erstmeldung von Mittwoch, 05.02.2020, 12.46 Uhr: Das Opfer ist seit der brutalen Tat im Juni 2015 schwerstbehindert, kann nur noch über eine Magensonde ernährt werden und bleibt bis zum Lebensende ein Pflegefall, wie Staatsanwalt Christian Adam in seiner Anklage gestern vor der 6. Strafkammer des Landgerichts feststellte.

Pferd geschändet? 33-Jähriger attackiert Mann deshalb in Espenau

Bei der Tat handelt es sich vermutlich um einen Akt der Selbstjustiz: Im Raum Espenau waren vor fünf Jahren immer wieder Pferde sexuell missbraucht und mit Schnitten schwer verletzt worden. Der Angeklagte sei am Abend des 11. Juni 2015 aus einer Pizzeria in Espenau gekommen, nachdem er nach eigenen Angaben rund fünfeinhalb Liter Bier und diverse Schnäpse getrunken hatte.

Auf vermeintlichen Pferde-Schänder losgegangen - „Ich tue der Menschheit einen Gefallen"

Auf der Straße habe er den vermeintlichen Pferde-Schänder gesehen, schilderte Ankläger Adam das Geschehen. Der 33-Jährige setzte sich auf sein Quad, schaltete das Handy ein und kündigte an, er werde den „Pferde-Flüsterer“ gleich „in die Fresse“ hauen. 

„Ich tue der Menschheit einen Gefallen, den hau´ ich jetzt weg.“ Mit den Worten „Du bist also der Pferde-Flüsterer vom Schäferberg“ stürzte sich der Angeklagte in Espenau auf den Mann, schlug ihn zu Boden und trat unter schwerem Keuchen rund 30 Mal gegen Kopf und Körper. Anschließend fuhr er davon.

Mann soll Pferde geschändet haben - Alkoholisiert geht ein Mann in Espenau deshalb auf ihn los 

Der mutmaßliche Pferde-Schänder blieb mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma auf der Straße in Espenau zurück. Zur Tatzeit errechnete die Polizei später einen Alkoholgehalt von 2,5 Promille bei dem Angeklagten. 

Es ist nicht die einzige Gewalttat, die Staatsanwalt Adam dem 33-Jährigen gestern vorwarf: Am 28. Mai 2017 soll er in einer Kasseler Kneipe mit einer Frau getrunken haben, die anschließend mit in seine Wohnung kam. Dort habe er die Frau von hinten an die Brüste gefasst, obwohl die immer wieder „Nein“ geschrien habe. Bei Opfer und Täter wurden später Blutalkohol von 2,38 und 2,78 Promille gemessen.

Vor Angriff auf vermeintlichen Pferde-Schänder: Angeklagter hat betrunken bereits öfter zugeschlagen

Bei einer Karnevalsveranstaltung in Espenau am 11. Februar 2018 soll der Angeklagte, der den mutmaßlichen Pferde-Schänder angegriffen haben soll, einen Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm dabei schwere Prellungen zugefügt haben. Am 8. März 2018 war er laut Anklage bei Vellmar ohne Führerschein aber mit zwei Promille Alkohol und Drogen im Blut in einem BMW unterwegs, den er gegen eine Betonbegrenzung setzte. 

In einer Diskothek an der Kasseler Hilpert-Straße soll er am 23. Juni 2019 einen Gast ohne ersichtlichen Grund zweimal ins Gesicht geschlagen und den dann am Boden liegenden Mann zweimal gegen den Kopf getreten haben. Der Geschädigte erlitt Prellungen und Hämatome.

Ähnlich erging es einem anderen Geschädigten am 20. August auf der Berliner Straße in Espenau. Wiederum ohne Anlass, so der Ankläger, habe der Angeklagte, der den vermeintlichen Pferde-Schänder attackiert haben soll, den Mann zweimal mit der Hand ins Gesicht geschlagen, sodass dessen Nase blutete.

Nach Angriff auf mutmaßlichen Pferde-Schänder: Angeklagter will sich nicht äußern

Am Montag ist lediglich die Anklage verlesen worden, zu der sich der 33-Jährige nach Angaben seines Verteidigers Bernd Pfläging nicht äußern werde. Die Verhandlung zu der Attacke in Espenau wird am Donnerstag, 20.02.2020, um 9 Uhr fortgesetzt. An den acht angesetzten Verhandlungstagen wollen Richter Volker Mütze und seine Kammer 28 Zeugen hören.

An Pferd vergangen - Züchter entdeckt Mann auf Videoaufnahme - Die Historie des Vorfalles 

  • 28. März 2015: Ein Pferde-Züchter entdeckt auf einer Videoaufnahme einen Mann, der sich an einer Stute vergeht und sich selbst befriedigt. Die Aufnahme entstand mit einer Kamera, die zur Beobachtung der trächtigen Tiere montiert worden war. In einem anderen Stall soll der Züchter Tage zuvor Blutspuren entdeckt haben. Dort soll eine misshandelte Stute tierärztlich behandelt worden sein.
  • 11. Juni 2015: Der damals 51-Jährige wird schwer verletzt auf dem Gehweg der Hermann-Gmeiner-Straße entdeckt. Im Ort mehren sich die Gerüchte, dass es sich bei dem Verletzten um den mutmaßlichen Pferde-Schänder auf der Videoaufnahme handelt.
  • 21. August 2015: Die Polizei nimmt den Angeklagten wegen des versuchten Tötungsdelikts fest. Er gesteht, das Opfer am Tatabend niedergeschlagen zu haben. 
  • 12. September 2105: Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen den mutmaßlichen Pferde-Schänder ein, weil kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz besteht. Die Videoaufnahme sei kein Beweis für eine Straftat im juristischen Sinn. Die Staatsanwaltschaft gibt den Fall an die zuständige Ordnungsbehörde ab. 
  • 22. Oktober 2015: Bei einem Haftprüfungstermin wird der Haftbefehl gegen den Angeklagten außer Kraft gesetzt. Seitdem befindet sich der heute 33-Jährige auf freiem Fuß.
  • 15.03.2020: ImProzess wird ein psychologisches Gutachten zu dem Täter vorgelegt. 

Verkehrskontrolle eskaliert: Polizist erschießt bewaffneten Mann

Nicht weit von Espenau entfernt ereignete sich ein anderer Vorfall. Einer Verkehrskontrolle im nordhessischen Vellmar eskalierte: Ein Polizeibeamter musste von seiner Dienstwaffe Gebrauch machen - der Mann stirbt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.