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Acht Bestattungsbäume sollen weg: Trockenheit hat Buchen auf Friedhof Waldruhe in Espenau zugesetzt

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Von: Tanja Temme

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Gleiche Problematik wie im echten Wald: Acht Buchen sollen nun auf dem Friedhof Waldruhe Schäferberg gefällt werden. Vier Bäume wurden bereits als Begräbnisstätten genutzt. Förster Florian Horst schließt nicht aus, dass auch zukünftig noch weitere Bäume gefällt werden müssen.
Gleiche Problematik wie im echten Wald: Acht Buchen sollen nun auf dem Friedhof Waldruhe Schäferberg gefällt werden. Vier Bäume wurden bereits als Begräbnisstätten genutzt. Förster Florian Horst schließt nicht aus, dass auch zukünftig noch weitere Bäume gefällt werden müssen. © Tanja Temme

Im Wald ist das Buchensterben längst Thema –nun schwappt das Problem auch auf naturnahe Begräbnisstätten über: Da auch Bäume auf dem Friedhof Waldruhe Schäferberg Schaden von der Trockenheit der letzten Jahre genommen haben, sollen nun acht gefällt werden. Unter vier dieser Buchen wurden bereits Menschen begraben, ein weiterer wurde als Grabstätte verkauft.

Espenau – Zuständig für das 35 000 Quadratmeter große Areal ist Förster Florian Horst. Wenn er durch die Baumreihen des Waldfriedhofs geht, blickt er meist nach oben, eben dort, wo sich die Baumkronen befinden. „Gerade im oberen Bereich haben einige der Buchen viele trockene Äste“, sagt der Fachmann, von diesen gehe eine Gefahr aus, denn man wisse nie, wann diese herunterkämen. Neben dem trockenen Kronenholz zeigt er an den ausgewählten Bäumen auch Pilzbefall oder sogenannten Schleimfluss auf, beides ebenfalls Zeichen, dass ein Baum nicht mehr ganz gesund ist. Schon im Sommer hatte Horst Fällungen von vier Bestattungsbäumen vornehmen lassen müssen. Diese wären allerdings unbelegt gewesen, erklärt Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda. Dieser ist für den Waldfriedhof zuständig, da er der Gemeinde gehört.

Dass nun weitere der lebendigen Grabstätten weichen sollen, erfreut auch das Gemeindeoberhaupt nicht: „Die Sicherheit geht dabei vor“, sagt er und ergänzt, dass man bemüht wäre „individuelle Lösungen“ zu finden. So ist erstmal geplant, die Buchen auf zwei bis drei Meter Höhe zurückzuschneiden. So sollen Habitatbäume entstehen, die Tieren und Pflanzen als neue Heimat dienen. Ist das nicht möglich, will man über eine Ersatzpflanzung nachdenken. Insgesamt sieben Urnen befinden sich unter den vier Begräbnisbäumen, die nun fallen sollen. Wie Strzroda berichtet, hätte man die Angehörigen informiert. Größere Einwände soll es von deren Seite bislang nicht gegeben haben, ergänzte er.

Ob am Ende wirklich alle acht Bäume gefällt werden, ist noch nicht hundertprozentig geklärt. „Es gibt die ein oder andere Buche, wo eventuell ein Baumkletterer die oberen Äste herausnehmen könnte - ob das möglich ist, muss dieser selbst entscheiden“, meinte Horst. Schwere Maschinen einzusetzen, um den 30 Meter hohen Kronenbereich zu erreichen, käme nicht in Frage. Da dort überall Menschen begraben sind, sei der Bereich zu sensibel.

350 Bäume hat die Gemeinde inzwischen als Begräbnisstätten auf dem Waldfriedhof verkauft. Dass das Thema Baumsterben sie auch zukünftig begleite, ja auch der Friedwald im Reinhardswald sich bald damit befassen müsse, davon ist Horst überzeugt. Überlegungen, wie man zukünftig mit der starken Trockenheit umgehe, gebe es, so der Förster. Allerdings wären das Maßnahmen, die nicht von heute auf morgen realisiert werden könnten.

Besonderer Ort: Auf dem Friedhof Waldruhe stehen 705 Bäume als Begräbnisstätte zur Verfügung.
Besonderer Ort: Auf dem Friedhof Waldruhe stehen 705 Bäume als Begräbnisstätte zur Verfügung. © Temme, Tanja

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