Hunderte Pokale im Haus

Alles für das Auto: Espenauer blickt auf fast 50 Jahre Motorsport zurück

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Diesen Mercedes Benz 250 CE mit dem Baujahr 1971 hat Wolf Riemenschneider selbst restauriert. Der 78-Jährige blickt auf fa st 50 Jahre Motorsport zurück. Seit er 2012 einen Schlaganfall hatte, ist er auf eine Gehhilfe angewiesen. Er fährt heute keine Rennen mehr.

Bei Wolf Riemenschneider aus Hohenkirchen dreht sich alles ums Auto. Hunderte Pokale reihen sich auf Regalen aneinander, ordentlich aufgestellt und poliert. „In jedem Raum hab ich welche stehen“, betont der 78-Jährige stolz. Die rund 400 Pokale erinnern ihn an die Zeit, als Motorsport seine größte Leidenschaft war.

Wolf Riemenschneider holt eine Kiste hervor mit Urkunden und Fotos, die knapp 50 Jahre Motorsport-Geschichte dokumentieren. „Angefangen habe ich mit Slalom- und Orientierungsfahrten in der kleinsten Klasse“, erzählt er und zeigt auf ein Bild, auf dem er in einem 850er-Fiat um eine Kurve heizt. „Das war mein erstes Rallyeauto. 47 PS hatte das.“ Später fuhr er unter anderem auch einen Autobianchi, einen Audi 50, einen Golf 1 und einen BMW 2002 Ti.

Entdeckt hat Riemenschneider sein Hobby aber erst mit 25 Jahren. Er sei in diesem Sport ein Spätzünder gewesen, meint er. Deutschlandweit hat er an Rallyes teilgenommen. Seinen ersten großen Sieg errang er Ende der 60er in Göttingen beim Slalomfahren. Gegen 175 Teilnehmer setzte er sich durch und erhielt vier Pokale. Zu jedem Wettkampf sei er auf eigener Achse gefahren.

Wenn im Jahr etwas Geld übrig war, erzählt er, hat er auch an der Drei-Städte-Rallye teilgenommen: München, Wien und Budapest an einem Wochenende. „Sonntagnachmittag war damals Siegerehrung und Montag standen wir ab sieben Uhr wieder an der Arbeit“, erinnert sich Riemenschneider.

In 25 Jahren Rallye-Geschichte hat Wolf Riemenschneider viel erlebt. Bei der großen Ölkrise in den 70ern etwa, durfte eine Zeit lang kein Auto gefahren werden. In Mainz sollte eine Rallye stattfinden. Abgesagt wurde das Motorsportevent trotz Fahrverbot aber nicht. „Wir sind dann auf Fahrrädern gegeneinander angetreten“, sagt der Autofan mit einem herzhaften Lachen. „Ich hatte noch nie in meinem Leben so einen Muskelkater.“

Der gelernte Heizungsbauer hat sich außerdem selbst das Schrauben beigebracht und konnte seine Autos dadurch immer selbst reparieren. Schäden seien bei dem Sport nicht zu vermeiden. Wer zu zart zum Auto sei, der könne eben auch nicht gewinnen.

Mit dem Ankaufen kaputter Autos, dem Reparieren und Wiederverkaufen hat er sich zudem sein vergleichsweise teures Hobby finanziert. Mit 50 Jahren machte er ein Jahrzehnt Pause vom Rallye-Sport, bis es ihn wieder gepackt hat. Nun fuhr Riemenschneider allerdings keine Rallye mehr, sondern nahm an Oldtimer-Rennen teil. Mit seinem selbst restaurierten Mercedes Benz/8 250 CE mit Baujahr 1971 gewannen Wolf Riemenschneider und Beifahrer Erhard Walenda zahlreiche Rennen. Unter anderem ist er in den Jahren 2009, 2011 und 2012 Hessisch-Thüringischer Meister geworden und gewann dabei dreimal hintereinander den ADAC Oldtimer-Sport-Pokal. „2010 wurde dieser Wettkampf abgesagt“, erzählt er.

Seit einem Schlaganfall 2012 fährt Wolf Riemenschneider nicht mehr. Mehrere Monate lag er im Krankenhaus. „Wir hatten großes Glück“, sagt seine Frau Brigitte. Heute ist er auf eine Gehhilfe angewiesen. „Ich vermisse das Fahren schon sehr“, sagt er mit etwas Wehmut in der Stimme. Seine große Leidenschaft lässt er sich trotzdem nicht nehmen: Seinem Motorsportverein, dem MSC Espenau, bleibt er treu und feuert die Fahrer vom Fahrbahnrand an. Und sein geliebter Mercedes wartet angemeldet und zugedeckt in der Garage auf ihn. Man kann ja nie wissen.

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