Havarie in 200 Metern Tiefe

Bohrmeißel steckt fest: Neuer Tiefenbrunnen in Espenau wird teurer und verzögert sich

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Nutzlos: Die Kappe des alten Bohrlochs, aus dem Bürgermeister Carsten Strzoda nach der erfolgreichen Erkundungsbohrung schon vor gut einem Jahr den ersten Schluck des Trinkwassers nahm.

Weil ein Baumeißel feststeckt, verzögert sich der Bau des neuen Tiefbrunnens zwischen Espenau und Immenhausen.  Aber nicht nur das: Die Kosten für das Projekt werden sich dadurch verdoppeln. Bis zum Herbst wird es nun voraussichtlich dauern, bis der neue Tiefenbrunnen fertig ist.

Der Bau des neuen Tiefenbrunnens IV zwischen Espenau und Immenhausen, der die nachlassende Trinkwasserförderung des in die Jahre gekommenen Tiefenbrunnens I ausgleichen soll, verzögert sich erneut: Eine Havarie des Bohrwerkzeugs in 200 Meter Tiefe hat die Hauptbohrung gestoppt.

Gut 140 Meter fehlten da noch, um das Jahrtausende alte Grundwasserreservoir aus dem Solling und dem Reinhardswald anzuzapfen. Nun versucht es die Firma Engert mit einem neuen Bohrverfahren. Dadurch werden sich die Gesamtkosten des Projekts für die beiden Kommunen, die auch die Verbindungsleitungen zur Wasserzentrale und die Errichtung eines Brunnenhauses umfassen, fast verdoppeln – von 1,1 auf etwa 1,9 Millionen Euro. So schätzt jedenfalls Bernd Horstmann, Leiter des Zweckverbands Kommunale Dienste Immenhausen-Espenau.

Bis zum Herbst wird es nun voraussichtlich dauern, bis der neue Tiefenbrunnen fertig ist. Eigentlich sollte es schon vergangenen Herbst soweit sein. Doch schon während der Erkundungsbohrung, als man ein verhältnismäßig kleines Bohrloch in die Tiefe trieb, um die Ergiebigkeit und Qualität des Reservoirs zu testen, gab es Schwierigkeiten: Nachrutschendes Gestein drohte, das Bohrwerkzeug zu verklemmen.

Bei der Hauptbohrung, mit der das Loch auf 80 Zentimeter aufgeweitet werden soll, wiederholte sich dieses Problem. Mit dem bis dahin eingesetzten Fünf-Rollen-Meißel kam die Firma bald nicht weiter. Die Beschaffung eines Stufenmeißels dauerte und sorgte für eine monatelange Verzögerung. Doch auch mit dem neuen Gerät war dann 130 Meter vor dem Ziel Schluss.

Der Meißel verkantete sich, weiteres Bohrwerkzeug klemmte im lockeren Gestein fest und musste aufgegeben werden. „So etwas passiert in einem vom 1000 Fällen“, meint Horstmann.

Die Firma Engert hat nun rund zehn Meter von der alten Bohrstelle entfernt mit einer neuen Bohrung begonnen. Denn der havarierte Meißel im Gestein bildet für neue Bohrversuche ein unüberwindliches Hindernis. Diesmal werden große Stahlrohre in das Bohrloch nachgeschoben, die den neuen Bohrmeißel und das Gestänge vor nachrutschendem Gestein schützen. Das verursache 350 000 bis 380 000 Euro Mehrkosten, sagte Horstmann auf Anfrage. Beim ersten Bohrversuch habe man aus wirtschaftlichen Gründen auf dieses Verfahren verzichtet, zumal Havarien extrem selten vorkämen.

Die Wasserversorgung von Espenau und Immenhausen sei durch die lange Verzögerung beim Bau des neuen Brunnens keinesfalls gefährdet, sagt Horstmann. Denn der beschädigte Tiefenbrunnen I fördere ja weiterhin Trinkwasser. 

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