Ausgebucht für mehr als zwei Jahre

Brüder bauen in Espenau Busse zu Campern um 

Lutz (links) und Philipp Mehlhorn bauen in ihrer Werkstatt Busse zu Campern um, manche verkaufen sie auch neu. Rechts steht eines der letzten Sondermodelle eines T3-Bullis.
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Ein Herz für Busse: Lutz (links) und Philipp Mehlhorn bauen in ihrer Werkstatt Busse zu Campern um, manche verkaufen sie auch neu. Rechts steht eines der letzten Sondermodelle eines T3-Bullis.

Während Flugzeuge still und Hotels leer stehen, wird der Camper zum gefragten Gefährt. Vereint er doch alles, was man zum Urlaub machen braucht: Er ist Transportmittel, Schlafplatz und Küche in einem.

Espenau – Weil das so ist, klingelt in den Hallen der alten Landmaschinenwerkstatt Brede am Rand von Espenau ständig das Telefon. Hier schrauben Lutz Mehlhorn und sein Bruder Philipp jede freie Minute an Campingbussen. Und weil Corona die Urlaubsplanung so schwierig macht, ist ihre Busmanufaktur für die nächsten zweieinhalb Jahre ausgebucht.

Normalerweise nehme das nebenberufliche Geschäft der Brüder erst im Mai Fahrt auf, sagt Mehlhorn. Jetzt seien schon zwei Drittel der neuen Busse weg. „Wir haben schon Autos verkauft, die noch gar nicht da sind.“ Kunden kämen aus ganz Deutschland. Viele hätten einen Leidensweg hinter sich, weil sie keine Spezialisten für ihren alten Campingbus fänden.

Auch deshalb haben die Brüder Lutz (51) und Philipp (40) vor vier Jahren angefangen, neben ihrem Geschäft in Immenhausen eine Werkstatt für die Restauration von T3-Bullis der Marke VW zu betreiben – weil sie selbst unzufrieden waren mit dem Markt an Spezialisten, sagt Lutz Mehlhorn, der zuvor lange bei VW in der Automobilentwicklung gearbeitet hat. Neben Reparaturen verkaufen sie auch neue und selbst umgebaute Modelle.

Den ihrer Meinung nach besten Mechaniker auf dem Gebiet haben die beiden gleich für ihre Werkstatt verhaftet. Thomas Pleger, der früher die Busse der Brüder repariert hat, schraubt nun in ihrer Werkstatt.

Gleich vorn liegt eine graue Karosse auf der Hebebühne. Was wie ein trostloses Skelett aussieht, wird sich bald in ein 40 000 bis 50 000 Euro teures Schmuckstück verwandeln mit Allradantrieb, Schiffsbeplankung und Ledersitzen.

Es gibt viele Kunden, die mit alten Erbstücken zu den Mehlhorns fahren – verwohnte Busse mit bunten Gardinen und Aufklebern. „Manche sind sogar darin geboren worden“, sagt Philipp Mehlhorn. Es sind die, die auch dann nicht vor Reparaturen zurückschrecken, wenn sie wirtschaftlich wenig sinnvoll seien und Monate dauern.

Dann gibt es die, die schon immer campen wollten – und merken, dass das Hotel eher ihre Sache ist. „Manche Busse von Kunden sehen wir auch wieder“, sagt Lutz Mehlhorn und schmunzelt. Es gibt aber auch die Kunden, die den Brüdern regelmäßig Urlaubsfotos schicken. Und die Kunden mit der Panne in Süditalien, denen die Brüder das gesuchte Teil plus Anleitung an die Autowerkstatt vor Ort senden. Weil man bei alten Bullis eben nicht schnell mal in den Ersatzteilekatalog schauen könne.

Wegen all dem ist die Werkstatt für die Brüder eine Herzenssache. Genauso wie das Campen. Und dafür reicht ihnen auch mal das nahe Naumburg oder Borken. (Valerie Schaub)

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