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Ein Ring für Espenaus Storch Alex(a)

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Von: Valerie Schaub

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Mit dem Hubsteiger hat Björn Lezius vom ZKD Immenhausen-Espenau den Beringer Thomas Weiß nah ans Nest gefahren. Dort bekommt der Jungstorch seinen Ring.
Mit dem Hubsteiger hat Björn Lezius vom ZKD Immenhausen-Espenau den Beringer Thomas Weiß nah ans Nest gefahren. Dort bekommt der Jungstorch seinen Ring. © Schaub, Valerie

Aufregung im Espenauer Storchennest: Der verbliebene Jungstorch hat seinen Ring bekommen. Thomas Weiß erklärt, worauf es bei der Beringung ankommt.

Dass ein Mensch ihm einmal so nah kommt, davon ahnt der Jungstorch hoch oben in seinem Nest bei Espenau am Morgen noch nichts. Am Boden hat Björn Lezius vom Zweckverband Kommunale Dienste (ZKD) schon den Hubsteiger bereitgestellt. Der Jungstorch soll heute seinen Ring bekommen, mit dem Menschen später einmal seinen Lebensweg nachverfolgen und sein Lebensraum schützen können.

Dafür steht Thomas Weiß aus Zierenberg schon auf der Wiese und hat den Plastikring parat. Er beringt seit 40 Jahren Störche von Trendelburg bis Ziegenhain (im Schwalm-Eder-Kreis). Bedingungen dafür sind ein einwöchiger Lehrgang und mindestens zwei Jahre mit einem erfahrenen Beringer mitzugehen. Weiß macht das ehrenamtlich und meist nur, wenn er gefragt wird, erklärt er. Das Beringen von Störchen sei ein Politikum, manchmal umstritten.

Der kleine Jungstorch ist in Angststarre. Dieser Zustand hilft dem Beringer, den Ring ohne Verletzung anzubringen.
Der kleine Jungstorch ist in Angststarre. Dieser Zustand hilft dem Beringer, den Ring ohne Verletzung anzubringen. © Valerie Schaub

In Espenau hat ihn die Senioreninitiative gebeten, die den Horst betreut. Dort hat er schon einige Störche beringt. Die Storchberinger machen sich dafür die sogenannte Akinese zunutze: Bemerkt der Jungstorch den Menschen am Nest, verfällt er in eine Angststarre. „Solange sie ruhig sind, klappt das problemlos“, sagt Weiß. „30 Sekunden, dann sitzt der Ring.“

Damit das klappt, sind ein paar Dinge wichtig, erklärt der Hobby-Ornithologe. Die Jungstörche dürfen nicht zu klein sein, sonst rutscht der Ring. Damit sie in die benötigte Starre verfallen, müssen sie rund vier bis sechs Wochen alt sein. Der Rest ist Glück: Vor zwei Jahren musste Weiß die Aktion abbrechen. Die fünf Jungstörche waren in Aufregung, die Akinese setzte nicht ein. An diesem Tag scheint alles gut zu gehen. Während Weiß und Lezius mit dem Hubsteiger dem Nest immer näher kommen, taucht am Himmel einer der Elternstörche auf und zieht weite Kreise um das Nest. Was da gerade passiert?

Als der Hubsteiger ganz nah am Nest ist, greift Weiß einmal vorsichtig ins Nest. Lezius knipst ein Erinnerungsfoto, dann fährt der Hubsteiger wieder herunter. „Kurz hat der Jungstorch den Hals hochgereckt und geschaut“, erzählt Weiß, wieder unten auf der Wiese. Er habe gewartet, bis das Tier in seine Starre verfallen ist, und dann den Ring angeklippst.

Die Beringung von Störchen sei jahrzehntelang erprobt. Richtig angebracht, macht der Plastikring dem Storchen nichts aus, sagt Weiß. Wird er nicht in jungen Jahren beringt, ist die Chance vertan. Ältere Störche könne man höchstens beringen, wenn sie einmal verletzt gefunden werden.

Unten auf der Wiese steht neben Mitgliedern der Senioreninitiative auch Alexandra Göbel. Der junge Storch trägt jetzt quasi ihren Namen. Sie hat die damals noch zwei Küken als Erste auf der Webcam der Gemeinde entdeckt und der Senioreninitiative ein Foto geschickt. Deshalb ist sie jetzt Namenspatin. Das Geschwisterchen des Jungstorchs sei vom Altstorch aus dem Nest geworfen worden, berichtet Klaus von Laar von der Senioreninitiative. Weil noch keiner weiß, ob der verbliebene Jungstorch Männchen oder Weibchen ist, heißt das Küken nun Alex/Alexa. Mit seinem Ring werden die Espenauer es immer wieder erkennen.  

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