Ideen für die Bahnhofstraße

Espenau will Entwicklung des ehemaligen Industrieareals mitgestalten

Sorgte in der Vergangenheit oft für Ärger: Jetzt arbeitet die Gemeinde an einem Bebauungsplan für die Bahnhofstraße 39 bis 41 in Mönchehof.
+
Sorgte in der Vergangenheit oft für Ärger: Jetzt arbeitet die Gemeinde an einem Bebauungsplan für die Bahnhofstraße 39 bis 41 in Mönchehof.

Die Gemeinde Espenau will gemeinsam mit einem Planungsbüro und mit Beteiligung der Öffentlichkeit Ideen für das Gelände der Bahnhofstraße 39-41 entwickeln, um dann einen Bebauungsplan für das Areal zu erstellen, den es bisher nicht gibt.

Espenau – Seit Jahren ärgern sich die Anwohner der Bahnhofstraße in Espenau über den Wohnkomplex am Ende der Straße. Immer wieder gab es Beschwerden über Lärm und Müll auf dem Gelände der Bahnhofstraße 39-41. Jetzt will die Gemeinde mit Anwohnern und Bürgern über die Zukunft des Areals sprechen und hatte dazu am Mittwochabend zu einer digitalen Diskussionsveranstaltung geladen.

Die Ausgangslage

Das 8600 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Borstenfabrik gehört seit 2014 Ali Basak. Durch Umbauten entstanden damals circa 20 Wohnungen, in denen heute 120 Menschen leben. Die große Mehrheit sind bulgarische Staatsbürger.

Der größte Teil der Fläche ist noch unbebaut. Vor zwei Jahren hatten die Gemeindevertreter eine Veränderungssperre für das Areal beschlossen. Das heißt, der Eigentümer darf nicht ohne Einwilligung der Gemeinde Veränderungen am Gelände vornehmen. Die Veränderungssperre soll am 10. Mai vom Parlament verlängert werden. Zusätzlich beschlossen die Gemeindevertreter damals, einen Bebauungsplan für das Areal aufzustellen, den es bisher nicht gibt. „Das Ziel war, dass die zukünftige bauliche Entwicklung in geordneten Bahnen verläuft“, erklärte Bürgermeister Carsten Strzoda. Gleichzeitig sei die Gemeinde um ein Miteinander mit Bewohnern des Areals und Anwohnern bemüht. Deshalb sei man einen anderen Weg eingeschlagen, als beim normalen Bebauungsplanverfahren.

Die Planer

Fündig wurde die Gemeinde beim Förderangebot „Dorfmoderation – Moderations- und Beratungsleistungen zur Begleitung von Veränderungsprozessen“ des Landes Hessen. Über das Programm hat die Gemeinde den beiden Planungsbüros Plan Zwei aus Hannover und Proloco (Göttingen/Bremen) den Auftrag erteilt, Ideen für die Zukunft des Bereichs um den Bahnhof in Mönchehof mit Beteiligung der Öffentlichkeit zu entwickeln. Michael Glatthaar (Proloco) und Lisa Nieße (Plan Zwei) führten durch den digitalen Workshop am Mittwochabend.

Das Ziel

Das Ziel sei die Entwicklung neuer Perspektiven für das Wohnquartier mit den Bausteinen sozial verträgliche Nachverdichtung und Freiflächen, erklärten Glatthaar und Nieße in ihrer Präsentation. Die Dorfmoderation erlaube nun, vor dem eigentlichen Bebauungsplanverfahren Gespräche mit allen Beteiligten zu führen, erklärte Nieße. „Wie ist die Situation heute vor Ort, wie will man gemeinsam in die Zukunft gehen, welche Rolle kann dieses Stückchen Land in Zukunft einnehmen, und wie passt das mit der Situation heute zusammen?“ Diese Fragen sollen gemeinsam erörtert werden. Deshalb war auch ein Baustein des Workshops der Austausch mit den Teilnehmern, die aktiv ihre Ideen und Visionen für das Gebiet einbringen sollten.

Die Teilnehmer

Fast 30 Teilnehmer hatten sich zum digitalen Workshop zugeschaltet. Unter ihnen waren neben Vertretern aus der Gemeindepolitik unter anderen auch Arras Marika, Geschäftsführer von Indimaj (Gesellschaft für Bildung und Soziales), Julia Stumpf, die als Schutzfrau vor Ort vom Polizeirevier Nord für Espenau zuständig ist, sowie Sabine Scherer, die beim Landkreis Kassel den Fachbereich Jugend leitet. Letztere sind Teil eines Netzwerks, das gemeinsam mit der Gemeinde, Schulen und Kitas die Bewohner des Mietobjekts 39-41 unterstützen. Deren einhelliger Tenor: Die Situation vor Ort sei zwar noch nicht ideal, habe sich im vergangenen Jahr aber stark verbessert. Stumpf sagte, auch wenn das subjektive Gefühl vielleicht ein anderes sei, „die Bahnhofstraße ist keinesfalls ein sogenannter Brennpunkt.“

Die Ideen

Es wurde jedoch schnell deutlich, wie hoch der Leidensdruck vieler Anwohner mittlerweile ist und wie festgefahren die Situation. Manche Teilnehmer sprachen von Resignation und schienen kaum in der Lage, das umzusetzen, was essenzieller Teil des Workshops war, nämlich Visionen für das Areal zu entwickeln. Am Ende wurden in Kleingruppen dann aber doch einige interessante Ideen ausgetauscht. So sei ein Kreativ-Zentrum mit Kleinkünstlern, Mehrgenerationen-WGs oder Wohnraum für Studierende denkbar, mit der direkten Anbindung mit der Regiotram an Kassel. Sogar die Idee, das Gelände als documenta-Standort anzubieten, wurde in den Raum geworfen.

Wie geht es weiter

Die Planer wollen nun verschiedene Szenarien mit dem Schwerpunkt baulich-räumliche Veränderungen erarbeiten. Noch vor den Sommerferien soll es ein weiteres Treffen geben, in dem die Szenarien in Skizzen den Espenauern vorgestellt werden sollen. (Amira El Ahl)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.