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Espenauer Bahnhofsgebäude steht zum Verkauf

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Von: Valerie Schaub

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Das Bahnhofsgebäude in Espenau-Mönchehof soll für 749 000 Euro verkauft werden.
Das Bahnhofsgebäude in Espenau-Mönchehof soll für 749 000 Euro verkauft werden. © Lutz Herzog

Bröckelnde Fassade, die Wände mit Graffiti beschmiert, der Vorplatz sorgte schon oft für Beschwerden – das Bahnhofsgebäude in Espenau zählt nicht unbedingt zu den Schmuckstücken in der Gemeinde. Nun soll es verkauft werden: für 749 000 Euro.

Espenau – Zu sehen ist das Angebot auf einer Immobilienplattform im Internet. Wer annimmt, die Bahn sei Eigentümer, der irrt sich. Verkäufer des Gebäudes ist die in Erding bei München angesiedelte Immobilienfirma Sell & Lease. Auf der Plattform erfährt man auch, dass die Firma noch weitere Bahnhofsgebäude besitzt – und verkaufen will. Darunter etwa der Bahnhof in Witzenhausen für 899 000 Euro und das Gebäude in Hann. Münden-Hedemünden für 825 000 Euro.

Geschäftsführer Maximilian Neumayr bestätigt das auf Anfrage unserer Zeitung. Ursprünglich habe seine Firma 250 solcher Immobilien im Bundesgebiet gekauft. „Wir sind derzeit im Besitz von 107 Standorten, die Hälfte wollen wir bis Jahresende verkaufen.“ Die Preise lägen – je nach Lage – zwischen 50 000 und 4,5 Millionen Euro.

Meist sind Teile der Gebäude vermietet, oft befinden sich auch private Wohnungen darin. So ist das auch in Espenau. Der Bahnhof ist noch in Betrieb, hier hält die RT 1, es fahren Güterzüge. Wie an vielen anderen Standorten auch, mietet die Deutsche Bahn einen Teil der Räume. Zwei private Wohnungen sind laut Neumayr renoviert und vermietet.

Der Blick auf die Außenfassade lässt von Renovierung allerdings nichts vermuten. Der Anblick hatte in der Vergangenheit immer wieder Bürger gestört, die über den Vorplatz zu den Gleisen gehen. Es gab Nachfragen bei der Gemeinde. Die hatte sich wiederholt an den Eigentümer gewandt, mit der Bitte, die Wegesituation auf dem Vorplatz und die Gebäudefassade zu optimieren. So erklärt es Bürgermeister Carsten Strzoda auf Nachfrage. Umgesetzt habe die Firma das nicht. Schließlich hatte die Gemeinde Schilder aufgestellt mit dem Hinweis, dass es sich um einen Privatweg handle, „Benutzung auf eigene Gefahr“.

„Wir investieren, wo wir uns was versprechen“, sagt der Geschäftsführer aus Bayern zur Renovierungsfrage. Oftmals richte seine Firma solche Bahnhofsgebäude auch außen her und finanziere das über die Mieteinnahmen. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung in Espenau aber nicht aufgehe, habe man das Augenmerk dort auf die Wohnungen gelegt und nur diese saniert.

Auch der Denkmalschutz spielt bei der Sanierung der Fassade eine Rolle – für Neumayr steht er eher im Weg, wie er sagt. Für die Flächen um das Gebäude ist laut Besitzer die Deutsche Bahn in der Pflicht, die Zuwege und Plätze zu pflegen.

Um Außenfassaden solcher Gebäude herzurichten, arbeite die Firma oft mit Gemeinden zusammen. Auch Fördertöpfe seien eine Möglichkeit. Übrigens seien Gemeinden auch manchmal der Käufer, verrät der Geschäftsführer.

Ein Kauf des Gebäudes hatte Espenau schon 2018 nicht weiter verfolgt, teilt Albrecht Bertelmann von der Gemeinde mit. Damals lag der Preis zwar unter dem aktuellen, aber mit eingerechneten Sanierungskosten für die Gemeinde trotzdem zu hoch. „Für den Preis kann das keine Kommune kaufen“, sagt Bürgermeister Strzoda.

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