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Espenauer Bündnis sucht nach Ideen von Bürgern

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Von: Valerie Schaub

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Wollen die Integration der Bewohner an der Bahnhofstraße in Espenau vorantreiben: Binela Spahija (Projektleiterin Bahnhofstraße, Indimaj), Bürgermeister Carsten Strzoda, Sabine Scherer (Fachbereichsleitung Jugend beim Landkreis), Firas Abdullah (Indimaj), Arras Marika (Geschäftsführer Träger Indimaj), Cristian Dumitrescu (Sozialarbeiter, Indimaj), Alexandra Dettmar (Projektleiterin Liane, Indimaj).
Wollen die Integration der Bewohner an der Bahnhofstraße in Espenau vorantreiben: Binela Spahija (Projektleiterin Bahnhofstraße, Indimaj), Bürgermeister Carsten Strzoda, Sabine Scherer (Fachbereichsleitung Jugend beim Landkreis), Firas Abdullah (Indimaj), Arras Marika (Geschäftsführer Träger Indimaj), Cristian Dumitrescu (Sozialarbeiter, Indimaj), Alexandra Dettmar (Projektleiterin Liane, Indimaj). © Valerie Schaub

Seit Jahren bemühen sich Behörden um die Integration der Bewohner in der Espenauer Bahnhofstraße. Jetzt will die Gemeinde mit dem Landkreis und dem Verein Indimaj (arabisch für Integration) das Vorhaben für alle Espenauer öffnen.

Espenau – Seit Jahren bemühen sich Behörden um die Integration der Bewohner in der Bahnhofstraße in Espenau. Jetzt will die Gemeinde zusammen mit dem Landkreis und dem Verein Indimaj (arabisch für Integration) das Vorhaben für alle Espenauer öffnen. Gefragt sind Ideen und Akteure.

Helfen soll dabei ein Projekt, das für fünf Jahre angesetzt ist. Die Federführung hat das Jugendamt. Der Titel: „Liane“, eine Abkürzung für Lebendige Integration mit aktiver Nachbarschaft in Espenau. Das Projekt soll Bürgern die Möglichkeit geben, selbst bei der Integration ihrer Nachbarn mitzuhelfen: etwa durch eine Vorlesestunde für Kinder oder Deutschunterricht für Erwachsene.

Vor Kurzem hat der Verein dafür ein Büro im Kirchweg 7a bezogen. Die Räume sind montags bis donnerstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Dort kann sich jeder melden, der sich in dem Projekt engagieren will.

Viele Familien, die in der Bahnhofstraße leben, gehören der Gruppe der Roma an. Sie kommen aus schwierigen, armen Verhältnissen, erklärt Binela Spahija. Sie betreut seit zwei Jahren Familien in dem Wohnkomplex. Spahija ist gebürtige Serbin, sie spricht Bulgarisch. Ihr Kollege Firas Abdullah unterstützt mit Türkisch, denn viele der Bewohner sprechen beides gemischt, erklärt sie.

Nun hat der Verein auch einen Kollegen an Bord, der Rumänisch spricht. Die Sprachbarriere sei ein Hauptgrund für die verzögerte Integration, sagt Spahija. Anders als Geflüchtete hätten die Bewohner als EU-Bürger aus Rumänien und Bulgarien keinen Anspruch auf Sprachkurse. „Sie haben andere Voraussetzungen, es fehlt auch an Bildung.“

Bisher haben der Verein und das Jugendamt einzelne Familien unterstützt, seit es vor vier Jahren zu sozialen Verwerfungen und Problemen in der Nachbarschaft gekommen war, berichtet Sabine Scherer. Sie leitet beim Landkreis den Fachbereich Jugend. „Wir haben geschaut, wie können wir die Menschen mit Arbeit integrieren, erreichen, dass die Kinder in die Schule gehen.“ Es sei wichtig, bei den Kindern anzusetzen, ergänzt Spahija. Erwachsene zu integrieren, sei viel schwieriger.

Bei der Familienarbeit geht es auch um ganz einfache Dinge, ergänzt Arras Marika, Geschäftsführer des Trägervereins: „Wie bezahle ich eine Stromrechnung? Was tun, wenn der TÜV abläuft? Wie trenne ich Müll?“ Das neue Projekt soll die Integration nun für alle öffnen.

„Das ist der logische nächste Schritt“, sagt Bürgermeister Carsten Strzoda. „Jetzt geht es darum, auf Leute zuzugehen, Vertrauen aufzubauen“, sagt Projektleiterin Alexandra Dettmar. 386 000 Euro steuert das Land für das Gemeinwesenprojekt bei.

Die Möglichkeiten seien vielfältig, jeder sei eingeladen. „Wir sind auf Ehrenamtliche angewiesen“, sagt Strzoda. Auch Räume seien da. Raum schaffen wollen die Akteure auch für neue Sichtweisen. „Es geht auch darum, an der Wahrnehmung zu feilen, damit Vorurteile abgebaut werden“, sagt der Bürgermeister. Dabei müsse es ein Gleichgewicht geben: Mitarbeit von beiden Seiten.

Kontakt: Projektleiterin Alexandra Dettmar, liane@i-gbs.de und Tel. 01 76/79 06 07 75

Von Valerie Schaub

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