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Espenauer Hausarzt Heidari geht nach fast 30 Jahren bald in Rente

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Von: Valerie Schaub

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Hausarzt Dr. Firouz Heidari aus Espenau wird bald zum letzten Mal seine Praxistür schließen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, arbeitet er aber weiter als angestellter Arzt.
Hausarzt Dr. Firouz Heidari aus Espenau wird bald zum letzten Mal seine Praxistür schließen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, arbeitet er aber weiter als angestellter Arzt. © Valerie Schaub

Nach knapp 30 Jahren will der 69-Jährige im nächsten Jahr seine Praxis abgeben. Der Landkreis will sich mit Trägern an Praxis und Nachfolgersuche beteiligen.

Espenau – Eigentlich wollte Firouz Heidari nur in Deutschland studieren. Sein Plan war, nach dem Medizinstudium in Marburg wieder zurück in seine iranische Heimat zu gehen. Doch dann kam die islamische Revolution und aus der Studienzeit wurde sein ganzes Berufsleben. Heute kennen ihn viele Espenauer als langjährigen Hausarzt. Doch jetzt will der 69-Jährige mit Beginn seiner Rente die Praxis angeben. Seinen Patienten will er noch solange treu bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Das Besondere in diesem Fall: Die Praxis soll zum Jahreswechsel in die Hand eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) übergehen, an dem auch der Landkreis beteiligt ist (siehe Hintergrund). Dieses MVZ will sich auch um einen Nachfolger kümmern und diesen einstellen. Bis dahin, voraussichtlich sechs Monate lang, arbeitet Heidari in der Praxis als Angestellter. Auch zwei seiner langjährigen Arzthelferinnen werden mit in das neue MVZ übernommen.

Der Espenauer Arzt hatte selbst seit eineinhalb Jahren nach einem Nachfolger gesucht. „Es gab Interessenten, aber es hat nicht geklappt.“ Ein Chirurgie-Oberarzt war darunter, berichtet er, aber ihn hätte Heidari erst zwei Jahre lang zum Allgemeinarzt ausbilden müssen. Das wäre mit Kosten verbunden gewesen. Auf Initiative des Bürgermeisters Carsten Strzoda (parteilos) kamen der Landkreis und das MVZ mit ins Spiel. Heidari hält die Lösung für gut – für Espenau, für die Patienten und für ihn – schließlich bedeutet das auch weniger Verwaltung und mehr Zeit für Patienten.

„Mir macht meine Arbeit nach wie vor Spaß“, sagt Heidari in seinem Arztzimmer. Ein Computer sucht man an seinem Schreibtisch vergeblich. „Manche finden das altmodisch“, sagt Heidari, aber er bevorzuge ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Automatische Ansagen am Telefon gebe es bei ihm nicht. Er schätzt den direkten Austausch im Dorf und ist seinen Patienten dankbar, dass sie ihn so gut aufgenommen und so lange unterstützt haben. Das hofft er auch für seinen Nachfolger. An seinen ersten Arbeitstag in Espenau kann sich der Hausarzt noch gut erinnern. „Ich bin ins kalte Wasser gesprungen“, sagt er. Anfang der 90er-Jahre gab es nur eine Arztpraxis in Mönchehof. Heidari hatte Räume gemietet, erst später entstand das Wohnhaus mit der Praxis in der Thüringer Straße. Patienten wollten erst mal schauen, wer der neue sei. Es habe Jahre gedauert, bis auch er die vielen Verbindungen zwischen seinen Patienten verstand. Mittlerweile hätten sich längst viele Freundschaften entwickelt. Vom bekannten Loch bei Rentenantritt will Heidari nichts wissen. „Langeweile wird es bei mir nicht geben.“ Dafür werden Radtouren, Tennisspiele und Doppelkopfabende sorgen. Auch in den Iran will er wieder mit seiner Frau reisen. Er hofft, dass die Bewegung gegen das Mullah-Regime Erfolg haben wird und sich die angespannte Situation beruhigt. Für seine Landsleute geht er demonstrieren. „Sie brauchen moralische Unterstützung.“

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