Espenauer Storch holt sich seinen Platz zurück

Altbekannter Vogel vertreibt neues Männchen aus dem Nest

Im Anflug: Ein anderer Storch fliegt um das Nest in Espenau, auf dem bereits ein Pärchen sitzt. Das hat Alexandra Nebenführ auf einem Spaziergang beobachtet.
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Im Anflug: Ein anderer Storch fliegt um das Nest in Espenau, auf dem bereits ein Pärchen sitzt. Das hat Alexandra Nebenführ auf einem Spaziergang beobachtet.

Er ist zurück: In Espenau hat sich der alte Storch das Nest erobert und das Storchenmännchen, das dort sein Glück versucht hatte, vertrieben. So sieht es zumindest aus, wenn man sich die Fotos von Spaziergängern und Beobachtern anschaut.

Espenau – Ein Teil des Schauspiels hat Alexandra Nebenführ beobachtet, als sie vor kurzem an der Espe entlang spazierte. Dort sah die 49-jährige Espenauerin zwei Störche im Nest, die auch von anderen seit Anfang März beobachtet werden. Wenig später tauchte ein weiterer Storch am Himmel auf: „Ich dachte huch, was macht denn jetzt ein Dritter hier?“ Als er verschwand, tauchte wieder einer auf. „Er steuerte in gerader Linie das Nest an“, berichtet die Spaziergängerin, die den Moment fotografiert hat.

Seit Ende März scheint es so, als habe der neue Storch den Platz im Nest eingenommen. Auch Berufsschullehrer Gerrit Reh aus Espenau und Naturfotograf Karlheinz Germandi haben das beobachtet. Beide sagen unabhängig voneinander, dass der „Neue“ das gleiche Spiel im vergangenen Jahr gespielt hat. Denn sie haben den Storch mit der Kennung auf dem Ring fotografiert und wiedererkannt.

„A1J80“, wie der Storch auf seinem Ring gekennzeichnet ist, war schon im vergangenen Jahr mit seiner Storchenpartnerin im Nest und hat für Nachwuchs gesorgt. Dafür habe er auch im vergangenen Jahr einen Anwärter, der schon da war, vertrieben. Dass er damit wieder Erfolg hatte, wundert Naturfotograf Germandi nicht, denn „Störche lieben sich ein Leben lang“. Bei dem unberingten Weibchen könnte es sich also auch um das aus dem vergangenen Jahr handeln.

Seit Ende März ist der beringte Storch zurückgekehrt, der hier im vergangenen Jahr Nachwuchs gezeugt hat.

Udo Seum von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) sieht das etwas anders und erklärt: Treuer als dem Partner sind Weißstörche ihrem Brutplatz. Dorthin kommen sie immer wieder zurück, meistens sei das Männchen zuerst da. Das Schauspiel in Espenau ist laut dem Experten nicht ungewöhnlich: „Das alte Männchen kämpft oft um sein Nest“ – meist erfolgreich.

Sowohl Fotograf Germandi als auch Beobachterin Nebenführ haben bei ihren Touren mehr als nur drei Störche gesehen. Das muss laut Seum aber kein Grund für den Kampf ums Nest sein. Denn Störche bauten sich innerhalb von drei Tagen auch selbst eins, wenn Lage und Futterquelle stimmen.

Und was heißt das alles für die Partnerwahl? „Das Weibchen ist immer dem Sieger zugetan“, sagt der HGON-Fachmann. Es sei also nicht verwunderlich, wenn das Weibchen im Nest nun mit dem Neuen anbandelt. Liegen schon Eier im Nest, könne es vorkommen, dass der Neue die einfach rauswirft.

Ist das Männchen zuerst im Nest, so nimmt es „die Erstbeste, die kommt.“(Valerie Schaub)

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