Edith Ziegler entgeht kein Regentropfen

Espenauerin ist seit über 40 Jahren ehrenamtliche Wetterbeobachterin

Jeden Tag macht sich Edith Ziegler aus Espenau Notizen zum Wetter – und das seit über 40 Jahren. Die Tabellen schickt sie am Monatsende an den Deutschen Wetterdienst nach Offenbach. Gemessen wird mit Messbecher, -kanne und Lineal bei Schneefall.
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Jeden Tag macht sich Edith Ziegler aus Espenau Notizen zum Wetter – und das seit über 40 Jahren. Die Tabellen schickt sie am Monatsende an den Deutschen Wetterdienst nach Offenbach. Gemessen wird mit Messbecher, -kanne und Lineal bei Schneefall.

Wenn es regnet, schaut Edith Ziegler zuerst auf die Uhr. Und wenn es aufhört, wieder. Dann notiert sie alles in einer Tabelle. Ab 40 Millimeter Niederschlag geht sie gleich zum Telefon und ruft den Deutschen Wetterdienst in Offenbach an.

Espenau - Edith Ziegler aus Espenau ist ehrenamtliche Wetterbeobachterin und das schon seit über 40 Jahren. Vor Kurzem bekam die Seniorin dafür sogar die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Der Deutsche Wetterdienst lobte ihre „außerordentliche Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft“.

Jeden Morgen, um genau 7.50 Uhr Sommerzeit – so ist es vorgeschrieben – geht Edith Ziegler in den Garten und holt den Becher aus der Messkanne, schüttet das Regenwasser in ein Messrohr und notiert den Wert. Am Ende des Monats schickt sie die Daten per Post nach Offenbach. In über 40 Jahren hat sie keinen einzigen Tag verpasst.

Auch bei Gewittern hat Ziegler jahrzehntelang die Zeiten notiert – egal ob tags oder nachts. „Wenn es nicht aufhörte, musste ich wach bleiben“, sagt sie pflichtbewusst. Doch mit Uhrzeiten notieren ist die ehrenamtliche Arbeit nicht getan: Im Winter meldet Ziegler Schneefall, sie meldet auch, wenn es nicht schneit. Schnee ist dabei nicht gleich Schnee. Sie notiert, ob die Schneedecke geschlossen oder gebrochen ist, ob es Schneereste oder -flecken gibt.

Wind, Glatteis, Wetterleuchten – für jedes Ereignis gibt es ein Symbol. Viele kennt Edith Ziegler auswendig. Ihr Lieblingssymbol ist der Regenbogen. Wenn es stürmt, schätzt sie die Windstärke ein. Wenn Dachziegel runterfallen, ist es eine Acht. Auch dann muss sie sofort in Offenbach beim Deutschen Wetterdienst anrufen.

Schon der Vater von Edith Ziegler, der Lehrer Heinrich Kesper, war Wetterbeobachter. Seit 1920 stand die Wetterkanne an der Schule in Mönchehof. Dort war es Aufgabe der Lehrer, die täglichen Messungen zu machen. Als Kesper in den Krieg musste, übernahm seine Frau. 1980 ging die Aufgabe an Edith Ziegler, mittlerweile ist die Messkanne in den Garten der Familie umgezogen.

Von ihrem damaligen Arbeitsplatz in der Bibliothek des Regierungspräsidiums konnte die gelernte Buchhändlerin aus dem achten Stock sehen, ob es in Hohenkirchen regnete oder nicht.

Obwohl Ziegler quasi kaum verreisen kann, bedeutet ihr das Ehrenamt sehr viel. Selbst, wenn sie ins Theater geht, berichtet eine Freundin ihr später, wie die Wetterlage war. Ihr Sohn vertritt sie, wenn sie krank ist und hilft. „Die Messstation ist mir ans Herz gewachsen“, sagt die 87-jährige Rentnerin. Sie fühlt sich dadurch mit der Natur verbunden.

Zwei Erlebnisse sind der Wetterbeobachterin besonders im Gedächtnis geblieben: In einer klaren, kalten Nacht, da waren ihre beiden Söhne noch klein, Ziegler und ihr Mann waren noch wach, ging sie noch mal raus. Da sah sie am Himmel Richtung Calden eigenartige Lichter. „Wie ein Feuerwerk war das“, erinnert sie sich. Es waren Polarlichter. Das komme äußerst selten vor. Drei Jahre später beobachtete sie von ihrem Haus aus Kugelblitze. Natürlich hat sie beides dem Wetterdienst gemeldet.

Unwetter seien in den vergangenen Jahren häufiger geworden, das beobachtet auch Ziegler. Wenn sie der jungen Generation etwas mitgeben könne, dann, dass sie auf die Natur achtgeben soll, damit Lebensraum erhalten bleibt.

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