Kinder werden auf Schulhof unterrichtet 

Kakerlaken: Grundschule Espenau bleibt geschlossen

+
Kakerlake

Espenau. Einen Tag nach der Schließung der Grundschule Espenau wegen Kakerlakenbefalls, werden die Kinder nun auf dem Schulhof unterrichtet.

Artikel aktualisiert am 7. September 2018 um 16.56 Uhr - Der Schädlingsbefall hat offenbar bundesweit für großes mediales Interesse gesorgt. Mehre TV-Sender waren am Freitagvormittag nach Espenau gefahren, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. 

Ab Montag gibt es nur noch eine Notfallgruppe in der angrenzenden Turnhalle. Damit reagierte die Schulleitung auf das Problem vieler Eltern, die so kurzfristig keine alternative Betreuung für ihren Nachwuchs organisieren konnten.

Auf dem Schulhof der Grundschule Espenau geht es am Freitagmittag etwas wild zu, aber die Laune ist gut. Trotz der Ausnahmesituation, in der sich Kinder, Lehrer und Schulleitung seit Donnerstagmittag befinden. Denn seitdem dürfen die 198 Kinder der Grundschule und ihre Lehrer wegen eines Schabenbefalls das Schulgebäude nicht mehr betreten (HNA berichtete). „Heute ist Kreativität gefragt“, sagt Schulleiterin Birgit Hinn. „Aber alle sind gut gelaunt und fassen mit an. Es ist ein tolles Team.“ Ein Segen sei, dass die Kinder gerade Projektwoche hätten, und es so eh ein besonderer Schultag gewesen sei. Vor der Schule steht ein Zirkuszelt, wo die Kinder am Vormittag eine Vorstellung gegeben haben.

Kakerlaken in der Schule: Unterricht soll am Mittwoch wieder starten

Am Wochenende werden Schädlingsbekämpfer das Gebäude von der Kakerlakenplage befreien. Der Unterricht soll am Mittwoch, 12. September 2018, wieder aufgenommen werden.

An der Info-Station: (von links) Fabian Strzoda, Pelle Bäumner, Max Hagemann und Schulleiterin Birgit Hinn vor der Schule in Espenau. 

Seit Donnerstag dürfen die 198 Kinder in der Grundschule Espenau das Gebäude wegen des Schabenbefalls nicht mehr betreten. Das hatte Kreissprecher Harald Kühlborn am Donnerstagnachmittag mitgeteilt. „Unser Hausmeister hat am Mittwochabend die Schaben im Schulgebäude entdeckt“, bestätigte Schulleiterin Birgit Hinn. Sie habe daraufhin das Gesundheitsamt und den Landkreis als Schulträger informiert. In einer Krisensitzung habe man sich am Donnerstagvormittag darauf geeinigt, die Schule umgehend zu schließen und das Schulamt zu informieren. Wo die Schädlinge herkommen, konnte bislang nicht geklärt werden. Ein Problem in der Küche könne es nicht geben: „Das Mittagessen für die Grundschule wird von einem Caterer geliefert und in der Schulküche erwärmt“, erklärt Kühlborn.

Die Schaben sollen in mehreren Bereichen des Gebäudes entdeckt worden sein. Einen ersten Hinweis auf ein mögliches Schädlingsproblem gab es laut Kreissprecher bereits einige Tage zuvor, als eine Schabe im Rucksack eines Kindes entdeckt wurde. Am Wochenende werden Schädlingsbekämpfer das Haus mit einem Kurzzeitinsektizid behandelt, um die Schaben zu töten. Das Mittel soll für Menschen unbedenklich sein. „Durch Lichteinwirkung wird sich das Mittel selbst zersetzen“, so Kühlborn. Dann werde eine Putzkolonne das Gebäude grundreinigen.

Die Eltern wurden am Donnerstagnachmittag über die Schließung informiert. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde wird Montag und Dienstag eine Notfallgruppe für die Betreuungskinder in der Turnhalle angeboten. „Wir bitten die Eltern, von dem Angebot nur im Notfall Gebrauch zu machen“, sagt die Schulleiterin. Aktuell besuchen 97 Kinder die Schulkindbetreuung in der Zeit von 7 bis 17 Uhr.

Kakerlaken in Schule im Kreis Kassel: Verantwortung hat Schulträger

„Dass jemals eine ganze Schule geschlossen werden musste, daran kann ich mich nicht erinnern“, sagt Helga Dietrich, Leiterin des Staatlichen Schulamts. Grund könnte beispielsweise die Witterung sein, etwa wenn zuviel Schnee auf dem Dach liegt. Es komme vor, dass aus baulichen Gründen Teile eines Schulgebäudes geschlossen werden. Jüngstes Beispiel ist die Paul-Julius-von-Reuter-Schule in Kassel. 

Wegen des Befalls mit Ungeziefer wie Kakerlaken oder Ameisen seien schon mal Schulräume zeitweise geschlossen worden. Aber dass ein ganzes Schulgebäude befallen wurde und geschlossen werden musste, habe Dietrich so noch nicht erlebt: „Das ist außergewöhnlich, da muss der Befall groß sein.“ Die Entscheidung über die Schließung fälle der Schulträger, hier der Landkreis. Das Schulamt werde lediglich informiert.

Kakerlaken, auch Küchenschaben genannt, sind Schädlinge, die vor allem in warmen Ländern weit verbreitet sind. Sie dringen dort oft in Küchen und Keller ein und ernähren sich von Essensresten. Die deutsche Küchenschabe wird bis zu eineinhalb Millimeter lang. In den Tropen können Kakerlaken aber deutlich größer werden. 

Deutsche Schabe

Kakerlaken können Keime und Parasiten, wie Salmonellen,Wurmerkrankungen, Magen-Darm-Grippe, Polio, Hepatitis, Tuberkulose und andere Krankheiten übertragen.

Die deutsche Schabe ist in der Regel rötlich braun (Bernstein) und besitzt zwei dunkle Längsstreifen am Kopf, wohingegen die Küchenschabe dunkler eingefärbt ist und dabei bis ins schwarz gehen kann. Außerdem ist der Körper der Küchenschaben wesentlich größer und stärker abgeplattet als dies bei der Deutschen Schabe der Fall ist. Deutsche Schabe ist zwölf bis 15 Zentimeter lang, die Küchenschabe 20 bis 30 Millimeter. Nur die deutsche Schabe hat eine Art Stinkdrüse am Hinterleib besitzt, mit der sie immer wieder ihre Umgebung markiert. Bei starkem Befall kann der muffige Geruch auch von Menschen wahrgenommen werden. 

Der Beitrag stammt nicht von hna.de, sondern von der Video-Plattform Glomex.

Bei der Bestimmung der Art der Schädlinge sollte man gerade im süddeutschen Raum und Alpenland darauf achten die Deutsche Schabe nicht mit der Waldschabe (Ectobius vittiventris) zu verwechseln. Sie sehen sich in Form und Aussehen recht ähnlich. Die Waldschabe hat keine schwarzen Streifen am Kopf, ist aber auch völlig harmlos und kann im Haus nicht wirklich überleben. Eine Bekämpfung ist somit überflüssig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.