Literweise Bier, dann Gewalt 

Psychiatrisches Gutachten: Mann verprügelte für Geld angeblichen Pferdeschänder 

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Bei allen Gewalttaten rund 2,5 Promille Alkohol im Blut: Der 34-jährige Angeklagte soll nicht nur einen angeblichen Pferdeschänder ins Koma geprügelt haben, sondern auch bei fünf weiteren Straftaten sexuell übergriffig geworden sein oder brutal zugeschlagen haben.

Ein 34-Jähriger soll 2015 in Espenau einen Mann so schwer verletzt haben, dass er ein Schwerstpflegefall bleiben wird. Am Donnerstag wurde das psychiatrische Gutachten vorgestellt.

  • 34-Jähriger verletzt 2015 in Espenau imAlkoholrausch einen Mann schwer
  • Opfer wird durch die Tat bis zum Lebensende schwerer Pflegefall
  • Psychiater legt im Prozess in Kassel Gutachten vor

Kassel - Sich selbst betrachte der Angeklagte als liebevoll, hilfsbereit und gutmütig. Doch mit 2,5 Promille oder noch mehr Alkohol im Blut gebe es bei ihm eine „aggressive Enthemmung“, die zu schwersten Gewalttaten führe, sagte der Neurologe und Psychiater Dr. Wolfgang Kloss am Donnerstag in seinem Gutachten vor der 6. Strafkammer des Landgerichts.

Der Angeklagte soll im Juni 2015 in Espenau im Landkreis Kassel einen damals 51-jährigen Mann so schwer geschlagen und getreten haben, dass er bis an sein Lebensende ein Schwerstpflegefall bleiben wird.

Außerdem soll er einer jungen Frau an die Brust gefasst und drei Männer in Espenau und Kassel ohne jeden Anlass brutal ins Gesicht geschlagen haben. Das Verfahren wegen einer Trunkenheitsfahrt, bei der der führerscheinlose Mann den BMW eines Bekannten zu Schrott fuhr, wurde gestern eingestellt.

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Bei allen Taten sei der Angeklagte schwer betrunken und damit in der Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen, sagte Kloss.

Der in Liebenau geborene Mann habe die Hauptschule ohne Abschluss verlassen, keinen Beruf gelernt und mit 13 angefangen, Alkohol zu trinken. Seit er 18 ist, trinkt er nach eigenen Angaben bis zu fünf Liter Bier täglich, immer wieder konsumiere er Cannabis, Kokain und zuletzt auch Amphetamine, umriss der Psychiater das Leben des Probanden.

Schon als Jugendlicher wurde er sechs Mal verurteilt, hatte mehrere Schlägereien. 20 bis 25 Mal sei er als Ordner bei Kagida-Aufmärschen in Kassel mitmarschiert, diese Arbeit habe ihm gefallen. Aus seiner Abneigung gegen „Kinderschänder, Ausländer und Flüchtlinge“ habe er keinen Hehl gemacht, sagte Kloss.

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Die per Handy gefilmte Prügel für den mutmaßlichen Pferdeschänder sei „leicht verdientes Geld“ gewesen. Von einem Pferdehalter habe er dafür 500 Euro bekommen, der angebliche Auftraggeber bestreitet dies allerdings.

Der Angeklagte liegt laut Kloss mit einem Intelligenzquotienten von 101 im Normbereich. Er habe ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis und neige zur Selbstüberschätzung, würde dabei Situationen und eigene Fähigkeiten aber völlig falsch einschätzen.

Gleichzeitig mangele es ihm an Selbstbewusstsein. Angst und Unterlegenheitsgefühle führten in Verbindung mit Alkohol zu hochgradig aggressivem Verhalten – so auch beim gefilmten Angriff auf den Espenauer. Kloss: „Er verhält sich da wie ein Regisseur, der für spätere Zuschauer filmt und für die Tat bewundert werden will.“

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Eine psychische Störung konnte der Arzt bei dem Hartz-IV-Empfänger nicht feststellen, lediglich eine „ausgeprägte Persönlichkeitsakzentuierung“. Eine mindestens zweijährige Unterbringung in einer Entzugsklinik hätte durchaus Aussicht auf eine erfolgreiche Therapie gegen die Alkoholsucht, wenn sich danach eine dreijährige ambulante Betreuung anschließe.

Mit den Plädoyers wird die Verhandlung am kommenden Montag fortgesetzt.

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Nur ein Polizeiaufgebot konnte ihn stoppen. In Nieste war ein verwirrter Mann mit einer Axt unterwegs.

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