"Bekommen langsam Panik"

Kein Internet für einige Espenauer? Telekom kündigt Verträge und der Glasfaseranschluss verzögert sich

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Leerrohre werden in der Erde verlegt, anschließend wird das Glasfaserkabel in das Rohr eingeblasen.

Kein Telefon und Internet? Für einige Espenauer könnte das bald Realität sein, denn der Glasfaser-Ausbau ist noch nicht abgeschlossen.

Ein Leben ohne Telefon und Internet ist heutzutage kaum noch vorstellbar. Auch Dagmar Heiter aus Espenau mag sich nicht ausmalen, was es bedeutet, wenn bei ihr die Stecker gezogen werden. Denn wenn es hart auf hart kommt, geht bei ihr ab Mitte November gar nichts mehr.

Die Telekom hat Dagmar Heiter und ihrem Mann aus Espenau zum 19. November gekündigt. Dann hat das Paar weder Telefon noch Internet. „Und unsere Telefonnummer können wir dann auch nicht mehr mitnehmen“, sagt Heiter. Eigentlich hatte sie gedacht, dass es soweit gar nicht kommen würde. Denn schon im Sommer hat sie einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser abgeschlossen. „Wir waren in unserer Straße mit die Ersten“, sagt Heiter. „Doch jetzt bekommen wir langsam Panik.“

Bisher liegt nur das Leerrohr - von Glasfaser noch keine Spur

Denn bisher ist im Fuldaweg in Hohenkirchen, wo sie lebt, niemand an das Netz der Deutschen Glasfaser angeschlossen worden. Noch nicht einmal die Hausanschlüsse wurden gelegt. „Von der Glasfaser war noch niemand da, es gab bei uns bisher keinen Hausbesuch.“ Nur auf dem Gehweg läge bisher das Leerrohr, durch das die Glasfaserkabel am Ende geschossen werden.

Die Telekom hat Heiter einen neuen Zweijahresvertrag angeboten. „Den möchte ich aber ungern abschließen.“ Schließlich hat sie bereits einen bestehenden Vertrag mit der Deutschen Glasfaser und weiterhin die Hoffnung, dass sie noch in diesem Jahr an deren Netz angeschlossen wird. Nur wann das genau passiert, konnte ihr bisher niemand bei der Deutschen Glasfaser sagen.

Manche Espenauer warten noch auf den Glasfaser-Ausbau, während andere schon munter surfen

Sorgen machen sich auch Anwohner in der Thüringerstraße in Mönchehof. „Bei uns wurde das orangefarbene Leerrohr noch nicht ans Haus verlegt, während andere bereits munter surfen“, erzählt eine Leserin. Mehrfach hätten sie versucht, einen Termin für die Erdarbeiten zu bekommen. Getan habe sich bislang allerdings nichts.

Ende September habe dann ein Monteur vor der Tür gestanden, um den Anschluss zu aktivieren. „Er musste unverrichteter Dinge wieder gehen, weil wir noch kein Leerrohr haben.“ Telefonisch sei daraufhin zugesagt worden, dass alle Arbeiten in der letzeten Septemberwoche erfolgen. „Auch uns wurde mittlerweile von der Telekom der Anschluss für Anfang Dezember gekündigt. Mein Mann ist beruflich auf den Anschluss angewiesen.“

Deutsche Glasfaser will alle Haushalte bis Ende des Jahres anschließen

Dennis Slobodian, Pressesprecher bei Deutsche Glasfaser, ist indes zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass wir alle Haushalte bis Ende des Jahres angeschlossen haben.“ Aktuell bewege man sich bei etwa 40 Prozent. Bis Ende November sollen 90 Prozent aktiviert werden. „Die letzten Hausbegehungen sollen nächste Woche erfolgen.“ Kunden, die jetzt – während der Ausbauphase – noch einen Vertrag abschließen, würden ebenfalls angeschlossen, jedoch erst im Nachgang des Gesamtprojektes.

Sollte die Übernahme nicht vor Laufzeitende erfolgen, empfiehlt er, einen Vertrag über zwölf Monate abzuschließen. Sobald die Glasfaserleitung steht, könnten die Kunden diesen auch nutzen. „Unsere Kunden zahlen nicht doppelt, der Internetanschluss ist kostenlos, bis der alte Vertrag ausläuft“, verspricht der Pressesprecher.

Das sagt die Telekom: ISDN wird bundesweit abgeschaltet

„Ja, wir haben den Kunden gekündigt“, bestätigt Telekomsprecher George-Steven McKinney. Grund sei die bundesweite Abschaltung von ISDN. Insgesamt stelle die Telekom mehr als 20 Millionen Anschlüsse auf IP-Telefonie um. Im Fall von Familie Heiter sei die Kündigung bereits am 30. Mai angekündigt worden. „Wir machen das immer mit etwa drei bis vier Monaten Vorlauf, damit die Kunden Zeit haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ 

Nach der Umstellung könne die Telekom zwar nur noch Telefonie dort anbieten, aber eine Hybrid-Lösung sei eventuell möglich. „In den Bereichen, in denen Breitband noch unterversorgt ist, können wir oft Magenta via Mobilfunk anbieten.“ Wenn bekannt sei, dass ein anderer Anbieter in einem förderungsfähigen Gebiet ausbaut, investiere die Telekom dort nicht mehr. „Das wäre nicht wirtschaftlich."

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