Besitzerin wartet auf Genehmigung

Polizei stoppt Schwertransport in Espenau: Mobiles Haus steckt auf Parkplatz fest 

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Statt auf ihrem Grundstück steht das mobile Haus von Angelika Großwiele aus Espenau auf dem Waldparkplatz. Die Polizei hat den Schwertransporter mit dem 10x4 Meter großen mobilen Haus dort festgesetzt. 

Eine Espenauerin wollte ein mobiles Haus auf ihrem Grundstück abstellen, stattdessen steckt der Anhänger samt Haus jetzt auf einem Parkplatz fest. 

Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, dann stünde seit Mittwochmorgen ein neues Haus auf dem Grundstück von Angelika Großwiele am Schäferberg. Aber erst kam eine Parkplatzleuchte dem neuen Wohnglück in die Quere und dann auch noch die Polizei. Aber von vorne.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist die Berliner Straße in Espenau wie ausgestorben. Wo sonst Autos die schmale Anwohnerstraße säumen, steht einzig ein Gartenstuhl, auf dem Angelika Großwiele sitzt, um die Straße im Auge zu behalten. „Ich musste sichergehen, dass nicht doch ein Auto kommt und am Straßenrand parkt.“

Denn die ehemalige Bezirkskantorin der evangelischen Kirche Kassel-Land erwartet in dieser Nacht eine ganz besondere Lieferung. Nachdem sie Stunden auf der Straße ausgeharrt hat, biegt dort schließlich gegen 1 Uhr mit blinkenden Lichtern ein Schwertransporter ein, der ihre neueste Errungenschaft geladen hat: ein Haus.

Das sogenannte Mobilheim hatte sie kurz zuvor von einem Bekannten gekauft, der das zehn Mal vier Meter große Haus auf einem Campingplatz in Polle im Landkreis Holzminden stehen hatte. Nicht, dass Großwiele kein festes Dach über dem Kopf hätte. Seit 2005 wohnt sie im ehemaligen Dorfgemeinschaftshaus der Gemeinde auf einem ehemals 1500 Quadratmeter großen Grundstück. „Als ich einzog, gab es einen großen Saal zum Feiern und kein Badezimmer, dafür aber acht Toiletten“, sagt Großwiele und lacht. Die 66-Jährige hat ganz offensichtlich ein Faible für außergewöhnliche Häuser.

Das mobile Haus soll nun auf dem Grundstück vor dem Dorfgemeinschaftshaus aufgestellt werden. Dabei lebt Großwiele alleine, Platzmangel ist nicht das Problem. „Ich will einfach die Fläche nutzen“, sagt Großwiele, die seit drei Jahren in Rente ist. „Ich lasse das Haus erst mal kommen und dann überlege ich mir, was ich damit mache.“

Doch statt auf ihrem Grundstück steht das Haus nun noch immer aufgebockt auf dem Schwertransporter, der seit Mittwochmorgen auf dem Waldparkplatz an der Landesstraße 3 am Ortsausgang von Espenau parkt. Denn als der fast 20 Meter lange Transporter in der Berliner Straße ankommt und auf Großwieles Grundstück will, wird schnell klar, dass eine Leuchte auf dem gegenüberliegendem Parkplatz des Waldhotels Schäferberg das Manöver unmöglich macht. Die Lampe kann erst am nächsten Tag abmontiert werden. „Das Unternehmen hat dann die Entscheidung getroffen, auf den Waldparkplatz zu fahren.“ Dumm nur, dass in dieser Nacht die Polizei unterwegs ist, um Schwertransporte zu kontrollieren – auch den Transporter mit dem Haus auf der Ladefläche erwischt es.

Der Transporter ist „ohne erforderliche Genehmigung unterwegs gewesen“, erklärt Polizeisprecher Matthias Mänz. Schwertransporte müssen bei den Landkreisen, durch die sie fahren, ihre Fahrten anmelden. „Es gibt ein Roadbook, in dem notiert wird, wo genau sie langfahren“, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Dieses Fahrtenbuch werde im Vorfeld dem zuständigen Landkreis zugeschickt und gemeinsam erarbeitet, auf welchen Straßen was zu beachten sei. „Aber dieses Buch wurde uns nie vorgelegt, die sind einfach losgefahren.“ Zudem hätte es zwar Begleitfahrzeuge gegeben, was bei Schwertransporten vorgeschrieben ist, aber zu kleine.

Die Auflage sei nun, dem Landkreis das Fahrtenbuch für die Strecke vom Parkplatz bis zu Großwieles Grundstück vorzulegen. Das hätte das Unternehmen aber bisher nicht getan. Sobald das Buch vorliegt, kann es losgehen. „Das ist dann total unbürokratisch“, sagt Kühlborn. Mit einem Bußgeld muss das Unternehmen aber auf jeden Fall rechnen.

Bis dahin schaut Angelika Großwiele auf die Markierung vor ihrem Haus, auf der das neue Heim bald stehen soll. Ein Gutes habe die Aktion aber schon jetzt gehabt, sagt Großwiele: „Ich habe wenigstens Spaß an angeregten Diskussionen über neue Wohnformen mit Nachbarn und Wanderern.“

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