Behörden suchen Lösung

„So laut wie ein Düsenjet“ – Espenauer beklagen Lärm an Ortsausfahrt nach Rothwesten

Iris und Claus Eßmann aus Espenau auf der Rothwester Straße
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Zu laut und zu schnell: Iris und Claus Eßmann aus Espenau stören sich an den Autos, die auf der Rothwester Straße in den Ort rauschen oder ortsauswärts schon vor dem Ortsschild beschleunigen. Sie haben selbst schon Autos gezählt und Lärm gemessen. Ihr Gartencafé grenzt an die Straße an.

Am Rande von Espenau haben Claus und Iris Eßmann ein kleines Paradies geschaffen. In ihrem Gartencafé, das sie nebenerwerblich betreiben, lassen im Spätsommer die Gäste ihren Tag ausklingen. In Pandemiezeiten säßen auch jetzt noch einige Gäste draußen. Doch etwas trübt die Idylle: der Motorenlärm an der angrenzenden Rothwester Straße.

Espenau – Es sind laut Claus Eßmann vor allem die Autos, die schon im Ort beschleunigen, um dann die über die Kuppe nach Rothwesten zu rasen. Noch lauter seien Motorradfahrer, die ihre Auspufftöpfe frisierten. „Im Sommer ist das eine Wahnsinnsbelastung“, sagt seine Frau Iris Eßmann (64). An manchen Abenden müssten Gäste ihre Unterhaltung unterbrechen, weil der Lärm so stark sei.

Um das Problem benennen zu können und mit der Gemeinde eine Lösung zu suchen, haben die Café-Betreiber bisher keine Mühen gescheut. Es ging sogar so weit, dass die Eßmanns eine ausgediente Mikrowelle zur Blit- zerattrappe umfunktioniert und auf ihrem Grundstück aufgebaut haben, inklusive Kamera und Stativ.

Immerhin drei Wochen hat es laut Iris Eßmann gedauert, bis der Effekt verpufft war und Autofahrer gemerkt hätten, dass die präparierte Mikrowelle nicht blitzen kann.

Schon zu Beginn der Coronakrise hat sich Claus Eßmann zu den Stoßzeiten am späten Nachmittag an den Straßenrand gesetzt und die Fahrzeuge gezählt. Dann hat sich der 69-Jährige ein Lärmmessgerät vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie ausgeliehen und die Lautstärken gemessen. „Das war noch im ersten Lockdown“, schildert Eßmann. Trotzdem sei er in den Spitzenzeiten auf 72 Dezibel gekommen. Vereinzelt habe das Messgerät sogar 110 Dezibel angezeigt. „Das ist so laut wie ein Düsenjet.“

Seitdem die Straße nach Rothwesten saniert worden sei, führe sie ein paar Kilometer schnurgeradeaus nach Rothwesten. Das nutzten einige als Rennstrecke, sagt Eßmann.

Das Problem ist nicht unbekannt. Auch andere Anwohner haben schon versucht, die Situation zu ändern. 2016 gab es eine Unterschriftenliste, die an die Gemeinde weitergegeben wurde, schildert Eßmann.

Auch im Rathaus weiß man um das Thema. Seit 2016 hat die Gemeinde sich bemüht, dem etwas entgegenzusetzen. Eßmann hatte sich mit seinen Werten an den Bürgermeister Carsten Strzoda (parteilos) gewandt. Die Gemeinde hat sich ein Bild gemacht und Messungen beauftragt.

Nun steht die Straße wieder im Fokus einer Verkehrsschau. Morgen wollen Vertreter von Hessen Mobil, der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises, die Polizei und die Gemeinde erneut schauen, was – auch baulich – getan werden kann. In der Holzhäuser Straße etwa gibt es bereits Verschwenkungen, die den Verkehr etwas bremsen, erklärt Strzoda. (Valerie Schaub)

Auch Gemeinde hat Fahrzeuge gezählt

Laut Bürgermeister Carsten Strzoda hat sich die Gemeinde im Rahmen ihres Möglichen bemüht, die Situation zu verbessern. Das ist bisher passiert:

„Wir haben festgestellt, dass an der Straße nur ein Ortsschild steht, das konnte man leicht übersehen“, erklärt der Bürgermeister. Mittlerweile sei ein Zweites aufgestellt worden.

Auch die Gemeinde hat den Verkehr bei einer anonymen Zählung gemessen, zuletzt im September, wie Strzoda erklärt.

Seit ein paar Wochen steht an der Straße ortsauswärts eine solarbetriebene digitale Anzeige, die die Geschwindigkeit der Autos anzeigt. Die mobile Tafel könnte auch fest installiert werden.

Schon vor etwa einem Jahr hatte die Gemeinde in Absprache mit dem Kreis auf der Kuppe für den aus Rothwesten kommenden Verkehr ein Tempo-70-Schild aufgestellt.

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