1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Espenau

Viel Arbeit, wenig Zeit: Ein Tag im Leben einer Espenauer Hausdame

Erstellt:

Von: Theresa Novak

Kommentare

Ist Chefin von 14 Zimmermädchen: Konstanze Möhn (rechts) hat sich im Waldhotel Schäferberg hochgearbeitet und ist nun Hausdame. Ihre Tochter Patricia (24, links) arbeitet als Zimmermädchen im Hotel.
Ist Chefin von 14 Zimmermädchen: Konstanze Möhn (rechts) hat sich im Waldhotel Schäferberg hochgearbeitet und ist nun Hausdame. Ihre Tochter Patricia (24, links) arbeitet als Zimmermädchen im Hotel. © Theresa Novak

Ohne sie geht im Waldhotel nichts – Die erfahrene Hausdame Konstanze Möhn ist Chefin von 14 Zimmermädchen und unerlässlich für den Betrieb des Hotels.

Espenau – Da ein dreckiges Fenster, hier ein Rotweinfleck auf dem Teppich und der Eingangsbereich könnte auch mal wieder gründlich geputzt werden – wenn Konstanze Möhn ihre Kontrolltour durch die zahlreichen Zimmer und Veranstaltungsräume im Waldhotel Schäferberg macht, fällt ihr fast immer etwas auf, was noch optimiert werde könnte. Sie ist Hausdame und damit Chefin von insgesamt 14 Zimmermädchen.

Die 47-Jährige aus Calden ist eigentlich für die Koordination zuständig – wer arbeitet wann, wer springt für wen ein, wie viele Gäste sind gerade im Haus, wie viele Bettlaken werden gebraucht – das sind nur einige der Fragen, um die sie sich täglich kümmert. Aber wenn Not am Mann ist, nimmt auch die Chefin selbst den Putzlappen in die Hand. „Das ist für mich selbstverständlich“, sagt Möhn, die seit 2011 im Waldhotel Schäferberg arbeitet.

Doch eigentlich hat sie dafür gar keine Zeit. „Frau Möhn, der Staubsauger funktioniert nicht mehr“, ruft ihr eine Kollegin zu. Während sie nachsieht, woran das liegen könnte, fällt ihr eine staubige Vitrine auf. „Die muss auch mal wieder gemacht werden“, weist sie ein Zimmermädchen an, das ihren Weg kreuzt. „Es ist immer irgendetwas zu regeln, das geht den ganzen Tag so.“

Doch alles andere muss jetzt warten, denn die Wäschebestellung macht sich nicht von allein. Wo selbst Hotel-Mitinhaberin Heike Brandt nur Berge von weißen Laken und Handtüchern sieht – „da bin ich heilfroh, dass wir uns auf unsere Frau Möhn verlassen können“ – sieht diese ganz genau, was fehlt und was noch besorgt werden muss. Ein Computerprogramm gibt es dafür nicht. „Das ist jahrelange Erfahrung. Ich erkenne auf einen Blick, was ich bestellen muss.“ Die Mengen ändern sich jeden Tag, je nach der Anzahl der Übernachtungsgäste und der Veranstaltungen im Hotel.

Inzwischen ist es fast Mittag. Zwischen ständigem Telefongeklingel und Fragen von Mitarbeitern, die beantwortet werden wollen, bügelt Möhn schnell noch das Hemd eines Gastes. Auch das ist eine ihrer Aufgaben. „Hier muss man flexibel sein.“

Dass sie heute eine Leitungsposition im Hotel hat, verdankt sie ihrer harten Arbeit. Denn angefangen hat Möhn als einfaches Zimmermädchen. „Ich habe mich hochgearbeitet“, sagt sie stolz.

Darüber ist auch Heike Brandt sehr froh: „Verantwortungsvolles Personal zu finden, ist nicht einfach“, weiß sie.

Auch privat kann Möhn nicht ganz aus ihrer Haut heraus. „Ich putze zum Beispiel zu Hause gern und gründlich.“ Ihr Mann ist Koch: „Wenn wir ins Restaurant gehen, meckert er am Essen herum und ich an der Sauberkeit“, sagt sie und lacht. Obwohl Möhn manchmal auch streng zu ihren Mitarbeitern sein muss, vergisst sie nie, wie hart die Arbeit ist, die ein Zimmermädchen täglich leistet. „Betten machen, mit dem Staubsauger ständig in gebückter Haltung sein, große Fenster putzen – das macht man nicht, bis man 67 ist“, berichtet Möhn.

Genug Personal in der Branche zu finden, ist auch deshalb eigentlich sehr schwierig, sagt Hotel-Mitinhaberin Heike Brandt. „Wir haben aber gerade das Glück, sogar einen leichten Zuwachs durch Mitarbeiter aus der Ukraine bekommen zu haben.“

Diese trotz der Sprachbarrieren anzuleiten, ist dann wieder die Aufgabe der Hausdame. „Mit Händen und Füßen klappt das schon“, sagt Konstanze Möhn.

Auch interessant

Kommentare