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Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda: „Wir haben das Rüstzeug“

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Von: Valerie Schaub

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Zweimal pro Woche ist Sport fest eingeplant: Bürgermeister Carsten Strzoda trainiert regelmäßig im Fitnessstudio Deltha in Ahnatal, wenn es seine Termine zulassen. Wie die Gemeinde für kommende Herausforderungen fit bleibt, erklärt er im Interview.
Zweimal pro Woche ist Sport fest eingeplant: Bürgermeister Carsten Strzoda trainiert regelmäßig im Fitnessstudio Deltha in Ahnatal, wenn es seine Termine zulassen. Wie die Gemeinde für kommende Herausforderungen fit bleibt, erklärt er im Interview. © Valerie Schaub

Corona, Krieg, Inflation –2022 hat unser Leben kräftig durcheinander gewirbelt. Wie erleben die Kommunen diese Zeit? Was sind die Herausforderungen? Wir fragen bei den Bürgermeistern nach. Heute: Carsten Strzoda (parteilos) aus Espenau.

Espenau – Während Bürgermeister Carsten Strzoda im Rathaus für die HNA das Jahr Revue passieren lässt, ist die Sporttasche schon gepackt – an diesem Tag nur für das Foto. Ansonsten hat der Bürgermeister sein Training in den Terminalltag gequetscht. Schließlich sei es wichtig, fit zu bleiben, um die Herausforderungen zu meistern, die der Gemeinde bevorstehen.

Herr Strzoda, welche Herausforderungen gab es 2022?

Im Frühjahr waren die letzten Auswirkungen der Corona-Pandemie am Abklingen, wir waren zuversichtlich, dass wir mal wieder einen schönen Sommer ohne Schutzmaßnahmen erleben können. Und dann sind wir am 24. Februar in einer neuen Welt aufgewacht. Mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg von Wladimir Putin gegen die Ukraine sehen wir uns Entwicklungen gegenübergestellt, die in dieser Form und diesem Ausmaß nicht zu erwarten waren. Das ist die Zeitenwende, von der die Bundespolitik spricht.

Und dann kam noch die Energiekrise. Wie gehen Sie damit um?

Durch kluge Entscheidungen, wie die Mitgliedschaft in der KEAM (Energieanbieter für Kommunen, Anm. der Red.), konnten wir die Kostenentwicklung etwas abfedern, hatten aber trotzdem die Preissteigerung, wie alle. Das sind Entwicklungen, auf die man nur reagieren kann. Wir haben auf der Gemeindeverwaltung eine Fotovoltaikanlage installiert und werden das auch auf der Kita Espe-Aue, der Übergangskita und der Feuerwehr mit Speicher tun. Wir investieren jetzt, um zukünftige Haushalte entlasten zu können.

2023 steht wieder ein Minus am Ende des Haushaltes. Wie kann die Gemeinde trotzdem investieren?

Das ist eine gute Frage. Grundsätzlich war schon für 2022 der Griff in die außerordentlichen Rücklagen vorgesehen. Wir gehen davon aus, dass wir 2022 eine schwarze Null schreiben werden. Für 2023 haben wir die Kostensteigungen bei Personal, Energie und Zinsen eingepreist und sind am Ende auf dieses Ergebnis gekommen.

Und das ist ein Minus.

462 760 Euro, das ist der Stand. Das langfristige Ziel wird – muss sein, 2025 den Haushalt wieder auszugleichen, ohne auf Rücklagen zurückzugreifen. Ob das gelingt, hängt von den Entwicklungen und Veränderungen am Markt ab. In der Regel müssen wir Investitionen über Darlehen finanzieren und die erforderliche Tilgung hierfür im laufenden Haushalt erwirtschaften.

Haben Sie ein Beispiel?

Für das neue Feuerwehrfahrzeug haben wir 280 000 Euro eingeplant. Wenn wir das heute bestellen würden, kostet es locker 400 000. Die Fördersumme bleibt aber gleich. Dann hätten wir plötzlich eine Mehrausgabe und höhere Abschreibung, obwohl das Fahrzeug nahezu identisch ist. Für uns Kommunen ist das schwierig. Was ist die Alternative? Keine Investitionen? Das wäre der Wirtschaft nicht dienlich und fällt auf die Kommunalfinanzen zurück. Es ist gut, dass wir vieles in der jüngeren Vergangenheit für Espenau auf den Weg gebracht haben.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass der geplante Kita-Bau am Bruchfeldweg klappt?

Ich gehe immer noch fest davon aus, dass da irgendwann eine Kita stehen wird. Es ist lediglich die Frage wann? Die Frage nach Fördermitteln lässt auf Länderseite allerdings zu wünschen übrig. Und die nächste Begleiterscheinung ist der Fachkräftemangel.

Und dann läuft ja noch eine Klage von Bürgern vor dem Verwaltungsgericht. Sie wollen verhindern, dass ein weiteres Baugebiet entsteht, an dem auch der Neubau der Kita hängt.

Die Gemeindevertretung hat das Bürgerbegehren nach einer rechtlichen Prüfung nicht zulassen können. Wenn das Gericht entgegen dem rechtlichen Gutachten entscheidet, müsste irgendwann das Bürgerbegehren zugelassen werden. Am Ende steht ein Bürgerentscheid, bei dem die Bürgerinnen und Bürger darüber abstimmen, ob das Neubaugebiet mit der Kita so kommen soll.

Halten Sie das für wahrscheinlich?

Wir befinden uns in einem laufenden Verfahren, dazu möchte ich mich nicht äußern.

Wie sieht denn die Personalsituation in den Kitas aus?

Wir suchen händeringend. Wie alle anderen Kommunen auch. Für nächstes Jahr fehlen zwei Erzieherinnen, um eine neue Gruppe zu öffnen. Wer das liest, kann gerne Kontakt mit uns aufnehmen.

Was wünschen Sie sich von der Landes- und Bundesregierung?

Ich würde mir vom Land Rahmenbedingungen wünschen, die die Kommunen bei der Aufgabe der Kinderbetreuung konstruktiv unterstützen. Dazu gehört für mich, dass die aktuellen Vorgaben und bestehenden Rechtsansprüche angepasst werden, an das, was die Kommunen vor Ort leisten können. Allein schon durch den Fachkräftemangel stoßen wir bereits jetzt schon an die Grenzen des Machbaren. Wir haben das auch in der Corona-Pandemie gespürt. Es war für unsere Kolleginnen schwierig, überhaupt einen Betrieb sicherzustellen. Und auch jetzt ist es krankheitstechnisch der Hammer, was die Kolleginnen auffangen müssen. Wie sollen wir in dieser Gesamtsituation die ständig wachsenden Forderungen der Gesetzgebung noch umsetzen?

Wie viel Neubaugebiete kann sich Espenau eigentlich noch leisten?

Das Südliche Hopfenfeld wird jetzt durch einen Investor entwickelt und dann haben wir noch das Neubaugebiet im Bruchfeldweg. Weitere sind nicht geplant.

Wie gehen Sie ins neue Jahr?

Mit Zuversicht. Ich habe immer gesagt: Über den Wolken ist der Himmel blau. Wir sind in einer guten Ausgangsposition und haben das Rüstzeug, den Herausforderungen gut zu begegnen. Das stimmt mich zuversichtlich. (Valerie Schaub)

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