Vier Augen sehen mehr als zwei

Espenau und Immenhausen arbeiten in der Finanzverwaltung zusammen

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Bald kommen neue Bescheide: Espenaus Kämmerer Albrecht Bertelmann (links) und Immenhausens Kämmerer Lars Obermann (hinten) stellen die neue Software vor.

Espenau/Immenhausen. Die Kommunen Espenau und Immenhausen arbeiten jetzt noch enger miteinander. Sie haben eine neue Software eingeführt, die es ihnen ermöglicht, sich in der Verwaltung gegenseitig auszuhelfen und zu vertreten. 

Wer das Rathaus in Espenau betritt, merkt sofort, dass es nur relativ wenige Menschen sind, die sich um die Verwaltung der knapp 5000 Einwohner kümmern. Einzelkämpfer seien sie, sagt Kämmerer Albrecht Bertelmann. „Es sind letztlich Einzelpersonen, die hier die Arbeit in ihrem Bereich machen müssen.“

Doch was passiert, wenn zum Beispiel der Kassenverwalter krankheitsbedingt mehrere Monate nicht zur Arbeit kommen kann? Wer kann dann noch Geld auszahlen? In kleinen Kommunen niemand. „Wir können nicht so weitermachen“, sagt Bertelmann, „wenn wir die Kassensicherheit gewährleisten wollen“. Das war ein ausschlaggebender Grund für die jetzt umgesetzte Zusammenarbeit der Gemeinde Espenau und der Stadt Immenhausen im Bereich der Finanzverwaltung.

Bereits seit 2002 arbeiten die beiden Kommunen im Zweckverband Kommunale Dienste zusammen, der für die beiden Nachbargemeinden eine Vielzahl von Leistungen, insbesondere auf dem Gebiet der Wasserver- und Wasserentsorgung erbringt. Außerdem übernimmt die Stadt Immenhausen seit 2008 für Espenau die Personalabrechnung. Nun kommt die Kooperation im Finanzwesen dazu.

Die Anforderungen an die Kommunen würden immer größer, sagt Immenhausens Kämmerer Lars Obermann. „Wir kommen an die Grenzen unsere Leistungsfähigkeit“, bestätigt Bertelmann. Durch die Hessenkasse seien zum Beispiel die rechtlichen Anforderungen an den Haushalt der Kommunen noch mal verschärft worden. „Das große Ziel der Umstellung ist, dass wir uns gegenseitig vertreten können in den verschiedenen Bereichen“, erklärt Obermann. So könne er im Notfall den Haushalt für die Gemeinde Espenau erstellen und umgekehrt Albrecht Bertelmann für Immenhausen.

Möglich wird diese Zusammenarbeit durch eine neue Finanzsoftware, die beide Kommunen eingeführt haben. Die Daten werden zentral bei der ekom21 in Kassel verwaltet. In den letzten Wochen ist die gesamte Finanzverwaltung auf das neue Programm geschult worden. Die Umstellung begann schon im Mai. „Der Software-Wechsel ist eine Herausforderung“, sagt Obermann. Die Struktur sei völlig neu.

Durch die Umstellung der Software bekommt jeder Einwohner auch eine neue Steuernummer. Wenn dann Anfang Januar die ersten Bescheide in den Postkästen in Espenau und Immenhausen liegen, werden die Bürger einige Änderungen feststellen. „Wir hoffen, dass die Bescheide jetzt leichter zu lesen sind“, sagt Bertelmann.

Das Land Hessen hat sich auf die Fahnen geschrieben, die interkommunale Zusammenarbeit zu fördern. Regierungspräsident Walter Lübcke übergab den beiden Kommunen deshalb im Auftrag des Hessischen Ministeriums des Inneren und für Sport nun eine Förderung über 50.000 Euro. Die Zusammenarbeit sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Lübcke. Ziel der Zusammenarbeit ist, effizienter zu arbeiten und Haushaltsmittel einzusparen.

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