Etaterhöhung geplant

Fahren ohne Schlaglöcher: Landkreis Kassel fördert Ausbau von Radwegen

Radwegschild mit Fahrradfahrer
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Kleine Eingriffe, große Effekte: Damit Radfahrer im Landkreis Kassel bessere Bedingungen haben, hatte der Landkreis schon im Jahr 2017 die Schlaglochoffensive ins Leben gerufen. Seither profitieren Kommunen von den Fördermöglichkeiten des Landkreises zur Verbesserung von Radwegen.

Hier steht ein zu hoher Bordstein im Weg, dort fehlen immer noch 100 Meter Piste, um das Radfahren zu erleichtern. Hindernisse dieser Art sind noch überall zu finden, der Landkreis Kassel will das nun ändern.

Kreis Kassel – Nicht umsonst will der Landkreis Kassel das Förderbudget für die Verbesserung von Radwegen im Jahr 2022 „noch einmal deutlich anheben“, kündigt Landrat Andreas Siebert (SPD) an. Dabei geht es um Gelder für die 2017 aus der Taufe gehobenen Schlaglochoffensive und das Programm für kleinere Bauvorhaben an Radwegen. Allein in diesem Jahr sind den Kommunen 130 000 Euro ausgezahlt worden, 30 000 Euro für die Beseitigung von Schäden, und 100 000 Euro für kleinere Investitionen. 2018 waren es insgesamt gerade mal 43 000 Euro.

„Immer mehr Leute wollen Rad fahren – nicht nur in der Freizeit, sondern auch im Berufsalltag als Alternative zum Auto“, begründet Siebert den Schritt. So sei es nicht nur wichtig, den Ausbau des Radwegenetzes über Fördermöglichkeiten des Landes zu forcieren. „Genauso geht es um die Pflege und Optimierung bereits vorhandener Radwege“, sagt Siebert. Bis heute stellten weder Bund noch Land hierfür Fördermöglichkeiten zur Verfügung.

Tatsächlich sei die Nachfrage nach Geldern für die Verbesserung und Instandhaltung von Radwegen in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Nach nur drei Anträgen von Kommunen im Jahr 2017 und elf Anträgen im vergangenen Jahr, seien es in diesem Jahr bislang schon 15 gewesen. „Unser Geheimnis ist, dass wir schnell und unbürokratisch helfen“, sagt Uwe Koch, Fachbereichsleiter Schulen, Sport und Mobilität beim Landkreis Kassel. Oft würden Fördermöglichkeiten von Bund und Land bei kleinen Verbesserungen nur deshalb nicht ausgeschöpft, weil der bürokratische Aufwand zu hoch sei.

Zur Instandhaltung zähle zum Beispiel die Beseitigung von Wurzelschäden oder Schlaglöchern. Kleinere Investitionen sind Lückenschlüsse, das Aufstellen von Anlehnbügeln und Ladestationen, oder der Bau von Rastplätzen. Die Fördersummen in diesem Jahr reichten von 17 800 Euro für die Sanierung des Radweges zwischen Ahnatal-Weimar und Heckershausen (Förderanteil 50 Prozent) bis hin zu 1500 Euro zur Beseitigung von Wurzelschäden am Radweg zwischen Fuldatal-Ihringshausen und Vellmar (Förderanteil 30 Prozent), sagt Michaela Mayer, Fachdienstleiterin Nahmobilität und Sport.

Neben diesem Programm für Kommunen, das alleine vom Landkreis getragen wird, „sollen auch weitere eigene Projekte angestoßen werden“, sagt Koch. Dazu zähle beispielsweise der Reinhardwaldradweg. „Dort wollen wir eine durchgehend gute Wegbeschaffenheit und eine einheitliche Ausschilderung erreichen“. Im September sei bereits die Neubeschilderung in Auftrag gegeben worden. „Schon im Vorfeld haben wir dafür tolle Vorschläge von Bürgern und ADFC-Mitgliedern bekommen, die bei der jüngsten Land-Rad-Tour von Kassel zum Tierpark Sababurg dabei waren“, sagt Siebert.

Grundsätzliches Ziel des Landkreises sei, mit solchen Projekten den Radverkehrsanteil in den nächsten Jahren weiter anzuheben. So gehe der Verkehrsentwicklungsplan bis zum Jahr 2030 von einem Anstieg von jetzt vier auf acht Prozent aus. „Es geht darum, die Verkehrswende ein Stück voranzubringen – und damit den Ressourcenverbrauch und die ökologischen Belastungen vor allem durch den Autoverkehr zu senken“, sagt Koch.

Vor allem sei inzwischen sicher, dass eine Steigerung des Radverkehrs hauptsächlich durch eine bessere Radweg-Infrastruktur zu erzielen ist. Koch: „Keiner will eine halbe Stunde lang mit dem Rad über schlechte Schotterpisten oder unübersichtliche und gefährliche Straßen zum Arbeitsplatz fahren. Wenn das Ganze auf guten Wegen aber nur 15 Minuten dauert, sieht die Sache schon anders aus.“ (von Boris Naumann)

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