„Wir lassen keinen auf der Strecke“

Fahrt ins Impfzentrum: Kommunen im Landkreis Kassel springen nur im Notfall ein

Hier könnten ab dem 9. Februar weitere über 80-jährige Bürger aus dem Landkreis geimpft werden. Doch sie müssen sich die Fahrt ins Impfzentrum nach Calden selbst organisieren.
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Hier könnten ab dem 9. Februar weitere über 80-jährige Bürger aus dem Landkreis geimpft werden. Doch sie müssen sich die Fahrt ins Impfzentrum nach Calden selbst organisieren.

Anrufen, sich im Internet um einen Termin bemühen, die Fahrt organisieren: Den über 80-Jährigen im Landkreis Kassel verlangt die Impfung gegen das Coronavirus einiges an Organisation ab.

Kreis Kassel – Gut, wenn dann Kinder, Enkel oder Nachbarn in der Nähe sind, die unterstützen können. Doch nicht jeder hat diese Möglichkeit – vor allem nicht, wenn es um die Fahrt zum Impfzentrum nach Calden geht. Deshalb hieß es kürzlich, Kommunen könnten Fahrdienste organisieren. Fest steht nun aber, dass die Städte und Gemeinden gar nicht für die Fahrten zuständig sind, erklärt Michael Steisel als Sprecher der Kreisbürgermeister.

Stattdessen sei das Land Hessen in der Pflicht. Wer grundsätzlich einen Anspruch auf Krankenfahrten bei seiner Krankenkasse habe, könne diesen auch bei der Fahrt zum Impfzentrum nutzen. „Sollte die Krankenkasse die Taxifahrten zum Impfzentrum und zurück nach Hause nicht übernehmen, wird das Land die Kosten tragen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Innenministerium. Das gelte für Menschen über 80 Jahre, die keine andere Möglichkeit haben, ins Impfzentrum zu kommen. In diesem Fall erhalten sie vor Ort weitere Infos zur Kostenerstattung.

„Der offizielle Weg kam etwas spät“, sagt Michael Steisel, viele Bürgermeister hätten sich schon Gedanken über einen solchen Dienst gemacht. Doch die Voraussetzungen seien auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich, das müsse man berücksichtigen.

Die Fahrt zum Impfzentrum in Calden, das nach jetzigem Stand am 9. Februar öffnen soll, ist von Bad Karlshafen knapp 39 Kilometer lang, von Ahnatal nur 9. Doch nicht nur die Entfernung unterscheidet sich. Auch finanziell könnten einige Kommunen einen Fahrdienst leichter stemmen als andere. Man wolle aber verhindern, dass eine Kommune Fahrten organisiert und die andere nicht, damit kein Ungleichgewicht entstehe. Deshalb setzen die Kommunen darauf, dass Senioren sich die Fahrt privat organisieren oder ein Taxi nehmen und sich die Kosten von der Krankenkasse oder dem Land erstatten lassen.

Stoße jemand dabei an seine Grenzen, „werden wir uns darum kümmern, dass es Möglichkeiten gibt“, sagt Steisel. Darüber seien sich viele Landkreis-Bürgermeister einig. „Das Ergebnis muss sein, dass jeder dort hinkommt. Wir lassen keinen auf der Strecke.“ Dem schließen sich auch Kaufungens und Niestetals Bürgermeister an. Ein eigenes Angebot gebe es bisher nicht. Im Zweifelsfall können sich Bürger aber an die Gemeinde wenden.

Auch Vellmar bietet keinen Fahrdienst an. „Wir wissen nicht, wie wir das leisten sollen“, sagt eine Sprecherin mit Blick auf Hygieneregeln und die unterschiedlichen Zeiten der Impftermine. Die Stadt verweist auf das Angebot des kostenlosen Taxiservices von Protex (siehe Hintergrund). Es habe bisher keine Anfragen an die Stadt gegeben.

Auch Lohfeldens Bürgermeister Uwe Jäger weiß noch nicht, ob ein kommunaler Fahrdienst gefragt ist. Dieser könne nur eine Serviceleistung, aber kein Muss für die Gemeinde sein. Sollte jemand nicht weiterkommen, versichert auch er, zu helfen. „Wir setzen natürlich auch auf die Kinder und Enkel.“

Kostenloser Fahrdienst von Protex

Für über 80-Jährige aus Stadt und Kreis Kassel, die keine andere Möglichkeit haben, zum Impfzentrum zu gelangen, bietet der Sicherheitsdienst Protex kostenlose Fahrten an. Das Angebot ist in Kooperation mit dem Autohaus Dürkop, dem Verein Sempers (Senioren mit Perspektive) und der Jumpers-Jugend entstanden. Auf diesem Weg will Protex nach eigenen Angaben der Region etwas zurückgeben, weil das Unternehmen 2020 keine Einbußen hinnehmen musste. Wer will, wird auch zum Impftermin begleitet. Buchungen für Fahrten zwischen 9.30 und 16 Uhr unter Tel. 0561/82079580. (Valerie Schaub)

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