Fast leere Tonnen nicht rausstellen

Ein halbes Jahr gelbe Tonne – Abfuhrpersonal zieht erste Bilanz

Eines von sechs Prezero-Teams im Landkreis Kassel: (von links) Andreas Lautenschläger, Mark Strippel und Sascha Surup.
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Eines von sechs Prezero-Teams im Landkreis Kassel: (von links) Andreas Lautenschläger, Mark Strippel und Sascha Surup.

Wer Mark Strippel am Steuer seines Müllautos beobachtet, merkt, er ist Müllmann aus Leidenschaft.

Kreis Kassel – Gekonnt fährt der 51-Jährige rückwärts in eine enge Gasse ein, die selbst in einem Auto nicht einfach zu durchfahren wäre. Seine 20 Jahre Berufserfahrung als Lkw-Fahrer sind ihm anzumerken. Doch noch immer ist er von seiner Arbeit begeistert:

„Das Schönste ist, wenn man an Kindern vorbeifährt und die sich einfach freuen und einem zuwinken“, sagt Strippel mit einem Leuchten in den Augen.

Ein halbes Jahr gelbe Tonne im Kreis Kassel

Seit Januar gibt es die Gelben Tonnen im Landkreis Kassel. Seit dem ist auch Strippel mit seinen Team-Kollegen für das Unternehmen Prezero im Landkreis unterwegs, um eben dieser zu leeren. Sein Arbeitstag beginnt immer täglich um 6 Uhr, wenn er vom Entsorgungshof in Lohfelden losfährt. Dabei verläuft sein Tag inzwischen etwas ruhiger als kurz nach der Einführung der neuen Tonnen.

Die anfänglichen Probleme, etwa als die Menschen unsicher waren, was alles in den Gelben Tonnen zu entsorgen ist, seien mittlerweile seltener geworden. „Dafür kommt es oft vor, dass nur drei Milchtüten in den Tonnen drin sind – übertrieben gesagt“, sagt Strippel. Solche Fälle machen die Arbeit für das Abfuhrpersonal deutlich aufwendiger.

Falsch entsorgte Materialien gibt es nur selten.

Landkreis Kassel: seit einem halben Jahr gibt‘s die gelbe Tonne

Denn während sie früher die Gelben Säcke schnell in das Müllauto werfen konnte, muss die Müllabfuhr jetzt jede Tonne zum Leeren daran einhängen. „Wenn sie bis zum nächsten Mal mit dem Rausstellen warten würden, würde das die Arbeit einfacher machen“, sagt Strippel.

Von den 240-Liter-Tonnen auf 120 Liter zu wechseln, davon rät er trotzdem ab. Zu oft komme es vor, dass deren Größe nicht ausreiche, sodass die Menschen zusätzlich noch verbliebene Gelbe Säcke herausstellen. Die würden auch manchmal in die Tonnen gelegt, um diese nicht zu verschmutzen. „Aber es wäre kein Aufwand, sie stattdessen kurz auszuspülen“, sagt Strippel.

Kreis Kassel seit halbem Jahr mit gelben Tonnen

Als Kritik will er das aber nicht verstanden wissen: „Das sind unsere Kunden, die uns die Arbeit bringen. Wir brauchen uns gegenseitig“, sagt der Müllauto-Fahrer. Mit seinen zwei Kollegen, den sogenannten Ladern Andreas Lautenschläger und Sascha Surup, bildet Strippel eines von sechs Teams, die täglich im Landkreis unterwegs sind.

Kaum befüllte Tonnen machen die Arbeit der Müllabfuhr deutlich aufwendiger.

Damit sie den Menschen auf Nachfrage sagen können, welche Materialien in die Gelbe Tonne gehören, gibt es für die Mitarbeiter Schulungen, erklärt Surup. Finden sie falsch befüllte Tonnen vor, zum Beispiel mit Eisenteilen darin, kleben sie darauf einen roten Zettel mit der Aufschrift „Bitte nachsortieren“.

Sowohl in geraden als auch ungeraden Wochen haben die Prezero-Teams feste Fahrpläne von je fünf Gebieten. Dieser Ablauf wiederholt sich alle zwei Wochen. Langweilig wird Mark Strippel aber wohl trotzdem nicht. Dazu freut es ihn zu sehr, die Kinder am Straßenrand mit dem Müllauto zu begeistern. (Jan Trieselmann)

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