Coronavirus

Feuerwehren im Kreis Kassel sagen Übungen ab - so ist der Stand der Dinge

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Das Coronavirus sorgt derzeit für Absagen von Veranstaltungen. Thema ist das auch bei den Freiwilligen Feuerwehren. Quarantänezeiten könnten eine Wehr einsatzunfähig machen.

Um eine Ansteckung zu vermeiden und Quarantäne im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu umgehen, werden derzeit viele Veranstaltungen in Stadt und Landkreis Kassel abgesagt. Auch die Freiwilligen Feuerwehren sagen teilweise Übungen ab, um Ansteckungsgefahren zu verhindern und im Ernstfall einsatzfähig zu bleiben.

Wie Landkreissprecher Harald Kühlborn mitteilt, hat sich auch die Kreisverwaltung die Frage gestellt, was passiert, sollten Einheiten der Feuerwehr wegen Krankheit oder Quarantäne ausfallen. Grundsätzlich muss die Kommune eine Feuerwehr einsatzbereit halten, heißt es in der Antwort von Kreisbrandinspektor Sebastian Mazassek an die Kommunen. 

Fallen mehrere Feuerwehrleute aus, sollen zunächst nach Planung der Wehrleiter die anderen Ortsteilwehren einspringen. Geht das nicht, so müsse man auf andere Kommunen zurückgreifen. Die Planung liege in diesem Ausnahmefall beim Landkreis. Wehren sollten sich dann frühstmöglich beim Kreisbrandinspektor melden.

Bei anstehenden Veranstaltungen sollten die Wehren abwägen zwischen Erfordernis und Ansteckungsmöglichkeiten, „zumal es sich um eine Einrichtung der Gefahrenabwehr handelt, auf die die Bevölkerung vertraut“, heißt es in der Empfehlung. Auf Umarmungen und Händeschütteln sollte bei Veranstaltungen verzichtet werden. Außerdem werden Ausbildungen auf Kreisebene bis Ende April vorerst abgesagt.

Nobert Damm, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, bestätigte: Einige Jahreshauptversammlungen seien bereits abgesagt.

Brandschützer wollen Quarantäne vermeiden

Die Feuerwehren in den Altkreis-Kommunen gehen derzeit noch unterschiedlich mit der Situation um. Wir geben einen Überblick: 

  • Feuerwehr Niestetal: Die Feuerwehr Niestetal wird sich strikt an die Empfehlung des Landkreises Kassel halten. „Wir haben sämtliche geplante Übungen und Veranstaltungen abgesagt“, sagt Gemeindebrandinspektor Ingolf Aust. Selbst die Jahreshauptversammlung, die für kommende Woche angesetzt worden sei, werde nicht stattfinden. „Noch nicht einmal unsere Feuerwehrkapelle wird in den nächsten Wochen proben“, sagt Aust. Für ihn sei dieser Schritt unablässig. „Wir müssen als Feuerwehr stets einsatzbereit sein“, sagt Aust. „Das Risiko, sich auf Treffen oder Veranstaltungen das Corona-Virus zu holen und damit auszufallen, ist aktuell viel zu hoch.“
  • Feuerwehr Kaufungen: In Kaufungen steht die Feuerwehrarbeit derzeit still: „Wir haben für diesen Monat alles abgesagt“, so Gemeindebrandinspektor Benjamin Tornow. Das gelte zum einen für den Übungs- und Ausbildungsbetrieb. Zum anderen seien aber auch die Jahreshauptversammlungen der Feuerwehrvereine Ober- und Niederkaufungen sowie des Musikzuges erst einmal gestrichen. „Es ist bedauerlich, aber wir holen die Veranstaltungen nach.“ Bei Entwarnung werde die Arbeit wieder aufgenommen.
  • Feuerwehr Fuldabrück: „Unsere Jahreshauptversammlungen sind glücklicherweise schon rum“, sagt Fuldabrücks Gemeindebrandinspektor Michael Heyne. Ansonsten nehme die Feuerwehr an keinen Veranstaltungen teil und auch die Termine zur Brandschutzerziehung seien abgesagt. Übungsdienste in den Ortsteilwehren finden statt, aber ortsteilübergreifend üben die Wehren nicht. Das sei sowieso aktuell nicht geplant. „Ansonsten warten wir ab, schauen wie sich die Lage ändert, und passen uns an“, so Heyne.
  • Feuerwehr Helsa: Deutlich eingeschränkt ist der Dienst laut Gemeindebrandinspektor Timo Schröder in Helsa. „Wir machen nur das absolut Notwendige“. Geplante Ausbildungsdienste der Jugend- und Kinderfeuerwehr seien bis auf Weiteres abgesagt, ebenso der allgemeine Übungsdienst. „Wir tun das nicht, weil wir der allgemeinen Hysterie folgen“, macht Schröder deutlich, „sondern um bei einem Coronafall zu verhindern, dass gleich 30 Feuerwehrleute in Quarantäne müssen.“ Deshalb beschränke man die Zusammenkünfte auf ein Minimum.
  • Feuerwehr Fuldatal: „Wir sind vollumfänglich einsatzbereit“, sagt Fuldatals Gemeindebrandinspektor Mario Mellenthin. Ein erster Schritt zur Minimierung der Infektionsgefahr sei aber bereits eingeleitet worden. „Wir haben alle überörtlichen Übungen und Übungsdienste ausgesetzt und die Jahreshauptversammlung bis auf weiteres abgesagt“, sagt Mellenthin. Die Arbeit der sechs Ortsteilwehren sei aber gewährleistet. „Wir gehen präventiv vor und wollen sensibilisieren, aber keine Panik verbreiten.“
  • Feuerwehr Vellmar: „Bei uns geht der Feuerwehrdienst weiter, wie gewohnt“, sagt Vellmars Stadtbrandinspektor Pierre Besson. Allerdings seien diejenigen Mitglieder angehalten, zu Hause zu bleiben, die in Risikogebieten waren, womöglich mit Infizierten Kontakt hatten oder aber Erkältungssymptome spüren.
  • Feuerwehr Söhrewald: In Söhrewald laufen Übungen sowie Veranstaltungen bisher weiter, sagt Gemeindebrandinspektor Stefan Saftig. Auch die Jahreshauptversammlung am Samstag werde stattfinden. „Wir verzichten auf Händeschütteln und stellen Desinfektionsmittel bereit.“ Das sei der aktuelle Stand, sollte sich an der Lage etwas ändern, behalte man sich vor, auch Veranstaltungen abzusagen.
  • Feuerwehr Schauenburg: Alle Übungsdienste, die Dienstsport-Einheiten und weitere Veranstaltungen der Feuerwehr in Schauenburg sind abgesagt, heißt es vonseiten der Gemeindewehr. Das habe die Verwaltung mit den Gemeindebrandinspektoren entschieden. „Wir möchten betonen, dass diese Entscheidung nicht aus Angst oder gar Panik entstanden ist, sondern man den Betrieb einer leistungsfähigen Feuerwehr nicht gefährden möchte“, berichtet die Schauenburger Feuerwehr. Die allgemeine Gefahrenabwehr, der Brandschutz und die allgemeine Hilfeleistung seien weiterhin zu jeder Zeit gesichert. Die Absage gilt vorerst bis zur 14. Kalenderwoche, also bis Anfang April, so der Gemeindebrandinspektor Carsten Borowksi.
  • Feuerwehr Baunatal: „Bei uns finden keine Ausbildung und keine Lehrgänge bei der Feuerwehr mehr statt“, sagt Baunatals Bürgermeisterin Silke Engler. „Es gibt derzeit nur den Einsatzbetrieb.“ Und Stadtbrandinspektor Ralf Seitz ergänzt: Es sei wichtig, dass die Einsatzstärke bleibe. Bislang gebe es bei der Baunataler Wehr keine Einschränkungen.
  • Feuerwehr Lohfelden: „Wir fahren die Arbeit der Kinder- und Jugendfeuerwehr und der Seniorengruppe zurück, da das die Risikogruppen sind“, erklärt Gemeindebrandinspektor Michael Kahl. Der Einsatzdienst hingegen gehe wie gewohnt weiter. Auch die Jahreshauptversammlung, die für den morgigen Freitag angesetzt ist, finde statt. Allerdings mit erhöhten Hygienevorkehrungen. „Wir wollen weder alles absagen noch Panik machen.“ Schließlich könne man sich überall anstecken, ob im Bus oder an der Arbeit. 
  • Feuerwehr Nieste: Der Niester Gemeindebrandinspektor Heiko Schäfer wollte zum Zeitpunkt der HNA-Anfrage noch nichts zum Vorgehen der Niester Wehr sagen. „Wir haben am Donnerstag eine Versammlung und dort wird verkündet, wie wir mit der Situation umgehen.“
  • Feuerwehr Ahnatal: Auch bei der Feuerwehr Ahnatal wolle man auf Nummer sicher gehen: „Wir haben unsere Übungsdienste abgesagt, ebenso wie die Jahreshauptversammlung am morgigen Freitag“, sagt Gemeindebrandinspektor Andreas Dilling. „Alles andere wäre zu gefährlich. Infiziert sich einer, fällt die gesamte Feuerwehr aus.“ Das könne man nicht riskieren.
  • Feuerwehr Espenau: Die Übungsabende der Feuerwehr Espenau sind bis auf Weiteres ausgesetzt, sagt Bürgermeister Carsten Strzoda. Die Jahreshauptversammlung des Feuerwehrvereins Mönchehof sei abgesagt worden. Ob das mit der in Hohenkirchen, die Anfang April geplant ist, auch passiert, sei nicht sicher. „Wir möchten natürlich die Ansteckungsmöglichkeiten minimieren und bestenfalls vermeiden“, sagt Strzoda, um den Brandschutz weiterhin uneingeschränkt gewährleisten zu können.

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