Fliegen können Fehlalarme auslösen

Brandmeldeanlagen führen häufig zu Fehleinsätzen für Feuerwehren

Wolfhagens Stadtbrandinspektor Frank Brunst mit einer der 193 Laufkarten, die in dem Schrank hinterlegt sind vor der Brandmeldeanlage in der Kreisklinik Wolfhagen.
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Wolfhagens Stadtbrandinspektor Frank Brunst mit einer der 193 Laufkarten, die in dem Schrank hinterlegt sind vor der Brandmeldeanlage in der Kreisklinik Wolfhagen.

Die Zahl der Brandmeldeanlagen im Landkreis Kassel steigt stetig und damit auch die Zahl der Einsatzfahrten für die Feuerwehren.

Kreis Kassel – Waren 2015 noch 204 Anlagen direkt bei der Rettungsleitstelle aufgeschaltet, sind es aktuell bereits 276, sagt Kreisbrandinspektor Sebastian Mazassek. Er rechnet damit, dass sich der Anstieg in den nächsten Jahren fortsetzen wird.

Bauherren seien dazu verpflichtet, bei Sonderbauten geeignete Maßnahmen für den Brandschutz zu ergreifen, sagt Iris Zimmermann, Fachdienstleiterin der Bauaufsicht des Landkreises. Zu Sonderbauten zählen etwa große Gebäude wie Industriehallen, Kliniken, Schulen und Seniorenheime. „Brandmeldeanlagen dienen der Gefahrenabwehr und -vermeidung. Denn je früher ein Brand erkannt wird, desto wahrscheinlicher kann eine Evakuierung erfolgen“, so Zimmermann.

Doch leider löst die Technik nicht nur dann aus, wenn tatsächlich schnelles Eingreifen nötig ist. „Bei neun von zehn Einsätzen brennt es nicht“, sagt Vellmars Stadtbrandinspektor Pierre Besson. Manchmal seien die Fehlalarme technischer Natur, häufiger würden sie aber versehentlich oder mutwillig durch Menschen ausgelöst. „Etwa wenn ein Bewohner eines Heims in seinem Zimmer raucht, oder Dämpfe, die beim Kochen entstehen.“

Auch Ingolf Aust, Gemeindebrandinspektor von Niestetal, kennt dieses Problem. „Wenn Küchendämpfe in einem Wohnheim in Richtung der Anlage ziehen, löst diese auch aus.“ Fehleinsätze kämen für die Niestetaler Wehr daher häufiger vor. „Man kann aber nicht beziffern, wieviele Fehleinsätze es pro Jahr gibt, denn es gibt dabei keine Kontinuität. „Kürzlich hat die Anlage bei einer Firma in kurzen Abständen dreimal ausgelöst, dann passiert wieder monatelang nichts. Das ist sehr unterschiedlich“, so Aust.

Fehleinsätze durch technisches Versagen der Anlage kämen häufig vor, wenn eine Anlage neu installiert werde, weiß Schauenburgs Gemeindebrandinspektor Carsten Borowski. „Als etwa eine Brandmeldeanlage im Pflegezentrum in Elgershausen installiert wurde, kam es häufiger zu Fehlalarm. Später hat man rausbekommen, dass das an einem falsch verbauten Melder lag und das Problem behoben.“ Manchmal würden die Anlagen auch durch Verunreinigungen auslösen, etwa wenn sich Fliegen oder Dreck in der Anlage befänden. „Das hält sich im Großen und Ganzen aber im Rahmen“, so Borowski.

In Wolfhagen eilen die Feuerwehrleute laut Stadtbrandinspektor Frank Brunst etwa 30 Mal pro Jahr zu Einsätzen, die sich später als Fehlalarm entpuppten. Das werde den Betreibern zwar mit 1200 Euro in Rechnung gestellt, ärgerlich sei es für die Einsatzkräfte dennoch. Bei bis zu 60 Prozent der Alarmierungen über Brandmeldeanlagen handele es sich um Fehlalarme, so Brunst.

Bevor eine Brandmeldeanlage in Betrieb gehen kann, müsse sie von Mitarbeitern des Fachbereichs Brand- und Katastrophenschutz abgenommen werden, erklärt Iris Zimmermann. „In der Regel darf ein Sonderbau vor einer mängelfreien Abnahme der Brandmeldeanlage nicht in Betrieb gehen.“ Bauaufsicht und Brandschutzdienststelle des Landeskreises arbeiteten hier eng zusammen, um Bauherrn und Planern mögliche bauliche Lösungen aufzuzeigen. „Wenn keine Bedenken mehr gegen das Brandschutzkonzept bestehen, ist das Bauvorhaben hinsichtlich des Brandschutzes schließlich genehmigungsfähig“, so Zimmermann. (Antje Thon Und Daniel Göbel)

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