Nach Dürre: Bauern und Förster sind zufrieden – Böden benötigen noch mehr Wasser

Freude über Regenwetter

Die bislang vorherrschenden kühlen Temperaturen haben dafür gesorgt, dass der Raps auf den Feldern etwa zwei Wochen später blüht. Das Bild zeigt ein Feld bei Wolfhagen, im Hintergrund kann man den Isthaer Berg erkennen.
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Die bislang vorherrschenden kühlen Temperaturen haben dafür gesorgt, dass der Raps auf den Feldern etwa zwei Wochen später blüht. Das Bild zeigt ein Feld bei Wolfhagen, im Hintergrund kann man den Isthaer Berg erkennen.

Nass und kalt: So haben viele die vergangenen Wochen wahrgenommen. Das derzeitige Wetter lädt nicht gerade dazu ein, viel Zeit draußen zu verbringen. Was bei einigen in Coronazeiten die Stimmung drückt, hebt sie bei anderen aber wieder.

Kreis Kassel - Dass es in diesem Jahr wieder mehr regnet, sorgt bei den Landwirten für Freude, zumindest teilweise. Laut Reinhard Schulte-Ebbert vom Kreisbauernverband waren die vergangenen Jahre schon im Frühjahr äußerst trocken: „Nun haben wir zumindest wieder eine normale Niederschlagsmenge“, sagt der Geschäftsführer.

Das Schauerwetter mit mehreren Regengüssen am Tag erwecke zwar den Eindruck, die Böden könnten sich nun wieder von der Trockenheit erholt haben. Wie Schulte-Ebbert erklärt, hätten die Niederschläge bislang aber nur die Oberböden durchnässt. „Ab 40 oder 50 Zentimetern ist es trocken.“ Von dort hätten sich die Pflanzen in den vergangenen Jahren das Wasser genommen. „Es müsste noch zwei, drei Jahre viel regnen, um die Speicher wieder aufzufüllen“, so der Geschäftsführer.

Das Wetter hat aber auch Kehrseiten. Zum einen bräuchten die Landwirte trockene Wiesen, um beispielsweise Heu zu machen, sagt Schulte-Ebbert. Dafür wäre jetzt die Zeit. „Bisher ist das noch kein Problem, denn es gibt noch Vorräte aus dem vergangenen Jahr.“ Zum anderen sorge die Kälte der vergangenen Wochen dafür, dass manche Feldfrüchte nicht so wachsen, wie sie sollten. „Der Mais dümpelt vor sich hin und auch die Zuckerrüben wachsen nicht gut.“

Während die Landwirte mit gemischten Gefühlen auf das Wetter schauen, sind die Förster glücklich. „Wir freuen uns sehr“, sagt Uwe Zindel. Damit meint der Leiter des Forstamts Wolfhagen nicht nur die Förster, sondern alle Waldbesitzer. Die Niederschläge und die kühlen Temperaturen in diesem Jahr entsprächen eigentlich der Normalität – die Trockenheit in den vergangenen drei Jahren habe den Bäumen einiges abverlangt.

Nötig seien ungefähr 50 bis 70 Liter pro Monat im Frühjahr. So komme man auf etwa 200 Liter über die Monate. Zuvor habe es deutlich weniger gegeben. „Ein kühler und nasser Mai ist also Balsam für den Wald“, sagt Zindel. Und wenn der Juni auch noch richtig feucht ist, könne ein weniger feuchter Sommer „gut weggesteckt werden“.

Trotz der guten Nachrichten rund um den Niederschlag bleibt die Lage ernst. Mit Bezug auf die Dürrephasen in den vergangenen drei Jahren sagt Zindel: „Der Trend ist eindeutig.“ Dementsprechend bleibe das Forstamt bei der eingeschlagenen Marschrichtung, den Wald mit dürrebeständigeren Bäumen zu bestücken. „Verläuft die Entwicklung dann doch – wider Erwarten – entspannter, hat man nichts falsch gemacht.“

Dass die Lage weiterhin ernst bleibt, wird auch beim Blick auf Hessen klar. Laut Cornelia Löns-Hanna vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie liegen die Pegelstände der Flüsse derzeit leicht unter dem Schnitt der vergangenen Jahre. So war der Stand der Fulda an der Bad Hersfelder Messstelle beispielsweise bei 2,38 Metern. Der mittlere Wasserstand im Mai der Jahre 2001 bis 2010 liege bei Löns-Hanna 2,49 Metern. Das entspreche noch dem Normalbereich, sagt die Bauoberrätin. Allerdings sei insgesamt eine sinkende Tendenz zu beobachten.

Auch beim Grundwasser sieht es nach den drei Dürrejahren nicht gerade rosig aus. „Der Niederschlag im vergangenen Halbjahr hat nur regional zu einer leichten Erholung der Grundwasserstände geführt.“ (Moritz Gorny)

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