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Anwohner in Baunatal: „Das ist so ein Frevel“

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Von: Peter Dilling

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Lindenallee teilweise ohne Linden: Rentner Klaus Schareina ärgert sich, dass die Bäume entlang der Stichstraße Lindenallee 25 und 27 entfernt wurden. Der Baumstumpf im Vordergrund ist wieder ausgeschlagen.
Lindenallee teilweise ohne Linden: Rentner Klaus Schareina ärgert sich, dass die Bäume entlang der Stichstraße Lindenallee 25 und 27 entfernt wurden. Der Baumstumpf im Vordergrund ist wieder ausgeschlagen. © Peter Dilling

Ein Anwohner der Baunataler Lindenallee klagt über sechs abgesägte Bäume. Die Stadt Baunatal war über das Vorhaben im öffentlichen Raum offenbar gar nicht informiert worden.

Baunatal – Die Lindenallee am Baunsberg hat ihren Namen von den vielen Lindenbäumen, die dort stehen – sowohl auf öffentlichem als auch privatem Grund. Seit dem Frühjahr sind es allerdings weniger. So erzählt es Klaus Schareina, den es – wie er sagt – immer wurmt, wenn er von seinem Balkon aus auf die Reihe von Parkplätzen vor den Häusern Nr. 25 und 27 schaut.

Die Parkbuchten waren mal von sechs Linden gesäumt. Die Baumstümpfe sind noch zu sehen. Einer davon ist am Stumpf wieder ausgeschlagen und bildet einen großen Busch vom Blättern. „Das ist so ein Frevel“, schimpft der Rentner. Schon im Mai habe eine Fachfirma im Auftrag der Eigentümergemeinschaft von Haus Nr. 27 die auf Privatgrund stehenden Bäume gefällt und gleich vor Ort geschreddert.

Jetzt erst hat sich der 84-Jährige mit seinem Ärger an die HNA gewandt. Warum erst so spät? Schareina antwortet, es sei ihm erst jetzt in der Hitzeperiode klar geworden, was diese Bäume für einen Wert als Schattenspender für die parkenden Fahrzeuge haben. Seit die Bäume nicht mehr da seien, werde es in seinem geparkten Auto oft so heiß, dass er das Lenkrad nur mit Fingerspitzen anfassen könne. Die Abholzungsaktion habe er aber auch sonst nicht nachvollziehen können. „Die Bäume geben Sauerstoff ab und binden Kohlendioxid“, sagt der Diplom-Ingenieur, der früher einmal eine Firma für Sportplatz-Bau hatte.

Der Rentner vermutet, dass die Bewohner des benachbarten Hauses der klebrige sogenannte Honigtau störte, der sich während der Blütezeit der Linden auf Autos und Bürgersteig festsetzt. Ein Bewohner des Hauses Nr. 27, der seinen Namen nicht nennt, bestätigt, dass das wohl ein Grund gewesen sei. So etwas habe er gehört. Beteiligt an der Entscheidung sei er nicht gewesen. Schareina lässt das Argument des Honigtaus nicht gelten. Man könne sein Auto ja in der Blütezeit der Linden häufiger waschen. Auch die vielen Autofahrer, die auf den öffentlichen Parkplätzen parkten, störe der Honigtau offenbar nicht.

Rein rechtlich scheint die Baumfällaktion wohl dennoch in Ordnung zu gehen: In Hessen dürfen Bäume – ohne Schonfrist – ganzjährig gefällt werden. Nur wenn Tiere durch das Fällen gefährdet werden, gibt es Ausnahmen. Und die Stadt Baunatal hat – anders als das benachbarte Kassel – keine Baumschutzsatzung, wie Stadtsprecherin Susanne Bräutigam auf Anfrage bestätigt.

Die Stadt Baunatal habe nur Schutzrichtlinien für die in ihrem Eigentum oder ihrer Verantwortung stehenden Bäume erlassen. In der Fuldastadt dürfen aufgrund einer Baumschutzsatzung Bäume ab einer bestimmten Größe nur mit triftigem Grund gefällt werden. Von der Baumfällung an der Lindenallee 25 bis 27 habe die Stadt gar keine Kenntnis erhalten, teilt Bräutigam mit.

Rentner Schareina ist mit dieser Situation nicht zufrieden. Die Stadt müsse zumindest in ihren Bebauungsplänen den Schutz von Bäumen sichern und die Pflicht zu Ersatzpflanzungen festschreiben, sagt er.

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