Auch am 24. Dezember sind sie im Landkreis Kassel im Dienst

Pflegedienste an Heiligabend: Arbeiten statt Weihnachten feiern

Junta und Horst Viehmann (links) aus Fuldabrück mit Pflegedienstchef Sigmund Kühl.
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Haben in der Weihnachtszeit immer ein Plätzchen für den Pflegedienst übrig: Junta und Horst Viehmann (links) mit Pflegedienstchef Sigmund Kühl.

Während die meisten Menschen an Heiligabend gemeinsam mit der Familie unterm Tannenbaum sitzen und Geschenke auspacken, sind andere an der Arbeit. So auch viele Mitarbeiter der Pflegedienste.

Fuldabrück – Sigmund Kühl, Chef des gleichnamigen ambulanten Pflegedienstes in Dennhausen/Dittershausen, kann ein Lied davon singen. „Wir arbeiten an Weihnachten immer. Die Menschen brauchen uns genauso wie an anderen Tagen im Jahr.“

Sein Pflegedienst ist über Heiligabend und die darauffolgenden Feiertage mit der halben Truppe vertreten, damit die andere Hälfte frei nehmen kann. Manche Pflegeleistungen würden auch abgesagt, die übernehme dann die Familie – wenn eine da ist. Doch das seien so wenige, dass die Mitarbeiter auch am 24. Dezember sehr viel zu tun haben.

„Zeit für ein Schwätzchen haben wir eigentlich keine“, sagt Kühl, der seit 39 Jahren in dem Job arbeitet. „Eben weil nur die halbe Mannschaft arbeitet.“ Es komme aber trotzdem vor, dass man zum Essen eingeladen werde oder ein Plätzchen naschen soll. „Aber die Angebote müssen wir dann ausschlagen.“

Bei manchen Patienten merke man gar nicht, dass Weihnachten ist. „Da ist alles wie immer und auch keine Familie da. Das ist manchmal schon nicht so einfach, das so mitzubekommen“, sagt Kühl. Andere Patienten hätten aber durchaus Familie an den Feiertagen zu Besuch. „Da platzt man dann als Pflegedienst voll in die weihnachtlichen Abläufe rein.“ Das sei aber fast immer sehr nett. „Die Patienten sind am Weihnachtsabend meist entspannt und gut drauf.“

Die Spätschicht geht am 24. Dezember, wie auch an normalen Tagen, von 15.30 bis etwa 21.30 Uhr. „Der Mitarbeiter ist also leider den ganzen Weihnachtsnachmittag an der Arbeit“, erklärt Kühl. „Anders geht es nicht.“

In der Belegschaft sei das aber bisher jedes Jahr gut geregelt worden. „Wir nehmen natürlich Rücksicht auf Mitarbeiter, die zum Beispiel kleine Kinder zu Hause haben.“ Es gebe auch Angestellte, die überhaupt nichts mit Weihnachten am Hut hätten und die es dann gar nicht so schlimm fänden, arbeiten zu müssen. Unter anderem hat die stellvertretende Pflegedienstleiterin Nicole Kugler dieses Jahr an Heiligabend Dienst. „Ich habe mir wieder was Nettes ausgedacht“, sagt Kugler. „Vergangenes Jahr hatte ich mir eine blinkende Lichterkette um den Kopf gebunden. Das fanden die Patienten total klasse.“

Auch ein Mitbringsel gibt es immer als kleines Weihnachtsgeschenk für die Patienten. „Dieses Jahr haben wir LED-Kerzen besorgt“, sagt Kühl. Und andersrum gebe es auch immer etwas für den Pflegedienst. „Mal ein bisschen Geld für die Kaffeekasse oder Plätzchen.“

Insgesamt betreut der Pflegedienst Kühl 30 bis 40 Patienten. „An Heiligabend in der Spätschicht sind es dieses Jahr 13.“ Diese abzuarbeiten, sei auch gut machbar – „wenn keiner krank wird und wenn kein Notfall dazwischenkommt“, sagt Kühl. Beratungs- und Entlastungsarbeiten, wie es heißt, werden am 24. Dezember und an Feiertagen nicht angeboten. Darunter fallen zum Beispiel Gedächtnistraining, spazieren gehen, Gymnastik machen und hauswirtschaftliche Dienste.

Im Landkreis Kassel gibt es 67 ambulante Pflegedienste. Nur eine Handvoll Gemeinden haben eine eigene Pflegestation, die meisten sind privat geführt. (Theresa Novak)

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