Gemeinden appellieren an Hausbesitzer, nachzurüsten

Bei Starkregen: Rückstauklappen sollen vor nassen Kellern schützen

Eine Frau steht in einem gefliesten Kellerraum, der zentimeterhoch unter Wasser steht.
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Bei Starkregen kann Wasser übers Leitungsnetz ins Haus eindringen: Eine Rückstauklappe verhindert das. Die Klappe schließt sich, sobald das Wasser vom Kanalnetz in die Anschlussleitungen in das Haus drückt.

Starkregen hat in den vergangenen Wochen auch im Kreis Kassel für Gebäudeschäden gesorgt. In vielen Kellern und Garagen stand Wasser. Für Unwetterereignisse besser gewappnet sind Hausbesitzer mit eingebauten Rückstauklappen. Darauf weisen die Gemeinden Fuldabrück und Söhrewald hin.

Kreis Kassel – „Das Ortsrecht der Gemeinde enthält bereits seit Jahrzehnten die Verpflichtung, sich als Hauseigentümer selbst gegen Rückstau aus dem Kanal zu schützen“, sagt Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD). „Leider haben viele keine Rückstauklappen installiert, was sich bei dem Starkregen, der kürzlich den Ortsteil Bergshausen getroffen hat, gezeigt hat.“

Bei starken Niederfällen müsse mit Stau im Kanal und Rückstau in den Hausanschlussleitungen und Grundstücksentwässerungsleitungen gerechnet werden. Das rückstauende Abwasser trete dann zum Beispiel aus Waschbecken oder Toiletten, die unter der Rückstauebene liegen, in den Keller ein. „Das Kellergeschoss kann im Extremfall bis zur Rückstauebene (siehe Grafik) geflutet werden“, erklärt Lengemann.

Eine Rückstauklappe schließt sich, sobald das Wasser vom Kanalnetz in die Anschlussleitungen in das Haus drückt. Nur Ablaufstellen, die unterhalb der Rückstauebene liegen, müssten geschützt werden.

Laut Fuldabrücks Bauamtsleiter Benjamin Peter häufen sich die Ereignisse, in denen es durch Starkregen zu Schäden kommt. „Jeder Regen hat so seine Eigenarten, man kann nicht sagen, wo genau und in welchem Ausmaß Schäden entstehen können.“

Bei den zwei Starkregenereignissen kürzlich in Bergs- hausen sei beim ersten Mal der Bereich Eifelweg/Spessartweg betroffen gewesen, beim zweiten Mal knapp eine Woche später der Bereich Flughafenstraße/Sandbreiter Weg. „Das ganze war ein punktuelles Problem“, sagt Lengemann.

Achim Mihr wohnt an der Kasseler Straße in Bergshausen – früher ohne Rückstauklappe. „Ständig war der Keller nass, es war schlimm“, sagt er. Vor einigen Jahren ließ er dann eine Rückstauklappe einbauen. „Seitdem bleibt alles trocken, die Investition hat sich wirklich gelohnt.“

Das Kellergeschoss kann bei Starkregen im Extremfall bis zur Rückstauebene geflutet werden. Zum Schutz gibt es Rückstauklappen, die von Fachfirmen eingebaut werden können.

Günstig ist der Schutz aber nicht. „Eine elektrische Rückstauklappe kostet ungefähr 1500 Euro“, sagt Leo Zerr von der Firma Rotec in Fulda- brück. Die Gesamtkosten könne man pauschal nicht benennen, weil jedes Haus anders beschaffen sei. „Bei manchen ist es schwieriger, eine Rückstauklappe zu installieren, bei anderen ist es weniger Aufwand.“

Es gibt auch günstigere, mechanische Klappen. Doch laut Versicherungsmakler Knut Heinrich aus Dörnhagen gibt es Versicherungen, die den Einbau elektronischer Klappen vorschreiben. „Da muss man genau aufpassen“, sagt Heinrich.

Seiner Erfahrung nach gibt es nur sehr wenige Versicherungen, die nicht darauf achten, ob im Schadensfall eine Rückstauklappe im Haus eingebaut ist oder nicht. „Die meisten zahlen wirklich nur dann, wenn der Schutz ordnungsgemäß installiert und auch regelmäßig von einer Fachfirma gewartet wurde.“

Auch in der Gemeinde Söhrewald waren vollgelaufene Keller jüngst Thema. „Und die meisten Bürger haben so eine Rückstauklappe nicht“, sagt Bürgermeister Michael Steisel (SPD). „Das haben wir erst wieder festgestellt.“ Deshalb wolle die Gemeinde aufklären und bereite gerade eine Information dazu vor.

Von Theresa Novak

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