A44: „Lärm ist eine Zumutung“

Bauarbeiten an Bergshäuser Brücke halten Anwohner nachts wach

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Kann zurzeit nicht im Garten entspannen: Dana Kanstein ist Nachbarin der Bergshäuser Brücke. Wegen des Lärms, der von den Bauarbeiten kommt, kann sie auch nur schwer einschlafen.

Fuldabrück. Als stünde ein laufender Rasenmäher neben dem Bett, dazu immer wieder Schläge auf Metall – so beschreibt eine Anwohnerin den Lärm, der zurzeit von den Bauarbeiten an der Bergshäuser Brücke kommt.

Die 30-jährige Dana Kanstein wohnt neben der Brücke, ihr Haus liegt direkt an der Fulda. In ihrem schönen Garten mit Terrasse wollen sich Kanstein und ihr Lebensgefährte nach der Arbeit eigentlich entspannen und das schöne Wetter nutzen. Doch der Lärmpegel lässt sie nicht. „Es ist wirklich mittlerweile sehr schwer zu ertragen. Man schafft sich zu Hause eine Erholoase, aber momentan möchte man eigentlich nur noch flüchten.“

Auch im Haus ist der Lärm deutlich zu hören. „Eigentlich könnten wir die Fenster deshalb nachts nicht auflassen. Aber unser Schlafzimmer ist unter dem Dach, wir müssen bei der Wärme einfach lüften.“ Die Geräusche, die die Bauarbeiten verursachen, seien eine Zumutung. „Meiner Meinung nach ist das gesundheitsschädlich, bei uns im Haushalt haben schon alle Schlafstörungen. Wir können überhaupt nicht abschalten.“

Selbsttest mit Dezibelmesser: Wie laut ist es unter der Bergshäuser Brücke wirklich?

Kanstein ist auch über die Zeiträume verwundert, in denen es laut ist. „An einem Tag ist bis 17 Uhr Ruhe. Dann geht der Lärm los und hört oft bis Mitternacht nicht mehr auf.“ Kürzlich, an einem Samstag, dauerten die Arbeiten den ganzen Tag an, ebenfalls bis Mitternacht. „Durch die ständige Belästigung bin ich sehr dünnhäutig geworden. Das geht schon an die Psyche“, sagt die Fuldabrückerin, die in der Pflege arbeitet und auch Schichtdienste leistet. Die Straßenbaubehörde Hessen Mobil weiß von den Beschwerden der Anwohner. „Wir haben das zum Anlass genommen, die ausführende Firma aufzufordern, kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen, um den nächtlichen Lärmpegel zu reduzieren“, sagt Sprecher Horst Sinemus auf HNA-Anfrage. „Dazu haben wir die Firma um entsprechende Vorschriften gebeten.“

Video: So laut ist es unter der Bergshäuser Brücke an der A44

Die Arbeiten finden im Mehrschichtbetrieb statt und erstrecken sich über den gesamten Brückenbereich, erklärt Sinemus. Bisher sei der Lärmpegel nicht bestimmt worden, aber grundsätzlich gelte: „Werden die Richtlinien eingehalten, darf gebaut werden. Diese Werte unterscheiden sich, je nach Gebiet.“

Geplant ist, die Arbeiten an der Brücke bis Ende 2018 abzuschließen. Wann bis dahin an welchem Teil der Brücke gearbeitet wird, wo also auch die Lärmbelästigung steigt, liege in der Freiheit des Bauunternehmens, sagt Sinemus.

Dana Kanstein befürchtet jedenfalls, dass es im Laufe dieses Jahres noch schlimmer kommt: „Eine Anwohnerin war oben an der Brücke. Ihr wurde von einem Arbeiter dort gesagt, dass es im Herbst noch lauter werde.“ Damit könnte laut Hessen Mobil gemeint sein, dass im Verlauf der Arbeiten Autokräne eingesetzt werden, die während des Betriebs Motorlärm erzeugen. 

Bergshäuser Brücke: Neubau

Die Bergshäuser Brücke ist eine 700 Meter lange Stahlbrücke, die aus zwei getrennten Überbauten besteht (diese wurden 1962 beziehungsweise 1971 hergestellt). Derzeit werden die Längsrippen der Fahrbahnplatte durch zirka 4600 Stahlkonstruktionen verstärkt, die jeweils mit vier Passschrauben befestigt werden, erklärt Hessen Mobil-Sprecher Horst Sinemus. Die Bohrlöcher werden zunächst händisch markiert (gekörnt) und anschließend gebohrt. Zum Schluss wird die Stahlkonstruktion maschinell verschraubt. Die Bergshäuser Brücke ist marode und wird abgerissen. Zurzeit wird sie durch die Bauarbeiten so verstärkt, dass sie bis zum Neubau durchhält. Wann der Neubau kommt, ist noch unklar

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