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Bergshäuser Brücke: Zeitpunkt der Fertigstellung ist noch völlig offen

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Von: Boris Naumann

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Die Simulation zeigt die Bergshäuser Brücke, wie sie nach ihrer Fertigstellung aussehen könnte. Man sieht die Brücke aus der Vogelperspektive, unter ihr fließt die Fulda entlang, im Hintergrund ist Bergshausen zu sehen.
So könnte die Bergshäuser Brücke nach ihrer Fertigstellung aussehen: Die Simulation zeigt einen ersten Entwurf noch aus der Phase der Vorplanung mit Blick nach Norden. © Grafik: Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH

Die Frage, ob die alte Bergshäuser Brücke noch bis 2028 nutzbar sein wird, bewegt inzwischen auch die Politik in Berlin. Bis zu diesem Jahr soll die neue Bergshäuser Brücke fertig sein. Doch wird das gelingen?

Kreis Kassel – Obgleich die Planungen für die neue Bergs- häuser Brücke schon weit vorangeschritten sind, kann die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) noch keinen genauen Termin für die Fertigstellung der Brücke nennen.

„Der Fertigstellungstermin hängt von vielen Faktoren ab und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verbindlich benannt werden“, erklärt Deges-Sprecherin Pia Verheyen. Damit ist zumindest seitens der Planer noch nicht klar, ob die neue Brücke bis zum Jahr 2028 für den Verkehr freigegeben werden kann.

Das Jahr 2028 gilt als neuralgisches Datum: Nach der Sanierung der alten Fuldabrücke im Jahr 2019 war von Hessen Mobil (heute Autobahngesellschaft des Bundes) wiederholt mitgeteilt worden, die Brücke könne noch bis 2028 sicher für den Verkehr genutzt werden – nämlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem die neue Bergshäuser Brücke fertig sein wird.

Wie berichtet, liegt derzeit jedoch eine vom SPD-Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels angestoßene Anfrage beim Bundesverkehrsministerium vor, ob diese Einschätzung noch immer Bestand hat. Aktuell kursieren in Berlin Zweifel darüber, ob die Bergshäuser Brücke trotz Sanierung überhaupt noch bis 2028 halten wird. Eine Antwort seitens des Bundesverkehrsministers Volker Wissing (FDP) steht noch aus.

Doch auch wenn die Deges derzeit noch keinen verbindlichen Fertigstellungstermin benennen kann, lässt sich grob einschätzen, welcher Zeitrahmen noch erforderlich sein wird. Wie die Deges mitteilt, seien die Planungen schon so weit vorangekommen, dass noch im ersten Halbjahr 2022 die Genehmigung bei der Autobahngesellschaft des Bundes als Auftraggeberin des Projektes beantragt werden könne. „Das ist die Voraussetzung für die anschließende Beantragung der Planfeststellung“, sagt Verheyen. Somit könne die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens dann Anfang 2023 in den Stiel gestoßen werden.

Erfahrungsgemäß dauert solch eine Planfeststellung mit öffentlicher Beteiligung noch einmal mindestens ein Jahr, wahrscheinlicher aber anderthalb oder zwei Jahre. Am Ende steht dann der Planfeststellungsbeschluss mit geschaffenem Baurecht.

Dagegen kann aber wiederum geklagt werden, was den Baustart erneut um Jahre verzögern kann, wenn das angerufene Verwaltungsgericht den Klagen stattgibt und entsprechende Verfahren einleitet. Erst wenn diese Verfahren abgearbeitet und Urteile gesprochen sind, könnte mit dem Bau begonnen werden.

In diesem Worst-Case-Szenario würde die Realisierung der neuen Bergshäuser Brücke tatsächlich deutlich länger dauern als bis zum Jahr 2028. Aktuell rechnet die Deges mit einer reinen Bauzeit für das gesamte Bauwerk von etwa fünf Jahren. Anders gesagt: Im ungünstigsten Fall wäre die komplette Fuldaquerung erst im Zeitkorridor irgendwann zwischen 2031 und 2033 vollständig fertig.

Schneller könnte die Deges sein, wenn zunächst nur das Südbauwerk der neuen Bergshäuser Brücke in Angriff genommen werden würde. Tatsächlich hat die Deges das auch vor. Der Vorteil dabei: Wenigstens ein Teilbauwerk würde dann schon etwas früher fertig werden, sodass der komplette A 44-Verkehr bereits über das neue Bauwerk rollen könnte (mit zwei Spuren pro Richtung), während die alte Bergshäuser Brücke abgerissen und das zweite neue Teilbauwerk errichtet werden könnten.

Tatsächlich wird oft so verfahren – wie beim Neubau der A 7-Brücke über das Sinntal nahe der hessisch/bayerischen Landesgrenze. Die gesamte Bauzeit für die 755 Meter lange Brücke hatte über vier Jahre gedauert – von Mai 2009 bis Juli 2013. Doch bereits im Dezember 2012 – also nach gut dreieinhalb Jahren – war das erste Teilbauwerk fertig, sodass der Verkehr ungehindert vom Altbau auf das neue Bauwerk umgeleitet werden konnte.

Doch auch mit Blick auf diese Vorgehensweise kann die Deges noch keine genauen Zeitangaben machen. Der Grund: Es gibt noch keine Planungen zum Bauablauf.

Dabei könnte es gerade auf diese Weise noch gelingen, den Zeitplan bis 2028 einzuhalten – aber nur, wenn die Planfeststellung binnen eines Jahres abgearbeitet wird und dann keine Klagen gegen das Projekt folgen.

Bevor all diese Fakten nicht klar sind, bleibt unter dem Strich: Mit Blick auf die Fertigstellung der neuen Bergshäuser Brücke bleibt das Jahr 2028 nur ein theoretisches Datum.

Von Boris Naumann

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