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Gerichtsprozess: Fuldabrücker Brandstifter erinnert sich nicht an Tat

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Von: Theresa Novak

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Völlig zerstört wurde das Reihenhaus in Dörnhagen bei dem Brand am 4. Mai 2021. archiv
Völlig zerstört wurde das Reihenhaus in Dörnhagen bei dem Brand am 4. Mai 2021. © Michaela Pflug

„Ich habe nichts gegen die, das sind nette Leute.“ Das sagte der 64-jährige Angeklagte aus Fuldabrück über das Ehepaar, das im Mai vergangenen Jahres durch einen von ihm gelegten Brand nur knapp mit dem Leben davongekommen ist. Gestern fand der erste Tag des Prozesses vor dem Landgericht Kassel statt.

Fuldabrück – Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Zustand verminderter Schuldfähigkeit Benzin auf ein Grundstück eines Reihenmittelhauses in Dörnhagen in der Absicht verteilt zu haben, das Gebäude in Brand zu setzen. Dabei soll er zumindest billigend in Kauf genommen haben, dass Personen im Haus zu Tode kommen.

Im Anschluss an diese Tat soll der Angeklagte zu seinem ehemaligen Betreuer nach Guxhagen gefahren und an dessen Haus einen Benzinkanister entzündet haben. Sein ehemaliger Betreuer und dessen Frau blieben unverletzt, am Haus entstand außen ein Schaden, im Inneren nicht.

Nicht so viel Glück hatte das Dörnhagener Ehepaar. Sein Reihenhaus war nach dem Brand unbewohnbar und ist bis heute nicht wieder völlig instand gesetzt. Der 60-jährige Bewohner erlitt eine Rauchgasvergiftung. Er und seine Frau leiden bis heute an den Folgen der Tatnacht.

„Ich habe gedacht, hier komme ich nicht mehr lebend raus“, beschrieb der Ehemann seine Gedanken in der Nacht des Brandes. Bis heute habe er Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmacksinns und könne seine Arbeit als Braumeister nicht mehr ausführen.

Seine Frau und er befänden sich seit dem Brand in psychiatrischer Behandlung. „Es ist alles weg, was wir uns in 36 Jahren an Erinnerungen und anderen Gegenständen im Haus zugelegt haben. Es ist wirklich eine schlimme Sache.“

Die Opfer und der Angeklagte lebten im selben Ort und kennen sich. Doch ein mögliches Motiv ist am ersten Verhandlungstag nicht zutage getreten. „Wir hatten keine Probleme miteinander“, sagte das Ehepaar über seine Beziehung zum Angeklagten.

Dieser kann sich an seine Tat nicht mehr erinnern, wie er vor Gericht aussagte. Es habe auch keinen Grund dafür gegeben, dem Ehepaar, das damals nur etwa 500 Meter weit weg von ihm selbst wohnte, Schaden zuzufügen.

Trotzdem gab es keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte für die ihm vorgeworfenen Tat verantwortlich ist. „Wir stellen nicht in Abrede, dass mein Mandant die Taten, die ihm hier zur Last gelegt werden, begangen hat“, sagte der Verteidiger des 64-Jährigen. Außerdem war der Angeklagte auf der Überwachungskamera der Opfer aus Dörnhagen von einem Zeugen wiedererkannt worden.

„Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt möglicherweise schuldunfähig“, sagte der Verteidiger. „Wenn das so ist, kann er strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden.“

Der 64-Jährige habe in einer Lebenskrise gesteckt. Seine Frau sei gestorben, kurze Zeit später seine Katze. „Das hat ihm den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagte sein Verteidiger. Mehrere Aufenthalte in Merxhausen habe er bereits hinter sich.

Der nächste Verhandlungstermin ist am Freitag, 18. März, ab 9 Uhr in Saal E221. (Theresa Novak)

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