1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Fuldabrück

Bürgermeister Dieter Lengemann über Fuldabrücks Zukunft: „Wir haben starke Firmen“

Erstellt:

Von: Theresa Novak

Kommentare

In Sporthallen fühlt er sich wohl: Dieter Lengemann war selbst jahrelang aktiver Handballspieler und ist heute Vorsitzender der TSG Dittershausen. Der Verein hat fast 1000 Mitglieder.
In Sporthallen fühlt er sich wohl: Dieter Lengemann war selbst jahrelang aktiver Handballspieler und ist heute Vorsitzender der TSG Dittershausen. Der Verein hat fast 1000 Mitglieder. © theresa novak

Corona, Krieg und Inflation haben unser Leben durcheinandergewirbelt. Wir fragen nach den Herausforderungen. Heute: Dieter Lengemann (SPD) aus Fuldabrück.

Fuldabrück – Nach 18 Jahren steht bald ein Wechsel auf dem Chefsessel im Fuldabrücker Rathaus an. Doch bis es soweit ist, ist Bürgermeister Dieter Lengemann noch voll in alle Projekte der Gemeinde involviert. Im Interview spricht er über das, was Fuldabrück in diesem Jahr bewegen wird.

Herr Lengemann, Sie sind nur noch bis Juli Bürgermeister von Fuldabrück. Wie geht es Ihnen damit?

Alles hat mal ein Ende. Ich arbeite zwar sehr gerne für die Gemeinde Fuldabrück, aber man muss nur mal in meine Geburtsurkunde reinschauen, um meine Entscheidung nachvollziehen zu können. Im Falle eine Wiederwahl wäre ich nach der Amtsperiode 70 Jahre alt. Auch in unserer Verwaltung findet gerade ein Generationenwechsel statt. Da passt es irgendwie, dass bald neuer Wind im Rathaus weht.

Sie gelten als Politikprofi, kennen sich kommunal- und landespolitisch sehr gut aus. Welches Gefühl haben Sie dabei, die Geschicke der Gemeinde in zwangsläufig unerfahrenere Hände zu legen?

Dass man bei Antritt als Bürgermeister, wie ich, 27 Jahre kommunale Erfahrung mitbringt, ist ja nicht üblich. Also wird auch mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin mit weniger Erfahrung seinen oder ihren Weg gehen. Anfangs muss sich der- oder diejenige auf unsere gut funktionierende Verwaltung verlassen. Sie wird den oder die Kandidatin erst mal tragen. Wir haben gute und erfahrene Fachbereichsleiter, die unterstützen werden.

Natürlich ist es sehr hilfreich, wenn man in der Politik gut vernetzt ist und Kontakte hat. Mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin wird sich diese erarbeiten müssen.

Ihr letztes volles Jahr im Amt war geprägt vom Krieg in der Ukraine, Energiekrise und Inflation. Vor welche Herausforderungen hat Sie diese Situation als Bürgermeister gestellt?

Wir befinden uns nicht erst seit einem Jahr im Krisenmodus, sondern bereits seit 2008. Damals begann die Banken- und Wirtschaftskrise, 2015 kam die Flüchtlingskrise, wenige Jahre später Corona. Mit all dem mussten wir umgehen. Speziell die jetzige Situation hat uns als Gemeinde dazu gezwungen, bei Sanierungsprojekten umzudenken. So haben wir den Umbau des Bürgerhauses Kupferkanne in Denn-/Dittershausen erst mal eingeschränkt. Wir investieren in das Gebäude zwar immer noch Geld im laufenden Jahr, aber der ganz große Wurf ist erst mal nach hinten verschoben worden.

Was ist das wichtigste Projekt für Fuldabrück?

Da kann ich mich nicht auf eines festlegen. Die Erschließung des neuen Baugebiets in Denn-/Dittershausen, die Sanierung der Flughafenstraße in Bergshausen, der geplante Pumptrack – für all das sind die Grundsteine bereits gelegt oder wir sind schon weiter. Wichtige Projekte sind auch der geplante Neubau der Kita in Denn-/Dittershausen und die Ertüchtigung der Kläranlage.

Das Fuldabrücker Parlament war zuletzt nicht gerade von heftigen Debatten oder gar Streit geprägt. Woran liegt es, dass sich fraktionsübergreifend oft alle einig waren?

Entscheidungen werden bei uns sauber vorbereitet. Es werden sich intensiv Gedanken über die Themen gemacht und gut begründet, sodass auch fraktionsübergreifend oft eine gemeinsame Linie gefunden werden konnte. Ich bin froh, dass es in letzter Zeit so konstruktiv ablief, ich kenne das auch anders.

Die finanzielle Situation von Fuldabrück ist vergleichsweise gut. Denken Sie, das bleibt so?

Ja. Wir haben starke Firmen in Fuldabrück, die finanziell gut dastehen und der Gemeinde Gewerbesteuer auf einem guten Niveau einbringen. Das Güterverkehrszentrum Kassel bringt uns mittlerweile ebenfalls Einnahmen.

Bergshausen fällt hinter den anderen Fuldabrücker Ortsteilen ab und wird nicht genug beachtet. Diese Kritik hält sich seit Jahren. Was stehen dort im laufenden Jahr für Projekte an?

Die Kritik hört man immer wieder, aber sie stimmt nicht. Während meiner Amtszeit wurde die Fußgänger-Radfahrbrücke Neue Mühle eingeweiht, der Kindergarten in Bergshausen gebaut, der Spielplatz an der Röthestraße neu gemacht, der Ostring saniert, das Bürgerhaus in Bergshausen saniert, und das große Projekt Sporthallensanierung steht noch an. Außerdem wird aktuell die Flughafenstraße erneuert. Ich kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Bleiben wir in Bergshausen. Die Bergshäuser Brücke ist seit Jahren Sorgenkind, die Anwohner leiden unter der Lärmbelastung wegen des Verkehrs, herabfallenden Eisschollen im Winter und mit den Bauarbeiten einhergehenden Strapazen. Die Gemeinde konnte in der Vergangenheit wenig für die Anwohner tun. Warum?

Wir haben uns immer als Anwalt der Bürger gesehen und bei den zuständigen Stellen auf die Missstände hingewiesen. Unter anderem haben wir eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Brücke gefordert. Außerdem hat die Gemeinde die Bürgerinitiative Bergshäuser Brücke unterstützt und eine Lärmbox angeschafft. Aber Fakt ist, dass die Autobahn GmbH zuständig ist. Wir können nur Vorschläge machen und Hinweise geben, mehr nicht.

Was alle Ortsteile betrifft, sind Straßen. Wie sehen Sie Fuldabrück bei diesem Thema aufgestellt?

Es gibt natürlich auch in Fuldabrück schlechte Straßen. Als Beispiel fällt mir die Waldstraße in Dörnhagen ein. Aber Sanierungen sind nicht so einfach umzusetzen, wir müssen auch immer den Zustand der Kanal- und Wasserleitungen mitberücksichtigen. Und dann wird es schnell teuer. Die Sanierung der Flughafenstraße kostet uns zum Beispiel 5 Millionen Euro. Das Geld muss letztendlich der Bürger bezahlen.

Apropos Infrastruktur. Mit der guten geografischen Lage, Busanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten und Grundschulen ist Fuldabrück für junge Familien sehr interessant. Um den Bedarf zu decken, entsteht ein neues Baugebiet in Denn-/Dittershausen. Reicht das?

Das wird die Zukunft zeigen. Wir müssen aber auch einen Blick auf die innerörtliche Verdichtung werfen und als Gemeinde versuchen, freie Grundstücke für Neubauprojekte zu nutzen. Das geschieht gerade am alten Spielplatz an der Habichtswaldstraße. Dort entsteht neuer Wohnraum für Mieter und Eigentümer.

Dieses Jahr beginnt für Sie ein neuer Lebensabschnitt. Was haben Sie mit Ihrer freien Zeit vor?

Mir wird nicht langweilig. Ich bin ja noch als Vorsitzender bei der TSG Dittershausen aktiv und bleibe als Fraktionsvorsitzender der SPD im Landkreis auch der Politik treu. Die Arbeit in der Politik hat mir mein ganzes Leben Spaß gemacht, damit will ich nicht aufhören. (Theresa Novak)

Zur Person

Dieter Lengemann (63) ist in Dittershausen geboren und wuchs auch dort auf. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Ausbildung als Verwaltungsangestellter und studierte später an der Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden mit dem Abschluss Diplom Verwaltungswirt. Er war vor seiner Bürgermeistertätigkeit 27 Jahre beim Landkreis Kassel beschäftigt und dort im Gesundheitsamt, Jugendamt/Jugendbildungswerk, Kreistags-/Kreisausschussbüro, Zentralbereich und Fachbereich Schulen und Bauwesen tätig. Seit 2005 ist er Bürgermeister der Gemeinde Fuldabrück. Nebenamtlich ist er seit über 30 Jahren Dozent am Hessischen Verwaltungsschulverband im Fachgebiet Kommunalrecht. Der Sozialdemokrat ist seit 2006 Mitglied des Kreistages des Landkreises Kassel und ab 2014 auch Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. Er ist Mitglied in zahlreichen Fuldabrücker Vereinen und seit 39 Jahren Vorsitzender der TSG Dittershausen. Dort hat er auch viele Jahre Handball gespielt. Er wandert, reist und liest gern.

Auch interessant

Kommentare