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Charly fährt jetzt in den Himmel: Unternehmer Karl Fernau ist gestorben

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Von: Theresa Novak

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Eine seiner Leidenschaften waren Oldtimer: Das Bild ist 2012 entstanden und zeigt Karl Fernau mit seinem Ford Speedster. Der Wagen basiert auf einem originalen 1931er Ford A und wurde in Argentinien aus alten Originalteilen zusammengebaut. Archivfoto: Lothar koch
Eine seiner Leidenschaften waren Oldtimer: Das Bild ist 2012 entstanden und zeigt Karl Fernau mit seinem Ford Speedster. Der Wagen basiert auf einem originalen 1931er Ford A und wurde in Argentinien aus alten Originalteilen zusammengebaut. © Archivfoto: Lothar Koch

Karl Fernau aus Fuldabrück ist tot. Der den meisten als „Charly“ bekannte Unternehmer ist 92 Jahre alt geworden.

Fuldabrück – Mit 80 stand er noch auf Wasserskiern, mit 88 saß er das letzte Mal auf einem Pferd, und seine geliebten Oldtimer hat er noch fast bis zu seinem letzten Tag ausgefahren – Karl „Charly“ Fernau aus Fuldabrück liebte das Leben und wollte noch lange nicht gehen. Doch der den meisten Menschen durch seine über 40 Mode- und Bastelgeschäfte bekannte Unternehmer ist am 27.Oktober gestorben. Er ist 92 Jahre alt geworden.

Fernau war aber nicht nur durch seine Firma Charly’s Modetreff bekannt. Sein Lebensstil, seine Persönlichkeit und Extravaganz zogen viele Menschen an und bescherten ihm einen großen Freundes- und Bekanntenkreis weit über die Region hinaus.

Kreis Kassel: „Wir waren auf der ganzen Welt unterwegs“

Fernau hat seine Zeit bis zum Schluss ausgekostet. „Wir sind mindestens siebenmal im Jahr in den Urlaub gefahren“, sagt seine Frau Larisa Siegel. Erst vor wenigen Wochen ist das Paar von einer Reise zurückgekommen. „Wir waren auf der ganzen Welt unterwegs, er wollte alles sehen und alles wissen. Er war ein wunderbarer Mann. Ich wünsche jeder Frau so einen Partner an ihrer Seite.“

Am Sonntag vor knapp zwei Wochen hat das Ehepaar noch seinen Hochzeitstag gefeiert. Niemand, auch nicht die Familie, wusste, dass Charly Fernau und Larisa Siegel seit zwei Jahren verheiratet waren. „Er hat immer gesagt, das solle sein letzter Witz sein, wenn er mal stirbt. Das passt zu ihm, so war er.“

Vielen war Charly Fernau auch wegen seiner Leidenschaft für Oldtimer ein Begriff. Immer passend zum Fahrzeugtyp und Baujahr angezogen, gehörte der großgewachsene Mann zum Dorfbild. Jeder in seinem Wohnort Fuldabrück-Dörnhagen kannte ihn.

Karl Fernau aus dem Kreis Kassel ist tot: Textilversand im Wohnzimmer der Eltern gegründet

Fernau kommt ursprünglich aus Ulfen (Sontra, Werra-Meißner-Kreis). 1953 gründete er dort im Wohnzimmer seiner Eltern einen Textilversand und legte damit den Grundstein für seinen beruflichen Weg. Sein junges Unternehmen verlegte er nach kurzer Zeit nach Kassel und gründete kontinuierlich weitere Firmen wie Charly’s Modetreff, Charly’s Floh und Wäsche-Fernau. In den 70er-Jahren eröffnete er sein erstes Modegeschäft in Baunatal und beschäftige bald insgesamt 150 Mitarbeiter.

2016 meldete er mit Charly’s Modetreff Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt war er 86 Jahre alt. Für den geschäftlichen Niedergang machte er die immer größer werdende Konkurrenz aus dem Internet verantwortlich. So sagte er es damals unserer Zeitung.

Karl Fernau aus dem Kreis Kassel: Zu Lebzeiten sportlich unterwegs

Ganz aus der Geschäftswelt zurückziehen wollte sich Fernau aber auch im hohen Alter nicht. Seine Firma „Vermietung und Verpachtung“ besteht bis heute.

Zu seinen Mitarbeitern – es waren ausschließlich Frauen – konnte er auch sehr streng sein. „Karl machte immer klare Ansagen, aber das musste er als Chef auch“, sagt seine Ehefrau. „Zu Hause war er ganz anders.“ Neben seinen geschäftlichen Tätigkeiten war Fernau auch sportlich viel unterwegs – vor allem im Wasser und auf Pferden. 1959 wurde er Deutscher Vizemeister im Wasserski-Slalom und war später im Vorstand des Vereins Alt Kassel. Einige Jahre danach zog es ihn auf den Rücken der Pferde und in den Reitverein Kassel-Waldau. Das Vielseitigkeitsreiten übte er bis zu einem Alter aus, wo andere schon mit dem Rollator unterwegs sind.

Karl Fernau aus dem Kreis Kassel ist tot: „Glaube an die ewige Jugend“

„Dein Glaube an die ewige Jugend und die Verachtung und Verdrängung der eigenen Vergänglichkeit haben Dich dein ganzes Leben lang ausgemacht und angetrieben“, hieß es in der Laudatio einer guten Freundin zu Fernaus 90. Geburtstag.

Das kann seine Ehefrau bestätigen. „Er hatte noch Pläne, wollte seinen 100. Geburtstag erleben. Für ihn spielte sein Alter keine Rolle.“ Deshalb hat er auch mit 77 Jahren um Larisa Siegel geworben und sie dann auch bekommen. „Ich war erst skeptisch, wegen seines Alters. Aber am Ende hatten wir 15 wunderbare Jahre, über die ich sehr froh bin.“

Fernau hat einen Sohn aus früherer Ehe und eine ganz besondere Beziehung zu seiner Schwester Elisabeth, die noch in Ulfen lebt. „Die beiden waren ein Herz und eine Seele“, sagt seine Frau. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 3. November, ab 10 Uhr in der Kirche in Dörnhagen statt. (Theresa Novak)

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