„Dankbarer und befriedigender Job“

Früher war er Klinik-Manager, jetzt ist Dieter Morlock Hausarzt in Bergshausen

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Hat die Praxis von Dr. Withold Kietzmann in Bergshausen übernommen: Dr. Dieter Morlock ist seit April Hausarzt in dem Fuldabrücker Ortsteil.

Er war Klinikleiter und Dozent, jetzt ist Dr. Dieter Morlock Hausarzt in Fuldabrück-Bergshausen. Dort hat er eine Praxis übernommen.

Dr. Dieter Morlock ist im Laufe seines Berufslebens viel herumgekommen. Der Mediziner hat als Geschäftsführer Krankenhäuser geleitet, viele Jahre als Krankenhaus-Berater für verschiedene Firmen gearbeitet und war als Dozent tätig. Jetzt ist er sozusagen zur Ruhe gekommen, wie er sagt – Morlock hat die Praxis von Dr. Withold Kietzmann in Bergshausen übernommen und ist Hausarzt.

Bis zum vergangenen Jahr war Morlock Geschäftsführer von „pro homine“, einem Verbund von Gesundheits- und Senioreneinrichtungen in Wesel und Emmerich (Nordrhein-Westfalen) mit rund 2900 Mitarbeitern. Als Grund für die nur kurze Zeit als Geschäftsführer, nämlich 18 Monate, heißt es, dass grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Morlock und Aufsichtsrat unumgänglich gewesen seien. Streitpunkt soll die strategische Ausrichtung der zur „pro homine“ gehörenden Krankenhäuser gewesen sein. So trennte sich der Verbund von Morlock.

Seine tägliche Arbeit ist nun zwar eine ganz andere als die, die er jahrelang gewöhnt war. Doch der 55-Jährigen ist mit seiner Entscheidung für den Hausarztberuf sehr zufrieden. „Ich bin seit Langem mal wieder richtig ausgeglichen und finde, dass ich jetzt einen dankbaren und befriedigenden Job habe.“

Privat läuft es für den Facharzt für Allgemeinmedizin und für Chirurgie durch den Jobwechsel besser. „Ich genieße das Familienleben, kann mich mit Freunden treffen und zum Sport gehen – früher war das alles nur selten möglich.“ Denn im Management-Bereich seien die Arbeitswochen weitaus länger und die Arbeitsorte nicht unbedingt in der Nähe der Familie. „Ich möchte zum Beispiel an Weihnachten nicht irgendwo in der Weltgeschichte sein, sondern zu Hause.“

Morlock wohnt in Kassel und wäre auf der Suche nach einer Hausarztpraxis auch dort fündig geworden, sagt er. „Ich wollte aber nicht unbedingt meine Patienten morgens beim Bäcker treffen, deshalb waren mir Räume etwas weiter weg lieber.“ Die Praxis in Bergshausen bezeichnet der 55-Jährige auch deshalb als sehr gute Lösung. Außerdem sei sie in der Vergangenheit gut geführt worden, habe eine funktionierende Organisationsstruktur und sei auch technisch auf einem sehr guten Stand.

„Hier läuft alles papierlos, es gibt gar keine Patientenkarten oder Akten“, nennt Morlock ein Beispiel. An seinem Computer im Behandlungszimmer kann er außerdem genau sehen, welche Patienten im Wartezimmer sitzen und wie lange schon. „Wenn jemand länger als 15 Minuten wartet, leuchtet der Name rot auf, dann muss ich mich ein bisschen beeilen“, erklärt der Mediziner.

Morlock versorgt etwa 1200 bis 1500 Patienten im Quartal. Deshalb sind auch die umliegenden Hausärzte froh, dass die Praxis übergangslos vom Vorgänger übernommen wurde. „Diese Patienten würden sich sonst auf die anderen aufteilen müssen, das funktioniert nicht.“

Warum sich Morlock früher nicht für eine eigene Hausarztpraxis interessiert hat, begründete er mit den schlechten Bedingungen in der Vergangenheit, die mit einer Niederlassung einhergingen. „Anfang der 2000er-Jahre war eine Niederlassung sehr schwierig. Die Bedingungen sind heute viel besser, der Beruf des Hausarztes wird von der Politik jetzt viel mehr geschätzt, als früher.“

Trotzdem hat er der Tätigkeit als Arzt nie ganz abgeschworen. „Ich bin immer zwischendurch als Notarzt gefahren, habe Praxisvertretung gemacht und mich in der Medizin weiter fortgebildet.“ Deshalb sei ihm der Wechsel zum Hausarzt nicht schwergefallen. „Ich will meine Patienten gut versorgen, sie an die richtigen Stellen verweisen und schwere Krankheiten erkennen. Diese Aufgaben sehe ich als sehr erfüllend an.“

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