Vertritt für einige Monate einen Kollegen

Landarzt war zehn Jahre im Ruhestand: Jetzt arbeitet Doktor wieder in Guxhagen

+
Fühlt sich in seinem Kittel auch nach zehn Jahren im Ruhestand noch wohl: Dr. Gerhard Schröder war Landarzt in Dörnhagen und arbeitet zurzeit als Vertretungsarzt in Guxhagen.

Eigentlich wollte Dr. Gerhard Schröder nichts mehr mit Medizin zu tun haben. „Nach über 30 Jahren als Landarzt in Dörnhagen war es einfach genug“, sagt der 76-Jährige.

2008 hing er den Arztkittel also an den Nagel und genoss die nächsten Jahre seinen Ruhestand. Doch nun arbeitet Schröder wieder. 

Er übernimmt die Vertretung eines Kollegen im Nachbarort in Guxhagen, der aus gesundheitlichen Gründen für einige Monate ausfällt. Und das macht ihm viel Spaß – sogar so viel Spaß, dass er ein wenig traurig ist, wenn seine Zeit zurück im Beruf Ende Januar 2019 wieder endet.

Vertretungsarzt in Guxhagen 

Obwohl der Arzt seit einem Jahrzehnt keinen Patienten mehr behandelt hat, kommt er als Vertretungsarzt gut zurecht. „Ich wäre selbstkritisch genug, wenn ich merken würde, dass es einfach nicht geht“, sagt Schröder. Manchmal werde er zwar mit neuen Medikamenten konfrontiert, die ihm unbekannt seien, doch darüber könne man sich ja informieren. „Etwas Fachliches vergessen habe ich in all den Jahren jedenfalls nicht, und mir kribbelt es auch immer noch in den Fingern, wenn ich auf kompliziertere Krankheitsbilder treffe.“

Vieles im Beruf sei besser geworden, im Gegensatz zu früher. „In der jetzigen Praxis wird mir sehr viel von den Arzthelferinnen abgenommen, vor allem Papierkram.“ Die bürokratischen Aufgaben seien nämlich gerade in der letzten Zeit vor seinem Ruhestand immer mehr geworden. „Das hat mich sehr gestört“, sagt Schröder. „Ich habe unheimlich viel Zeit mit Formularen und Ähnlichem verplempert.“

Landarzt berichtet von 70-Stunden-Wochen

Der 76-Jährige arbeitet zurzeit etwa 15 Stunden in der Woche als Vertretung. Im Gegensatz zu seinem früheren Pensum ist das nicht viel. „70-Stunden-Wochen waren ganz normal, außerdem Nacht- und Wochenenddienste.“ Deshalb hat Schröder sich vor seinem Ruhestand auch Gedanken gemacht, wie er möglichst sanft in diesen eintreten kann. „Ich kenne Kollegen, die im Ruhestand verwahrlost sind. Das sollte mir nicht passieren. Ich habe nichtmal fünf Minuten ein Loch gefühlt, seit ich nicht mehr arbeite.“

Schröder hat nämlich nicht nur fünf Kinder und elf Enkel, mit denen er seine Zeit verbringt, sondern bildet sich auch weiter. Er war sieben Jahre lang Gasthörer an der Uni Kassel und hat Seminare im Fachbereich Religionspädagogik belegt. Vier Tage in der Woche fuhr der Mediziner in dieser Zeit zur Uni. „So war ich immer in Kontakt mit jungen Menschen und konnte an deren Denkweise teilnehmen, gleichzeitig aber auch meine Erfahrung einbringen. Und Prüfungen musste ich ja nicht machen, wenn ich keine Lust dazu hatte“, sagt er schmunzelnd.

Die Zeit an der Uni ist vorbei, die Zeit als Vertretungsarzt auch bald. Trotzdem wird Schröder nicht langweilig. „Ich mache gerade ein Hebräisch-Fernkurs. An der Uni ist mir das Vokabellernen schwergefallen, das ärgert mich immer noch.“ Außerdem ist er Wanderführer, nimmt an einem theologischen Gesprächskreis teil, geht regelmäßig ins Fitnessstudio und ist Prädikant in der evangelischen Kirche.

In Deutschland herrscht ein dramatischer Ärztemangel

Lesen Sie auch: Immer weniger Ärzte wollen sich auf dem Land niederlassen - Sterben Hausärzte aus? Mediziner sieht schwarz für Kreis Kassel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.