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Einblick in die Flüchtlingsunterkunft in Fuldabrück

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Von: Theresa Novak

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Etwas Privatsphäre verschaffen die Kabinen in der Flüchtlingsunterkunft in Fuldabrück den Menschen, die zurzeit aus der Ukraine in den Landkreis kommen.
Etwas Privatsphäre verschaffen die Kabinen in der Flüchtlingsunterkunft in Fuldabrück den Menschen, die zurzeit aus der Ukraine in den Landkreis kommen. © Theresa Novak

Täglich kommen Menschen aus der Ukraine auch im Landkreis Kassel an. In Sammelunterkünften müssen sie zunächst mit dem Nötigsten auskommen. Eindrücke aus der Einrichtung in Fuldabrück.

Fuldabrück – Betten, ein kleiner Tisch mit Stuhl, Steckdosen und ein Spind. Für die Privatsphäre gibt es Wände und an der offenen Seite einen Vorhang. So sieht eine Kabine in der Flüchtlingsunterkunft in Fuldabrück aus. Das Gebäude, eine Industriehalle an der Albert-Einstein-Straße, ist die zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine, die in den Landkreis Kassel kommen.

„Es ist und bleibt eine Notunterkunft“, sagt Vizelandrätin Silke Engler. „Wir tun hier aber unser Bestes, um den Aufenthalt für die geflüchteten Menschen erträglich zu machen.“

405 Betten gibt es in der Halle. Am Freitag waren 274 Schlafplätze belegt. Engler schätzt, dass etwa ein Drittel der Menschen schulpflichtige Kinder sind, ein Drittel jüngere Kinder und Babys und der Rest Frauen. Männer kommen selten, „wenn dann sind sie über 60 Jahre oder älter“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn.

Vizelandrätin Silke Engler (links) und Nicole Spangenberg sind täglich für die Geflüchteten im Einsatz.
Vizelandrätin Silke Engler (links) und Nicole Spangenberg sind täglich für die Geflüchteten im Einsatz. © Theresa Novak

Jeder Tag ist anders und birgt neue Herausforderungen für die Mitarbeiter vor Ort. Nicole Spangenberg, Fachdienstleiterin Asyl beim Landkreis, erzählt, wie es derzeit abläuft: „Die Menschen kommen zu jeder Tages- und Nachtzeit hierher und wollen registriert werden.“ Am Anfang seien über 1000 Registrierungen in einer Woche vorgenommen worden. „Mittlerweile vergeben wir auf der Homepage des Landkreises Termine, das hat sich schon ganz gut herumgesprochen. Zurzeit bearbeiten wir 35 Anträge pro Tag“, sagt Spangenberg.

Wer registriert ist, ist sofort über den Landkreis krankenversichert und bekommt Geld für Lebensmittel ausgezahlt. Pro Erwachsenem sind das 330 Euro im Monat. Ist der Monat schon vorangeschritten, verringert sich der Betrag dementsprechend. „Sobald die Menschen das Geld haben, gehen sie einkaufen und können sich mit frischen Lebensmitteln versorgen“, erklärt Spangenberg. Denn vor Ort gibt es nur Verpacktes. Spenden mit Eiern, Obst oder anderen frischen Sachen werden aus hygienischen Gründen nicht angenommen.

Beim Thema Obst gehe es um mögliche Sabotage. „Die Menschen hier sind sowieso sehr misstrauisch. Sie wollen sich selbst ihr Essen kaufen. Das bringt ihnen auch ein wenig Normalität zurück“, sagt Spangenberg. Die Lebensmittel werden dann in der Unterkunft zubereitet. Was man dafür an Geräten braucht, ist vor Ort.

In der Halle gibt es einen Bereich, der von den anderen separiert ist. „Für Corona-Infizierte und auch andere Erkrankte“, sagt Silke Engler. „Vor Kurzem gab es zum Beispiel einen Windpockenfall und auch Rotaviren sind vorgekommen.“ Die Flüchtlinge, die vor dem Ukraine-Krieg wöchentlich in Fuldabrück angekommen sind, haben schon bis zu einem Jahr in einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes gelebt, erklärt Engler. „Sie waren medizinisch untersucht und auf Corona getestet. Die Menschen, die jetzt hier ankommen, sind das nicht.“

Wenn eine Erkrankung auffalle, werde ein Arzt angerufen. „Die Geflüchteten bekommen ihre Rezepte ganz normal ausgestellt und können sich Medikamente holen. Bis der Krankenbehandlungsschein ausgestellt ist, vergehen zwar ein paar Tage. „Aber das ist unerheblich, denn jeder Arzt weiß, dass der Landkreis Kassel der Leistungsträger ist und für die Kosten aufkommt.“ In Zukunft soll es mehrmals pro Woche Arztsprechstunden in der Unterkunft geben.

Wie lange die Menschen in Fuldabrück bleiben, ist ganz unterschiedlich. „Manche kommen nachts und sind am nächsten Tag wieder weg, andere bleiben länger“, sagt Nicole Spangenberg. Von den Geflüchteten, die in der ersten Kriegswoche angekommen sind, sei aber niemand mehr da. Ziel ist es, eine Bleibe für längere Zeit zu finden. „Es gibt viele, die Wohnraum anbieten, die Hilfsbereitschaft ist groß.“ (Theresa Novak)

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