E-Sport-Trainer hat mit Spieler Umut Gültekin Titel gewonnen

Fuldabrücker Daniel Fehr ist Weltmeister an der Konsole

Größter Triumph bisher: Umut Gültekin (vorne) ist vor Kurzem Fifa-Weltmeister in Kopenhagen geworden. Trainer Daniel Fehr aus Fuldabrück ist im Hintergrund zu sehen.
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E-Sport-Trainer

Der Lebenslauf des Fuldabrückers Daniel Fehr (31) verlief erst recht klassisch: Schule, Ausbildung als Speditionskaufmann, mehrere Jahre Festanstellung bei einem Logistikunternehmen. Bis er sich entschloss, etwas ganz anderes zu machen – und heute ist er Weltmeister.

Fuldabrück/Kassel – Fehr ist E-Sport-Coach. Er trainiert professionelle Videospieler in der Fußballsimulation Fifa. Die Spielreihe gibt es seit 1993. Seitdem kommt jedes Jahr eine neue Ausgabe des Spiels, das man auf Konsolen sowie auch auf dem Computer online gegen andere spielen kann.

Fehr hat vier junge Spieler unter seiner Fittiche. Einer, der 19-jährige Umut Gültekin, hat jetzt die Fifa-Weltmeisterschaft in Kopenhagen gewonnen.

Das Preisgeld: 250 000 Dollar. So hohe Summen streicht Fehr als Coach nicht ein. „Ich muss schon noch arbeiten“, sagt er und lacht. „Aber die erfolgreichen Spieler haben ausgesorgt.“ Die bekämen nämlich nicht nur ihre Gewinne und Gehälter bezahlt, sondern machten durch ihre Bekanntheit und Reichweite auch Geld im Social-Media-Bereich als Werbeträger.

„Es ist schon irre, in welche Richtung sich das alles entwickelt hat“, sagt Fehr über seinen eigenen Werdegang. „Damals war ich einfach nicht glücklich in meinen Job und wollte etwas anderes machen.“ Eine Weiterbildung zum E-Sport-Manager habe dann den Grundstein für seine Karriere gelegt. Ehrenamtliche Arbeit in den E-Sport-Abteilungen des KSV Hessen Kassel und des KSV Baunatal nutzen ihm beim Kontakte knüpfen und beim Aufbauen eines Netzwerks.

Bis der entscheidende Anruf kam. „Mein heutiger Manager hatte das Potenzial in mir erkannt und mich gefragt, ob ich E-Sport-Trainer beim RB Leipzig sein will.“ Heute ist Fehr in der dritten Saison als Trainer. „Ich habe jetzt eine ganz andere Lebensqualität als früher. Ich mache das, was ich machen will und was mir Spaß macht, und kann mit jungen Menschen zusammenarbeiten und diese fördern und anleiten. Das ist toll.“

Jung sein ist im E-Sport-Bereich wichtig. „Das Reaktionsvermögen nimmt mit der Zeit ab. Und je älter man wird, desto verkopfter spielt man.“ Zwischen 16 und höchsten 30 sei man in einem guten Alter. „Jung, unbekümmert und natürlich talentiert sein, sind beste Voraussetzungen“, sagt Fehr.

Das kann der Fuldabrücker seinen Schützlingen nicht beibringen. Seine Aufgabe sei, Stärken und Schwächen der Spieler zu erkennen, sich anhand von Videoanalysen auf den Gegner vorzubereiten, Techniken zu trainieren und den jungen Spielern mentale Unterstützung zu leisten. Bei Fifa-Weltmeister Umut Gültekin hat er das geschafft. „Auf diesen Triumph bin ich sehr stolz.“

Fehrs Leben spielt sich den größten Teil der Woche in Kassel ab, wo er vor ein paar Jahren aus Dörnhagen hingezogen ist. Von Dienstag bis Donnerstag ist er während der Saison in Leipzig. Seinen Wohnort wechseln will er nicht. „Turniere finden überall statt und man wohnt in Kassel so zentral, dass die meisten Orte gut zu erreichen sind.“

Dass der E-Sport gar nicht so weit weg vom richtigen Sport ist, zeige auch, dass die meisten Spieler selbst schon auf dem Platz standen. Fehr zum Beispiel hat viele Jahre Fußball in Körle gespielt (Schwalm-Eder-Kreis) und ist auch heute noch interessiert an den Vereinen in der Region. „Ich schaue oft Handball bei der TSG Dittershausen und bin aktiv beim FC Südring. Ich weiß, wo ich herkomme, das werde ich auch nicht vergessen.“

Das ist E-Sport

Viele traditionelle Vereine haben mittlerweile eine eigene E-Sport-Abteilung, der KSV Hessen Kassel zum Beispiel seit 2019. Der Deutsche Olympische Sportbund hat den E-Sport noch nicht als Sportart eingestuft.

Laut Statista fand das bislang höchstdotierte E-Sports-Turnier der Welt im Jahr 2021 in Bukarest, Rumänien statt: Beim Dota-2-Turnier „The International 2021“ ging es um ein Gesamtpreisgeld von rund 40 Millionen US-Dollar.

Die Anzahl der Personen, die sich zumindest gelegentlich E-Sport-Events anschauen, belief sich im Jahr 2021 auf rund 489,5 Millionen weltweit. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Zuschauerzahl bei 435,7 Millionen gelegen hatte, entspricht dies einem Zuwachs um rund 12,4 Prozent. Für das Jahr 2025 wird eine Zuschauerzahl von 641 Millionen prognostiziert. (Theresa Novak)

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