„Es ist Zeit, an Jüngere zu übergeben“

Paar aus Fuldabrück übernimmt Traditionsbetrieb Grebe in Guxhagen

Hans Dieter Grebe (von links), seine Frau Antje und Geselle Marc Thomas mit André Gundlach (rechts) und seiner Frau Nina im Betrieb Hans Grebe in Guxhagen.
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Neues Kapitel für Guxhagener Firma: Hans Dieter Grebe (von links), seine Frau Antje und Geselle Marc Thomas haben viel Zeit und Herzblut in den Betrieb gesteckt. Jetzt übernehmen André Gundlach (rechts) und seine Frau Nina. Geselle Thomas bleibt der Firma weiter erhalten.

Selbstständig sein, die alleinige Verantwortung für einen Betrieb übernehmen, kein geregelter Feierabend – für viele junge Menschen sind das keine attraktiven Arbeitsbedingungen. Deshalb gestalten sich Betriebsübernahmen laut der Handwerkskammer Kassel auch oft nicht einfach.

Fuldabrück/Guxhagen – Gut klappen wird eine Übernahme aber jetzt bei dem Traditionsbetrieb von Hans Grebe in Guxhagen, der seit 1900 besteht: Die Fuldabrücker André Gundlach und seine Frau Nina (beide 33) übernehmen das Geschäft zum 1. Januar nächsten Jahres.

Hans Dieter Grebe und André Gundlach kennen sich schon seit mehreren Jahren und haben bereits eine Geschäftsbeziehung. „Nach 46 Berufsjahren ist es jetzt an der Zeit, an Jüngere, Dynamischere zu übergeben“, sagt Grebe, der den Guxhagener Sanitär- und Installationsbetrieb bereits in vierter Generation führt.

Der Installateur- und Heizungsbaumeister hat innerhalb der Familie keinen Nachfolger – seine Tochter arbeitet in Kiel „und kommt auch nicht mehr zurück“, sagt der 60-Jährige. Deshalb sei er seit einigen Jahren auf der Suche. „Ich hätte die Geschäftsräume natürlich auch einfach verkaufen können. Aber ich wollte meine Kunden nicht im Stich lassen, die mir teilweise seit Jahrzehnten die Treue halten.“ Auch nicht im Stich lassen will Hans Dieter Grebe seinen Gesellen. Marc Thomas wird von Gundlach ebenfalls übernommen.

„Dazu gibt es noch eine voll ausgestattete Werkstatt auf aktuellem Stand, Fahrzeuge und die Geschäftsräume“, sagt Grebe. „Ich bin froh, das alles nun in guten Händen zu wissen.“

André Gundlach arbeitet seit 15 Jahren in dem Beruf, ist ebenfalls  Installateur- und Heizungsbaumeister und hat sich erst im Mai selbstständig gemacht. Unter seine eigene Firma werde er Ende des Jahres dann „einen Strich“ machen und sich voll auf den Betrieb Hans Grebe konzentrieren. Der Name bleibt, ebenso die Telefonnummer und die Adresse.

Gundlachs Entscheidung, einen Traditionsbetrieb zu übernehmen, war eine gut durchdachte: „Das Geschäft ist bodenständig, etabliert und hat einen Namen in der Region“, sagt der 33-Jährige. „Es ist nicht irgendein Betrieb, der schnell da war, aber vielleicht auch genauso schnell wieder weg ist.“

Dass „das Telefon nicht rappelt“, sei bei so einem Schritt immer eine Befürchtung, aber in den vergangenen Monaten habe sich schon herausgestellt, dass die Übernahme für Gundlachs eher viel als wenig Arbeit bedeuten werde.

Hans Dieter Grebe hatte sich in den vergangenen Jahren auf das Bauen von Bädern konzentriert. Gundlachs Standbein war bisher eher der Heizungsbau. „Ich kann aber auch gute Bäder machen“, sagt er. Kunden könnten sich also in beiden Bereichen auf ihn verlassen.

Den Betrieb an der Brückenstraße in Guxhagen gibt es seit fast 122 Jahren. Er ist vom Urgroßvater Hans Dieter Grebes gegründet worden.

Das sagt die Handwerkskammer Kassel

„Eine gelungene Nachfolgeregelung ist im Handwerk nicht immer ganz einfach“, sagt Barbara Scholz, Pressesprecherin der Handwerkskammer Kassel. „Es stehen bis 2026 in Nord-, Ost- und Mittelhessen, dem Bezirk der Handwerkskammer Kassel, 2300 Betriebe aus Altersgründen zur Übergabe an. Auch deshalb beschäftigt sich ein Berater im Team der Betriebsberatung der Kammer ausschließlich mit diesem Thema.“

Die Gründe für die Schwierigkeiten, einen geeigneten Nachfolger zu finden, seien vielfältig. So spiele die demografische Entwicklung eine wichtige Rolle. Aber auch die hohe Studierneigung junger Menschen sowie die Tatsache, dass eine Selbstständigkeit für Jugendliche oft kein attraktives Berufsziel ist, seien zu nennen. Diese Entwicklung werde von einem Arbeitsmarkt verstärkt, auf dem gut ausgebildete Fachkräfte gesucht sind.

„Das heißt, viele junge Menschen kennen eher die hohe Arbeitsbelastung und die Risiken der Selbstständigkeit, und wissen zu wenig über die Freude an der Verantwortung“, sagt Scholz.

„Hinzu kommt eine mittlerweile überbordende Bürokratie. Denn der immense Aufwand, den Unternehmer heute allein für die Dokumentation der Einhaltung von Regelungen und Verordnungen treiben müssen, statt sich um ihr Kerngeschäft kümmern zu können, schreckt immer wieder junge Menschen ab, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen“, erklärt Frank Dittmar, Präsident der Handwerkskammer Kassel. Er fordert deshalb von der neuen Bundesregierung einen konsequenten Abbau der Bürokratie. (Theresa Novak)

Ansprechpartner in der Handwerkskammer in Sachen Betriebsnachfolge ist Dittmar Manns, Tel. 05 61/ 78 88-1 29, dittmar.manns@hwk-kassel.de

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