Krach sei nicht zumutbar

Kein Schlaf dank Baulärm: Anwohner bei Bergshäuser Brücke beschweren sich

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Sorgt für Ärger: Die Bergshäuser Brücke wird zurzeit saniert, weil sie der Verkehrsbelastung nicht mehr ewig standhält. Der Lärm in Zusammenhang mit den Arbeiten belastet die Anwohner.

Fuldabrück. Wieder gibt es Ärger um die Bergshäuser Brücke: Der Baulärm durch die nächtlichen Arbeiten bringt die Anwohner um ihre Ruhe.

Nach unserem Bericht, in dem sich eine 30-jährige Fuldabrückerin über massive Lärmbelästigung auch abends und in der Nacht in Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten beschwert hatte, haben sich nun weitere Anwohner gemeldet. Einer von ihnen ist Axel Beuschel.

„Die ganze Familie hat Schlafstörungen“, sagt er und seine Frau Sonja ergänzt: „Das hat zur Folge, dass wir tagsüber nicht belastbar und schwach sind, uns nicht konzentrieren können und Kopfschmerzen haben.“ Die gemeinsame Tochter sei von dem nächtlichen Lärm so beeinträchtigt, dass sie regelmäßig auswärts übernachte.

Besonders störend ist laut den Beuschels unter anderem ein sogenannter Transportkorb, der mehrmals am Tag von einer Seite der Bergshäuser Brücke zu anderen fährt und dabei quietscht. „Das muss doch technisch heute anders möglich sein“, sagt Sonja Beuschel, deren Heim auch ihr Elternhaus ist. „Ich kenne diese Körbe noch aus meiner Kindheit, da gibt es doch heute sicher andere Varianten für.“

Ebenfalls sehr laut sei ein Generator, der die ganze Zeit laufe und sich anhöre „als hätte man ständig einen Rasenmäher direkt neben sich“. Dazu komme noch der eigentliche Baulärm, also das Schlagen, Klopfen, Schleifen und Bohren. „Der Lärm für uns Anwohner ist nicht zumutbar“, sagt Axel Beuschel. „Manchmal ist es bis nachts halb zwei so laut, sodass wir überhaupt nicht in den Schlaf finden.“

Als Grund, warum es so laut ist, vermutet die Familie eine fehlende Schallschutzschürze, die ihres Wissens nach an der Baustelle angebracht sein müsste, um den Krach zu mindern. „Ich denke, es wird wegen der Hitze keine benutzt“, sagt Axel Beuschel. Das könne er sogar gut verstehen. „Die Arbeiter sind wegen der hohen Temperaturen sicher stark belastet und haben es nicht leicht. Meiner Meinung nach sollten Baustellen bei so extremen Wetterlagen ruhen, genauso wie sie es im Winter tun, wenn es zu kalt ist.“

Neben dem Lärm berichten mehrere Anwohner auch von Schmutz, der von der Baustelle auf Häuser, Wäsche und in Gärten gelange. „Wir haben so eine Art Sandschicht auf den Fenstern und Geländern“, sagt Sonja Beuschel. „Wenn es irgendwann regnet, wird uns der Schmutz an der Hausfassade herunterlaufen.“

Monika Kaiser, die ebenfalls in der Nähe der Brücke wohnt, hat „sogar schon Metallspäne von der Schleifhexe“ auf ihrem Grundstück gesichtet. „Wenn es regnet, wird das Rostflecken geben“, befürchtet sie. Auch sie habe sich bereits mehrmals an der Baustelle direkt und bei der Straßenbaubehörde Hessen Mobil über den Lärm und Schmutz beschwert.

Das sagt Hessen Mobil: 

Nach mehren Beschwerden und dem ersten Bericht über den Sanierungslärm in der HNA hat Hessen Mobil „die ausführende Firma aufgefordert, den nächtlichen Lärmpegel zu reduzieren“, sagt Behördensprecher Horst Sinemus. Die Firma habe sich intensiv bemüht, den Lärm weiter zu reduzieren. So habe sie beispielsweise ihre Arbeitsabläufe geändert und „lärmintensivere Arbeiten“ in die Tagschicht verlegt. Im Zuge dessen werde auch geprüft, ob auf Nachtarbeit verzichtet werden kann und mit welchen Konsequenzen dies für den weiteren Bauablauf verbunden ist. Ferner würden leisere Werkzeuge wie zum Beispiel Gummihämmer verwendet und das Anziehen der Schrauben erfolge per Hand und nicht mehr mit einem Elektroschrauber. Es werde auch geprüft, ob das Stromaggregat durch eine zusätzliche Ummantelung weiter gedämmt werden kann. Auf den Einsatz der Transportkörbe könne nicht verzichtet werden, die Wagen seien für die Arbeit und Logistik zwingend erforderlich. Für die Verschmutzungen habe die Baufirma keine Erklärung. „Die Arbeiten umfassen im Wesentlichen das Bohren von Löchern, hierbei können unter Umständen Stahlspäne herunterfallen“, sagt Sinemus. 

Marode Brücke soll abgerissen werden

Die Bergshäuser Brücke ist eine 700 Meter lange Stahlbrücke, die aus zwei getrennten Überbauten besteht (diese wurden 1962 beziehungsweise 1971 hergestellt). Derzeit werden die Längsrippen der Fahrbahnplatte durch zirka 4600 Stahlkonstruktionen verstärkt, die jeweils mit vier Passschrauben befestigt werden, erklärt Hessen Mobil-Sprecher Horst Sinemus. Die Bohrlöcher werden zunächst händisch markiert (gekörnt) und anschließend gebohrt. Zum Schluss wird die Stahlkonstruktion maschinell verschraubt. Die Bergshäuser Brücke ist marode und wird abgerissen. Zurzeit wird sie durch die Bauarbeiten so verstärkt, dass sie bis zum Neubau durchhält. Wann der Neubau kommt, ist noch unklar.

Archivvideo: So laut ist die Brücke ohne Bauarbeiten

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