Im Seniorenzentrum sehr beliebt

Von der Panflöte zur Pflege: Peruaner war Musiker, jetzt arbeitet er im Altenheim 

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Er ist der beliebteste Pfleger , sagen einige Bewohner: Elli Götte (links) und Gerda Barttlingck freuen sich, wenn sich der Peruaner Mauro Kördel um sie kümmert. 

Fuldabrück. Den Großteil seines Lebens hat Mauro Kördel der Musik gewidmet. In seinem Heimatland Peru war er Mitglied einer Band. Seit sechs Jahren arbeitet er nun in einem Altenheim.

Wenn Mauro Kördel den Raum betritt, fangen die Gesichter der Bewohner des Awo-Altenzentrums in Dörnhagen an zu strahlen. „Wir haben uns vom ersten Tag an gut verstanden, er ist hier der beliebteste Pfleger“, sagt Elli Götte (87), die seit Oktober in dem Altenheim lebt. Ihre Zimmernachbarin Gerda Barttlingck (98) kann da nur zustimmen: „Wir freuen uns immer, wenn Mauro da ist, er kümmert sich so toll um uns.“

Dabei hat Kördel diesen Job erst verhältnismäßig spät ergriffen. Den Großteil seines Lebens hat der heute 52-Jährige der Musik gewidmet. In Peru, seinem Heimatland, war er viele Jahre Mitglied einer Band, die traditionelle Stücke spielte. „Ich war Frontsänger und habe Panflöte gespielt. Insgesamt habe ich 20 Jahre lang Musik gemacht und auch davon gelebt.“

1998 verschlug es Kördel nach Deutschland, wo er weiter seiner Leidenschaft nachging und Teil einer Band war. „Ich lebte in Hamburg, konnte kein Deutsch und wusste nicht, was eine Heizung ist“, erinnert er sich. „Diese Umstellung war lange Zeit sehr schwierig für mich.“ Bei einem seiner Auftritte lernte Kördel dann seine zukünftige Frau kennen, die gerade zu Besuch in Hamburg war, aber in Albshausen im Schwalm-Eder-Kreis lebte. Der Umzug aufs Dorf war dann eine noch größere Umstellung. „Ich war ein Stadtkind, Kassel war für mich schon sehr klein. Aber aufs Dorf ziehen, das konnte ich mir damals nicht vorstellen.“ Der Liebe wegen hat er es dann aber doch getan. „Ich habe 20 Jahre gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, aber jetzt finde ich es toll“, sagt Kördel.

Mitglied einer Band zu sein, habe nicht zu seinem neuen Leben gepasst. „Meine Frau und ich bekamen Kinder, mit dem Umherreisen war das schlecht zu vereinbaren.“ Ohne Reisen funktionierte der Job nicht mehr. „Wir haben zwar auch zum Beispiel in der Kassel Königsstraße gespielt, aber bei solchen Auftritten geht es darum, bekannter und bestenfalls gebucht zu werden. Und diese Auftritte können dann überall sein.“ Das Geld, welches Passanten ab und zu in den Gitarrenkoffer warfen, sei nur Trinkgeld gewesen. „Davon kann ja keiner leben, das haben wir dann abends zum Essen gehen benutzt.“

Kein einfacher Job im Altenheim 

Da Kördel aber immer ein Familienmensch war, lag die Entscheidung gegen das Leben als Musiker und für Frau und Kinder für ihn auf der Hand – und es musste ein neuer Job her. „Ich kann sehr gut mit Menschen umgehen und respektiere die Älteren, also ist die Altenpflege genau richtig für mich.“

Bevor er in Dörnhagen im Awo-Zentrum anfing, hat er in Malsfeld gearbeitet – meistens nachts. Doch als seine Frau aufgrund einer Krankheit starb, war er mit den Kindern allein. „Ich musste nachts arbeiten, dann meine kleine Tochter für die Schule fertig machen und ja auch nach der Schule für sie da sein. Das ging auf Dauer nicht mehr, ich war sehr müde.“ In Dörnhagen hat er dann vor sechs Jahren einen Arbeitsplatz gefunden, bei dem ihm die Zeiten besser passen.

„Ich fühle mich sehr wohl hier und mache meinen Job unheimlich gern.“ Dass er so gut bei den Bewohnern des Heims ankommt, sei dem natürlich zuträglich. „Da kommt der Hübsche“ ist zum Beispiel ein Satz, den Kördel immer mal während der Arbeit hört. Von seinem vollen Haar und seiner dunklen Haut sind einige ältere Damen besonders angetan.

Doch nicht immer ist der Job einfach und schön. „Manchmal bin ich fix und fertig. Man bekommt hier so viele Schicksale, Geschichten und Sorgen mit, das ist schon eine psychische Belastung.“ Doch Kördel sieht die Sache so: „Hier ist oft die letzte Station für die Älteren, man sollte ihnen die Zeit so schön machen, wie es geht. Immer lieb zu den Menschen sein, das ist mir wichtig.“

Die Musik hat Kördel bei all dem nie vergessen. „Ich vermisse sie immer noch. Manchmal bringe ich meine Panflöte mit ins Heim und spiele den Menschen vor. Das macht mir Spaß und die Bewohner freuen sich darüber.“

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