Tiere fliegen dieses Jahr später

Fuldabrücker Freundinnen beobachten Schwärme von Junikäfern

Monika Feldner und Jutta Weimann aus Fuldabrück haben in den Abendstunden immer wieder Besuch von Käferschwärmen.
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Im Kirschbaum ist der Junikäfer abends zu sehen: (von links) Monika Feldner und Jutta Weimann aus Fuldabrück haben in den Abendstunden immer wieder Besuch von Käferschwärmen.

Immer, wenn es anfängt zu dämmern, beginnt vor dem Balkon von Jutta Weimann seit Kurzem ein kleines Naturschauspiel. Es brummt und schwirrt um ihren Kirschbaum herum, Junikäfer sind im Schwarm unterwegs. Doch, dass es so viele sind, überrascht die Rentnerin aus Dittershausen.

Fuldabrück – „Wenn es dann dunkel ist, sind sie alle wieder weg.“ Auch ihre Freundin Monika Feldner aus Dörnhagen beobachtet seit Tagen beim Blumengießen einen Schwarm von Junikäfern in ihrem Garten. „Ich kann die Uhr danach stellen“, sagt die 73-Jährige. Immer gegen halb 10 abends tauchten die kleinen Käfer auf. „Dann schwirren sie eine halbe Stunde herum und dann ist die Show vorbei“, sagt sie.

Hunderte von ihnen beobachtet Jutta Weimann abends vom Balkon aus: Junikäfer.

Der Junikäfer, das hat Jutta Weimann nachgeschlagen, ist kleiner als sein Verwandter, der Maikäfer. Maikäfer haben die beiden Freundinnen schon als Kind beobachtet und in Schuhkartons mit Blättern gefangen, „oder an die Hühner verfüttert“, erinnert sich Monika Feldner. Auch Junikäfer kennen sie, haben das Schauspiel in dieser Größe aber noch nie erlebt. Mit ihrem Enkel zusammen hat Monika Feldner sich einen Käfer mal genauer angeschaut. „Das fand ich faszinierend.“

Dabei seien die kleinen Tiere, die zur Familie der Blatthornkäfer gehören, auch nicht scheu. „Ich sitze abends zum Lesen auf dem Balkon und wurde bombardiert“, sagt Jutta Weimann schmunzelnd. Und so ganz koordiniert sei der Flug der Käfer nicht: Manche knallten gegen das Fenster oder flögen in ihre Haare.

Dass die Junikäfer, die nur ein paar Wochen alt werden, auch an den Blättern ihres Kirschbaums herumfressen, stört Jutta Weimann nicht: „Davon gibt es ja genug.“

Mittlerweile hat sie auch nachgeschlagen, dass die Käfer jahrelang als Larve in der Erde leben. Sie vermutet, dass auch einige davon vor ihrem Haus vergraben waren. Denn als sie für eine Blühwiese die Grasnarbe abgetragen hat, waren darin viele weiße Engerlinge, also Käferlarven, zu sehen.

Das Naturschauspiel, das die Freundinnen nun schon seit über einer Woche beobachten, könnte nun jeden Tag zu Ende gehen. Und das liegt nicht nur daran, dass bald Juli ist. Denn die Tiere fliegen zur Paarung – das Männchen stirbt danach, das Weibchen lebt nur noch, um die Eier abzulegen.

Aber Jutta Weimann hat in ihrem Garten noch einen anderen Käfer zum Bestaunen gefunden: den Rosenkäfer – und auch der ist mit dem Junikäfer verwandt.“

Dr. Kai Füldner: „Der Junikäfer ist ein sympathisches kleines Kerlchen“

Wann tritt der Junikäfer im Schwarm auf?

Unter dem Begriff Junikäfer sind mehrere Arten zusammengefasst. Er ist mit dem Maikäfer verwandt, sie ähneln sich im Verhalten. Sie fressen als Larven unterirdisch Wurzeln. Als Käfer treten sie nur zwei bis drei Wochen geballt auf. In diesem Jahr ist der Junikäfer etwas später dran, weil das Frühjahr so kalt war. Die Käfer sind lichtgesteuert, in der Dämmerung geht es los. Sie fliegen, um einen Partner zu finden. In einem Schwarm haben sie eine größere Auswahl. Nach der Paarung gehen sie wieder getrennte Wege.

Was ist das Besondere am Junikäfer?

Es ist ein Tier, das uns eher erfreut als ärgert, ein sympathisches kleines Kerlchen und eine vergleichsweise harmlose Art. Insekten legen immer ein paar Hundert Eier, in dem Wissen, dass 99 Prozent nicht überleben. Wenn dann doch einmal mehr schlüpfen, kommt es zur Massenpopulation. Larven schlüpfen zwar jedes Jahr, aber eine Häufung von Junikäfern tritt nur alle zwei bis drei Jahre auf. Dabei spielt das Wetter eine große Rolle.

Ist der Junikäfer bedroht?

Der Junikäfer wird immer Nischen finden. Es ist eine Art, die sich in Kleinstrukturen wie Parks und Gärten halten kann, auch am Stadtrand. Außerdem wird sie nicht bekämpft. Sie ist zwar nicht mehr so häufig wie vor 50 Jahren, weil Gärten und die Landwirtschaft sehr steril geworden sind. Aber auch kleine Lebensräume, wie naturnahe Gärten, helfen dem Junikäfer. Insekten reagieren recht schnell darauf.

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