Auch andere Kommunen wollen Messgeräte kaufen

Fuldabrücker messen Lärm an Bergshäuser Brücke selbst

Wollen ganz genau wissen, wie laut es ist: Burkhardt Kipping (links) und Joachim Gries von der BI „Ruhe über Bergshausen“ mit der Smartbox auf Gries’ Balkon in Bergshausen. Im Hintergrund die Bergshäuser Brücke.
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Wollen ganz genau wissen, wie laut es ist: Burkhardt Kipping (links) und Joachim Gries von der BI „Ruhe über Bergshausen“ mit der Smartbox auf Gries’ Balkon in Bergshausen. Im Hintergrund die Bergshäuser Brücke.

Wie laut ist es an meinem Wohnort wirklich? Das ist eine Frage, die viele Bürger, Initiativen und Verwaltungen im Landkreis beschäftigt. In Fuldabrück ist man dem Lärm jetzt noch genauer auf der Spur.

Fuldabrück – Denn die Gemeinde Fuldabrück hat eine Smartbox angeschafft. Ein solches Messgerät planen auch weitere Kommunen im Kreis zu erwerben, etwa Schauenburg und Baunatal.

Die Anschaffung geht auf Bemühungen der Bürgerinitiative „Ruhe über Bergshausen“ zurück. „Es ist gut, dass das jetzt geklappt hat“, sagt Joachim Gries von der BI und freut sich, dass die Gemeinde jetzt mit ihnen an einem Strang zieht. Auf Gries’ Balkon wird die Box nun in den nächsten Monaten messen. Die BI kritisiert die Methode mit der Behörden und Ministerien den Lärmpegel bestimmen. Denn um zu wissen, wie laut eine Autobahn ist, wird der Lärm berechnet. Als Basis für die Berechnung wird gezählt, wie viele Autos auf der Straße unterwegs sind. Diese Verkehrszählung findet laut Hessen Mobil alle fünf Jahre statt. Für 2020 war eine solche angedacht, wurde aber verschoben, um keine durch die Coronapandemie verfälschte Situation festzuhalten.

„Die Berechnung berücksichtigt Faktoren wie Schäden an der Brücke, Wetter oder Stau nicht“, erklärt Gries. Es sei auch von Vorteil, dass nun über längere Zeit gemessen wird und die Box auch die Feinstaubbelastung zeigen kann. Einen Haken allerdings gibt es und dessen ist sich die BI auch bewusst. Die Box sammelt Daten. Das heißt aber nicht, dass Behörden und Ministerien handeln müssen oder ein Rechtsanspruch auf Prüfung entsteht. „Vielmehr geht es uns darum, zu zeigen wie hoch die Lärmbelastung ist und Argumente für eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Brücke zu bekommen“, so Gries.

„Mit dem Ergebnis der Messungen müssen wir dann wieder beim Verkehrsministerium vorstellig werden“, sagt auch Landtagsabgeordnete Manuela Strube (SPD).

„Wir liefern nur die Rohdaten. Diese dienen dazu, zu entscheiden, hier an diesem Ort zu dieser Zeit macht es Sinn einen Gutachter anzuheuern und eine justiziable Messung durchzuführen“, erklärt E-Sensio-Geschäftsführer Johannes Schick. Eine entsprechende Zertifizierung und Abnahme nach DIN-Norm sei aufwendig und teuer. „Das würde den Preis der Geräte nach oben treiben und wäre unserer Idee, ein flächendeckendes Netz von Messstellen an Orten in ganz Deutschland aufzubauen, nicht zuträglich.“ So müsse die Gemeinde Fuldabrück 1500 Euro zahlen, statt etwa dem zehnfachen für eine zertifizierte Box. „Wir wollen die Bürgerinitiative bei ihrem Anliegen unterstützen“, erklärt Bürgermeister Dieter Lengemann. Später will die Gemeinde die Box selbst nutzen.

Auch die Gemeinde Schauenburg will noch in diesem Jahr zwei Boxen anschaffen, um den Lärm der nahen Autobahnen und Umgehungsstraße zu messen, sagt Bürgermeister Michael Plätzer auf HNA-Anfrage. „Wir prüfen allerdings noch, welche Box es werden soll.“ Man habe zwecks Erfahrungsaustausch Kontakt mit einer Kommune aufgenommen, aber noch keine Rückmeldung. Von Interesse sei zum Beispiel, ob Daten gerichtlich verwertbar seien. „Grundsätzlich geht es aber darum, Argumente zu sammeln“, sagt Plätzer – und das möglich kostengünstig.

In der Baunataler Stadtverordnetenversammlung wurde bereits beschlossen ein Gutachten erstellen zu lassen, dass einen Rechtsanspruch der Kommune auf aktiven Lärmschutz prüft. „Das Gutachten wollen wir mit eigenen Messungen flankieren, ergänzen und stützen“, sagt Erster Stadtrat Daniel Jung. Noch seien keine Boxen gekauft worden, es hätten aber schon Sondierungsgespräche stattgefunden. „Es sollte jetzt sehr schnell gehen“, so Jung.

Infoveranstaltung: Die BI „Ruhe über Bergshausen“ informiert morgen von 17.30 Uhr an in der Fulle Marie über ihre Arbeit, Entwicklungen und die Smartbox.

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