Fuldabrückerin kämpfte mehrmals um ihr Leben

Zohre Haidari lebt mit einem neuen Herzen 

Zohre Haidari aus Fuldabrück kämpft sich mit einem neuen Herzen und einer neurologischen Erkrankung durchs Leben.
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Zohre Haidari aus Fuldabrück kämpft sich mit einem neuen Herzen und einer neurologischen Erkrankung durchs Leben.

Wer Zohre Haidari trifft, begegnet einer freundlichen und abgeklärten jungen Frau. Wer ihre Geschichte hört, versteht, woher diese Abgeklärtheit kommt. Haidari lebt seit sechs Jahren mit einem neuen Herzen, kämpft mit schwächer werdenden Muskeln und hatte mehrmals Angst um ihr Leben.

Fuldabrück – „Mich schockt so schnell nichts mehr“, sagt die 28-Jährige mit afghanischen Wurzeln in ihrer Wohnung in Fuldabrück, wenn sie auf die vergangenen Jahre blickt. Dabei funktioniere ihr neues Herz „tipptopp“, wie sie sagt.

Zohre Haidari leidet an einer neurologischen Erkrankung – mitochondriale Myopathie lautet die Diagnose, die Haidari in vielem einen Strich durch die Rechnung macht. Etwa dabei, ihre Ausbildung abzuschließen, ihren Berufswunsch als Arzthelferin zu verwirklichen, einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Die Form, die bei Haidari diagnostiziert wurde, hat auch ihr Herz kaputtgemacht, schildert sie.

Als sie 2015 in die Klinik kam, hatte ihr Herz kaum mehr Leistung. Sie wusste nicht, ob sie ein Spenderherz bekommen würde. „Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich keins bekomme“, erinnert sie sich. Doch dann kam die gute Nachricht. Wenn Zohre Haidari heute von dem Moment erzählt, sucht sie noch immer nach Worten, noch immer fehlen sie ihr.

Doch das neue Herz hat sie nicht von ihrer Krankheit geheilt. Ihr fehlt auch Kraft. „Andere merken das kaum, aber ich merke es“, sagt Haidari. Selbst auf dem Weg von ihrer Haustüre zum Tor an der Straße bleibt ihr die Luft weg – „und das sind nicht mal 50 Meter“. Mittlerweile hat sie einen Rollator, den sie für lange Strecken nutzt, ein Rollstuhl ist immer im Auto, wenn sie mit ihren Eltern unterwegs ist. Pflegestufe zwei ist bewilligt.

Kraft tanken kann Haidari nur im Schlaf. Nach einer Geburtstagsfeier kommt es vor, dass sie drei Tage nur schläft. „An Essen ist da kaum zu denken, ich kippe einfach um“, sagt sie. Auch die Arbeit im Autohaus ihrer Eltern in Lohfelden als Buchhalterin ist ihr mittlerweile zu anstrengend geworden. Hobbys fallen ihr schwer, sie malt mit Öl, kauft Blumen und stellt selbst Sträuße zusammen. Wenn Haidari darüber spricht, klingt das alles sehr klar. Aber sie sagt auch: „Für mich ist das schlimm.“

Weil Haidari Medikamente nehmen muss, damit ihr Körper das neue Organ nicht abstößt, ist ihr Immunsystem geschwächt. Ein Schnupfen könnte sie umbringen. Als die junge Frau nach der Herzoperation wieder unter Menschen wollte und auf einen Geburtstag ging, fing sie sich eine Erkältung ein, auf die ihr Körper reagierte und das neue Herz abstieß. Danach ging Zohre Haidari nicht mehr ohne Maske und Handschuhe aus dem Haus.

All die Jahre haben Haidari zu einer starken, jungen Frau gemacht. Eine, die keine Pläne macht, weil sie nicht weiß, ob sie eintreten werden. Dass sie einmal Bungee-Jumping macht oder einen Partner findet, hat sie „abgehakt“, wie sie sagt.

Die einzigen Momente, in denen Zohre Haidari nicht an ihre Krankheit erinnert wird, sind, wenn sie mit ihrer Familie oder Verwandten im Urlaub ist. Wenn sie vorher geprüft hat, dass es dort eine gute Klinik gibt. Wenn sie am Strand das Meer rauschen hört, kann sie alles für einen kurzen Moment vergessen.

Manchmal denkt sie noch daran, einen Brief an die Familie des Spenders ihres neuen Herzens zu schreiben. Anonym ist das möglich. Aber sie möchte keine Wunden aufreißen und bleibt lieber still dankbar. Sie will, dass sich Menschen mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und wissen, dass sie auch kleinen Kindern Leben schenken kann.

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