Nach Straßen-Vollsperrung

Keine Busse: Von Fuldabrück nach Kassel fahren nur Minicars

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Nutzt die Busverbindung von Dennhausen nach Kassel normalerweise fast täglich: Tanja Mittelsdorf kann die Verbindung nun mit Tochter Pauline und Kinderwagen nicht mehr nutzen, da der Wagen nicht in die Ersatz-Minicars passe.

Sie sei ans Dorf gefesselt, sagt Tanja Mittelsdorf. Denn wegen der Vollsperrung der Straße zwischen Dörnhagen und Denn-/Dittershausen ist auch der Busverkehr beeinträchtigt.

Die 28-jährige Tanja Mittelsdorf aus Dennhausen ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Arztbesuche, Einkäufe und Termine oder Ausflüge mit ihren zwei kleinen Kindern nach Kassel erledigt sie mit Bus und Bahn. Durch die Vollsperrung der Straße zwischen Dörnhagen und Denn-/Dittershausen während der Sommerferien geht das laut Mittelsdorf alles nicht mehr. 

Denn seit die Straße nicht befahrbar ist, ist auch der Busverkehr nach Kassel beeinträchtigt. Die Linie 17 wurde für die Zeit der Sperrung in zwei Abschnitte geteilt. Einer davon fährt als Kleinbus zwischen Kassel, Dennhäuser Straße und der Grundschule Dittershausen – also genau die Strecke, die Mittelsdorf fast täglich fahren muss.

Diese Kleinbusse sind Minicars mit acht Sitzplätzen. Und dort passt laut der 28-Jährigen kein Kinderwagen rein. „Ich bin sozusagen für die Zeit der Ferien an das Dorf gefesselt. Wenn irgendwas mit meinen Kindern ist, kann ich hier nicht weg.“ Sie zahle schließlich monatlich 65 Euro für die Busfahrkarte, und ärgere sich sehr, dass sie jetzt gar nicht fahren könne.

Es ist zu eng im Minicar

Auch mit zusammengeklapptem Kinderwagen sei es im Minicar zu eng, außerdem macht sich Mittelsdorf Sorgen um die Sicherheit ihrer Tochter Pauline, während der Fahrt. „Ich müsste sie dann auf den Schoß nehmen, ich weiß nicht, wie sicher das ist.“ In normalen Bussen gebe es dagegen ja extra dafür ausgezeichnete Stellplätze für Kinderwagen. Da blieben die Kinder in den Wägen sitzen.

„Ich verstehe nicht, wieso überhaupt Minicars auf der Strecke zum Einsatz kommen und nicht einfach normale Busse fahren“, sagt Mittelsdorf.

Eine Antwort darauf hat KVG-Sprecher Ingo Pijanka. „Wir haben aktuell nicht die personellen Kapazitäten, die beiden ASTs von Kassel Richtung Fuldabrück kommend parallel zu betreiben. Sonst ist es ja nur einer. Daher haben wir den Betrieb auf dem zweiten AST, also Haltestelle Dennhäuser Straße bis Dennhausen/Dittershausen, extern an einen Minicar-Betreiber vergeben.“ Die KVG müsse sich danach richten, was der Markt derzeit hergebe. „Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist angespannt. Es ist schwer, qualifizierte Fachkräfte zu bekommen. Das trifft uns auch im Bereich der Fahrer“, sagt Pijanka.

Die eingesetzten Sprinter verfügen aber laut dem Pressesprecher über einen Kofferraum, in den Kinderwagen zumindest zusammengeklappt reinpassen. „Anders geht es leider nicht.“

Kinderwagen ist zusätzliches Gewicht

Darüber hinaus erkenne die KVG kein „Sicherheitsplus“ im Linienbus. „Sicher, in den Bussen gibt es ausgewiesene Stellplätze für Kinderwägen. Aber es sind keine mechanischen Sicherungen für die Kinderwägen vorhanden“, erklärt Pijanka. „Man muss sie mit den Händen festhalten. Wenn man das Kind auf den Schoß nehme, habe man es näher am Körper. „Ein Kinderwagen dagegen ist ein zusätzliches Gewicht, das beim Bremsen zu einer weiteren Beschleunigung führen kann, wenn der Wagen nicht ständig fest und nah am Körper gehalten wird.“ Ein weiterer Punkt: „Im Linienbus gibt es keinen Gurt, der für mehr Sicherheit sorgen würde.“ Tanja Mittelsdorf hat noch einen weiteren Kritikpunkt an der Minicar-Lösung. „Zu Spitzenzeiten, zum Beispiel am Nachmittag, reichen die acht Plätze nicht aus. Selbst wenn nur meine Freundinnen und ich mit unseren Kindern zusammen nach Kassel fahren, ist so ein Minicar-Bus voll.“

Pijanka sagt dazu: „In den Sommerferien ist auf der Linie 17 deutlich weniger Nachfrage als in der Schulzeit. Normale Linienbusse verkehren fast leer. Das ist weder ökologisch noch ökonomisch.“ Üblicherweise seien die eingesetzten Sprinter ausreichend. Dass es in Spitzenzeiten aber zu Problemen komme und Fahrgäste nicht befördert würden, „wurde bisher nicht an uns herangetragen. Dafür bedanken wir uns. Wir werden den Sachverhalt prüfen und gegebenenfalls nachsteuern.“

Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist und die Linie 17 nach Kassel nutzen möchte, soll eine halbe Stunde vor Abfahrt unter der Tel. 05 61/81 10 81 anrufen. Dann kommt ein größeres Fahrzeug, das auch Rollstühle befördern kann.

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