Geld für Neubau bleibt aus

Kommunen im Kreis Kassel müssen Kitas vorerst ohne Förderungen bauen

Kreis Kassel – In vielen Städten und Gemeinden im Landkreis Kassel werden dringend Kita- und Krippenplätze gebraucht. Doch ohne die finanzielle Unterstützung durch Bund und Land kann dieser Bedarf kaum realisiert werden.

Kita Tausendfüßler in Dörnhagen: Zwei Gruppen sind derzeit als Zwischenlösung bis zum Neubau im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht. Die Kommune hatte mit 1,8 Millionen Euro Fördergeld vom Bund gerechnet.

Zwar gab es Anfang des Jahres die Zusage des Hessischen Sozialministeriums, weitere 92 Millionen Euro Förderung landesweit zu verteilen, doch bislang ist davon nichts in den Kommunen angekommen. Die Millionen wären ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn allein im Landkreis Kassel werden nach Einschätzung des Vizelandrats Andreas Siebert etwa 30 bis 35 Millionen Euro gebraucht.

Kommunen im Landkreis Kassel müssen Kitas vorerst ohne Förderungen bauen: Fuldabrück

„Wir stehen in engem Kontakt mit den Bürgermeistern, um zu schauen, wie wir mit der misslichen Lage umgehen können“, sagt Siebert. Eine Arbeitsgruppe sei auf der Suche nach einer Lösung, die für alle Kommunen tragbar ist. Es könne aber noch Wochen dauern, bis die Beratungen abgeschlossen sind. Dabei geraten die Kommunen schon jetzt unter gewaltigen Druck – sie müssen handeln.

Auf 1,8 Millionen Euro wartet Fuldabrück – bis jetzt aussichtslos. Das Geld war als Förderung vom Bund für den Neubau des Kindergartens gegenüber des Rathauses in Dörnhagen beantragt. Laut Bürgermeister Dieter Lengemann seien Kommunen damals sogar noch dazu aufgefordert worden, Förderanträge zu stellen. Seit Anfang des Jahres warten die Kommunen vergebens darauf. „Ich muss die Kita errichten“, sagt Lengemann. Die jetzige platze aus allen Nähten. Zwei der sechs Gruppen wurden ins Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses ausgelagert. Die Genehmigung laufe aber in zwei Jahren aus. Das Gebäude sei sanierungsbedürftig.

Kommunen im Landkreis Kassel müssen Kitas vorerst ohne Förderungen bauen: Vellmar

Soweit sind die Planungen in Vellmar noch nicht gereift. Die Stadtverordneten hatten im Dezember den Bau von zwei Krippen in Vellmar-West und Niedervellmar beschlossen, allerdings unter Vorbehalt. Ohne die Förderung von jeweils 500 000 Euro sollte das Vorhaben nicht umgesetzt werden. Trotzdem sagt Bürgermeister Manfred Ludewig: „Wir wollen so schnell wie möglich zumindest mit dem Bau einer Krippe beginnen.“

Glücklicherweise könne die Stadt den Bedarf mittelfristig überbrücken. Nach den Sommerferien soll der Betrieb in der neuen Kita in der Aue beginnen. Die beiden Containeranlagen auf dem Festplatz und in Obervellmar blieben bestehen, das sei aber keine Dauerlösung. „Die Anlagen sind nur befristet genehmigt.“

Für den Festplatz sei bereits eine Verlängerung beantragt. Mit der Förderung von Neubauten allein könne das Problem ohnehin nicht gelöst werden. „Viel dringender sind Betriebskostenzuschüsse für die laufenden Kosten“, sagt der Verwaltungschef weiter.

Kommunen im Landkreis Kassel müssen Kitas vorerst ohne Förderungen bauen: Fuldatal

Auch die Gemeinde Fuldatal steht unter Druck. Es werden ständig neue Kita-Plätze benötigt, weil viel gebaut werde, erklärt Fachbereichsleiter Michael Thöne. Der Kitaneubau in Ihringshausen sei schon fast fertig, hier sollen drei neue Kitagruppen und drei Krippengruppen Platz finden. Im August soll eröffnet werden – von den 1,5 Millionen Euro Förderung hat die Gemeinde bisher nichts gehört. „Jetzt müssen wir das erst mal alleine stemmen“, sagt Thöne. „Darüber sind wir natürlich nicht erfreut“.

Den Haushalt konnte die Gemeinde nur mit einer Erhöhung der Grundsteuer durchbringen. „Und wir wissen noch nicht, was die Coronakrise finanziell bedeutet“, sagt Thöne. Die Kita muss nun über Kredite finanziert werden. „Gott sei Dank haben wir noch ein niedriges Zinsniveau“.

Rubriklistenbild: © Valerie Schaub

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